«Die Banken sind sich einig, dass eine Lösung für die alten, unversteuerten Vermögen nötig ist», sagt Thomas Sutter, Sprecher der Schweizerischen Bankiervereinigung. Möglichkeiten gebe es verschiedene, «Steueramnestien ohne Repatriierungspflicht wären aber die eleganteste Lösung». Damit bliebe es den ausländischen Kunden überlassen, ob sie ihr Vermögen nach der Deklaration in der Schweiz lassen wollen.

Jetzt ist es an der Politik, den einzelnen Ländern zum Beispiel Steueramnestien vorzuschlagen. «Ein solches Vorgehen wäre mit der Abgeltungssteuer kombinierbar», sagt Michel Dérobert, Geschäftsführer der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers. «Amnestien funktionieren, aber sie sind nicht überall politisch akzeptiert.» So schätzen Beobachter, dass eine Steueramnestie in Deutschland derzeit politisch schwierig durchzusetzen wäre. Liechtenstein hat mit Grossbritannien bereits eine Übereinkunft gefunden, um die bestehenden Schwarzgelder zu legalisieren.

«Toxische» Schwarzgelder

Wie die jüngste Steueramnestie in Italien zeigt, fliessen den Banken durch Steueramnestien massiv Kundengelder ab. Dennoch sprechen sich die Schweizer Banken dafür aus, den ausländischen Staaten Amnestien vorzuschlagen. Denn die unversteuerten Vermögen werden für die Institute immer mehr zur Hypothek. Die einst umworbenen reichen, ausländischen Kunden werden gefährlich; Bankvertreter sprechen in Anlehnung an die Subprime-Papiere bei den Schwarzgeldern häufig von «toxischen Assets». Von den überführten Steuersündern stossen die ausländischen Behörden auf den Kundenberater, am Ende kommt die Bank ins Spiel. «Für die Banken bestehen grosse rechtliche Risiken», sagt Sutter.

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Für Dieter Bohnert, Rechtsanwalt bei der Anwaltskanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek, geht es vor allem um die Frage, was die Schweizer Banken für ihre ausländischen Kunden tun - und ob das möglicherweise aus Sicht des betreffenden Landes die Grenzen einer strafbaren Beihilfe zur Steuerhinterziehung überschreitet. So könne in Deutschland die Bereitstellung ungewöhnlicher Bankdienstleistungen - etwa die banklagernde Post -, die über die reine Kontoführung hinausgehen, bereits eine strafbare Beihilfe zur Steuerhinterziehung darstellen.

Banken tragen hohes Risiko

Kein Wunder, melden sich seit der deutschen CD-Affäre nicht nur reuige Steuersünder bei Bohnert, um sich beraten zu lassen. Auch Banken suchen Rat. «Die Gefahr strafrechtlicher Verfolgung wächst», sagt Bohnert. Den Banken rät der frühere Steuerfahnder, ihr Geschäftsmodell möglichst rasch den ausländischen Gesetzen anzupassen. Doch dies dauert seine Zeit. Auch wenn die Schweizer Institute nun alles richtig machten, bleibe diese Hypothek, so Bohnert.

«Die UBS ist kein Einzelfall. Auch andere Schweizer Banken haben sich im Ausland nicht einwandfrei an die Gesetze gehalten und gesetzliche Grauräume eher zu ihren eigenen Gunsten interpretiert», sagt Teodoro Cocca, Professor für Asset Management an der Johannes Kepler Universität Linz. Laut Experten bestehen Unterschiede zwischen der angewandten Praxis der Behörden und dem geltenden Recht in den verschiedenen Ländern. «Dass die Behörden die Schraube anziehen werden, haben die Banken lange Zeit unterschätzt und jetzt sind sie verwundbar», sagt Cocca. Kommt eine Schweizer Bank wie die UBS mit dem ausländischen Gesetz in Konflikt, stellt dies ein grosses Reputationsproblem für den gesamten Finanzplatz dar. «Wenn wir die Vergangenheit nicht in den Griff kriegen, kann jederzeit wieder ein Sturm über den Finanzplatz Schweiz fegen», sagt Cocca. Und das Geschäft der Banken wäre über Jahre paralysiert.