1. Home
  2. Unternehmen
  3. Die Schweiz holt bei Startup-Finanzierungen mächtig auf

Gründungen
Die Schweiz holt bei Startup-Finanzierungen mächtig auf

Roman Ebneter (left), engineer at Aerotain
Die Gründer vom Startup Aerotain in Dübendorf: Schweizer Startups erhalten mehr Investitionen. Quelle: © KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER

Endlich nehmen Schweizer Startups Fahrt auf: Sie holten im Vorjahr 415 Millionen Euro Investorengelder. Das ist ein deutlicher Zuwachs.

Von David Torcasso
am 05.10.2018

Es kommt Bewegung in die Schweizer Startup-Szene, die bis vor Kurzem bei den Investitionen stagnierte. Das zeigt das Startup-Barometer des Beratungsunternehmen EY – die Schweiz ist im Vergleich einer der Überflieger. «Sie verzeichnet im ersten Halbjahr einen deutlichen Zuwachs», so Peter Lennartz, Head der Startup-Initiative im DACH-Raum bei EY.

Das investierte Kapital stieg im Vergleich zum Vorjahr von 140 auf 415 Millionen Euro. Damit liegt die Schweiz auf dem fünften Platz in Europa. Das ist beachtlich für die Grösse des Landes. Nur Grossbritannien, Deutschland, Frankreich und Schweden liegen vor der Schweiz mit ihren rund acht Millionen Einwohnern.

 

Anzeige

Europa erlebt laut EY derzeit einen Investitionsboom für Startups. Die Zahl der Finanzierungen stieg gegenüber dem Vorjahr um fast 20 Prozent auf rund 2000 Deals. Europaweit wurden damit im ersten Halbjahr 2018 über 10 Milliarden Euro in Startups gepumpt. «Noch nie ist die europäische Startup-Szene so gut in ein Jahr gestartet», sagt Lennartz. Genaue Angaben, woher der Kapitalzufluss stammte, hat EY nicht aufgeführt. Die Mehrheit der investierten Gelder dürfte von ausländischen Kapitalgebern stammen.

Viel mehr Geld fliesst nach Zürich

Auch im Städtevergleich punktet die Schweiz: Zürich mausert sich zum europäischen Startup-Hub. Zwar liegt die grösste Schweizer Stadt hinter London, Paris, Berlin, Stockholm und Moskau, die Zahl der Deals hat sich aber beinahe verfünffacht. Sie stieg von 11 auf 47 Deals innerhalb eines Jahres. In London werden wurden fast 300 Abschlüsse erzielt, in Berlin 123. 

Massgeblich ist das Investitionsvolumen. Dort sind London und Berlin unangefochten die Spitzenreiter in Europa mit rund 2 Millarden Euro in der britschen Hauptstadt und 1,6 Milliarden Euro in der deutschen Hauptstadt. Aber auch Zürich schafft es in die Top Ten, mit rund 160 Milllionen Euro. Das absolute Volumen ist noch ausbaufähig, aber auch ist ist das Wachstum gegenüber 2017 deutlich.Im Vorjahr waren es noch 26 Millionen Euro. 

Banking-Apps sind gut finanziert

Es überrascht wenig, dass auch die am höchsten finanzierten Startups aus Berlin und London stammen. Das Berliner Startup Auto1 ist Europas grösster Gebrauchtwagenhändler und hat im Januar eine Finanzierungsrunde von 460 Millionen Euro erhalten, unter anderem vom japanischen Investoren Softbank.

Damit erhielt das Startup die höchste Finanzierung aller Startups in Europa. Auch die Banking-App Revolut aus London hat im April 207 Millionen Euro erhalten. Darüber sprach der Revolut-Gründer Vlad Yatsenko auch im Interview mit der Handelszeitung. Auf dem dritten Platz folgt die Online-Möbelplattform Home24, ebenfalls aus Deutschland

Dabei sieht Lennartz Unterschiede gerade zwischen der britischen und der deutschen Startup-Szene Unterschiede: «In Deutschland fliesst weiter besonders viel Geld in E-Commerce-Geschäftsmodelle, während in Grossbritannien vor allem junge Fintech- und andere Technologie-Unternehmen hohe Summen erhalten.» Neben Fintech sieht der EY-Spezialist auch ein hohes Potenzial für Investitionen in den Bereichen «Software & Analytics» inklusive Blockchain und künstliche Intelligenz sowie auch Mobility. Auch N26 aus Berlin ist ein Startup, welches das Banking revolutionieren will und in Konkurrenz mit dem Banking-Anbieter Revolut aus London steht. Das Startup hat im März 132 Millionen Euro erhalten. 

Auch wenn das Wachstum in Zürich deutlich sichtbar ist, zeigen diese Zahlen: Es ist noch Luft nach oben.