Die Schweiz hat eine starke Tradition im Bau energieeffizienter Geschäftsimmobilien. Gleichzeitig liegt Energieeffizienz gerade bei Geschäftsimmobilien weltweit im Trend. Doch die Schweiz schafft es bisher kaum, ihre starke Position im Heimmarkt in Geschäftserfolge im Ausland umzumünzen.

Minergie rechnet sich

Der Balsberg ist ein Beispiel. Der ehemalige Hauptsitz der Swissair in der Nähe des Flughafens Zürich ist derzeit mit knapp 70000 Quadratmetern Energiebezugsfläche der grösste Minergiebau der Schweiz. Der Hauptsitz der Migros in Zürich oder der Swisscom Businesspark in Bern-Liebefeld sind weitere Beispiele. Allen ist gemeinsam, dass die Bauherren ihre Liegenschaften stärker auf Energieeffizienz trimmen, als es die kantonalen Vorschriften verlangen.

Energieeffizienz ist ein grosses Thema bei Geschäftsimmobilien in der Schweiz. Für Betrei- ber grosser Geschäftsimmobilien schlägt sich der Energieverbrauch in der Jahresrechnung nieder. Eine höhere Energieeffizienz verlangt höhere Investitionen, die sich aber über die Jahre rechnet.

Dieser klare Vorteil schlägt sich in der Statistik der Minergie- bauten nieder: Bisher wurden knapp 17000 Gebäude nach diesem Standard zertifiziert, die durchschnittliche Nutzfläche beträgt über 1000 Quadratmeter. Damit machen kommerziell errichtete Gebäude den Löwenanteil aus. Das sind sowohl Mehrfamilienhäuser als auch Geschäftsimmobilien.

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Der Erfolg von Minergie wurzelt in erster Linie in ihrem Geschäftsmodell. Seinen erfolgreichen Start verdankt der Standard der guten Verankerung in kantonalen Behörden, also denen, die letztlich auch für die Baustandards zuständig sind. Seine erfolgreiche Durchsetzung verdankt er der Tatsache, dass er geschäftlichen Nutzen verspricht: Seine Vorgaben haben zur Entwicklung von eigenen Produkten und Dienstleistungen geführt. Ein Beispiel dafür sind die Komfortlüftungen. Seine gute Durchdringung des Heimmarkts wiederum verdankt Minergie seinem weiten und ständig wachsenden Netz von Fachpartnern.

Die Stärke von Minergie auf dem Heimmarkt erklärt auch ihre Schwäche im Ausland. Obwohl Minergie der auf dem Heim- markt erfolgreichste Standard für Energieeffizienz von Gebäude weltweit ist, wird er im Ausland kaum wahrgenommen. Er steht im Schatten des amerikanischen LEED und des britischen BREEAM. Das liegt nicht nur am fehlenden Werbebudget. Das liegt auch an der fehlenden Vernetzung im Ausland.

Damit spiegelt Minergie die Schwächen einer ganzen Branche. Die Schweiz hat global erfolgreiche Architekten, Immobilienentwickler und Dienstleister der Immobilienbranche. Der individuelle Erfolg bedeutet aber noch nicht den Erfolg der Schweizer Bau- und Immobilienbranche insgesamt. Der Branche fehlt ausserhalb des Heimmarkts, was Minergie zuhause starkgemacht hat: Die Vernetzung. Auf dem Weltmarkt sind Schweizer Unternehmen meist zu klein, um ausserhalb von Nischen erfolgreich zu sein. Hinzu kommt, dass viele der im Ausland tätigen Unternehmen auf eine starke Präsenz im Inland verzichten. Wenn diese Unternehmen im Ausland erfolgreich sind, dann ziehen sie keine anderen Schweizer Unternehmen nach.

Versprechen Swiss Village

Es gibt allerdings ein Erfolgsrezept für die Branche: Das Swiss Village Abu Dhabi. Darin haben sich über 180 Unternehmen zusammengeschlossen, um ein Schweizer Quartier in der Ökostadt Masdar zu errichten. Damit haben auch kleine Unternehmen und einzelne Architekten eine Chance, in einem der grössten Infrastrukturprojekte am Golf zum Zuge zu kommen. Diese Chance hätten sie kaum, wenn sie allein in diesem Markt auftreten wollten.

Dieses Erfolgsrezept könnte auch anderswo angewandt werden. Das derzeit noch auf Masdar konzentrierte Swiss Village könnte zu einem Zusammenschluss von Unternehmen werden, die Dienstleistungen rund um nachhaltige Stadtentwicklung, Städtebau und Architektur anbieten. Aus einem lokalen Zusammenschluss könnte eine global wirksame Marke werden. Die bisherige Schwäche könnte so eine Stärke werden. Die kleinteilige Schweizer Branche könnte, wenn sie sich geschickt vernetzt, nach aussen flexibel und innovationsstark auftreten.