Die Banken in Europa dürften nach Schätzungen von Experten in strukturierten Produkten wie Anlagezertifikaten und Hebelprodukten mehr als 645 Mrd Fr. verwalten.

Je nach steuerlichen Rahmenbedingungen präferierten die Anleger die klassischen strukturierten Produkte oder die Hebelprodukte. Dabei besteht ein Nord-Süd-Gefälle. Die Anleger an den grössten Handelsplätzen in der Schweiz und in Deutschland sind auf die eher defensiven Anlageprodukte fokussiert, während in Spanien, Italien und Frankreich die Hebelprodukte dominieren.

Sicherheit geht in der Schweiz vor

Der Schweizer Markt ist der älteste Markt für strukturierte Produkte weltweit. Die Schweiz konnte ihren Spitzenplatz gegenüber dem nördlichen Nachbarn Deutschland erneut verteidigen. Gemessen an den Assets under Management bieten die Eidgenossen den weltweit grössten Markt. Die Schweizer Nationalbank wies per Ende Dezember 2007 einen Bestand von 346 Mrd Fr. aus, die Schweizer in strukturierten Produkten angelegt haben. Das entspricht einem Wachstum von 15% innerhalb eines Jahres. 6,5% aller Gelder, die auf Schweizer Bankdepots angelegt sind, stecken in strukturierten Produkten. Die Zahl der an Scoach in der Schweiz gelisteten Produkte hat sich innerhalb Jahresfrist fast verdoppelt. Die grössten Marktanteile verzeichneten vor allem Partizipations- und Renditeoptimierungsprodukte. «Safety First» hiess es offensichtlich bei den Schweizer Anlegern. Denn das stärkste Wachstum erreichten die Kapitalschutzprodukte mit einem Plus von 234%.

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Bei den Assets under Management führen die Schweizer die europäischen Handelsplätze für strukturierte Produkte deutlich vor Deutschland an. Im abgelaufenen Jahr sind im nördlichen Nachbarland die von den Banken verwalteten Kundengel- der in Anlagezertifikaten und Hebelprodukten um gut 17% gewachsen. Die Markterhebung des Deutschen Derivate Verbandes, der Interessengemeinschaft der Zertifikatebranche, weist bei dessen 13 Mitgliedern ein ausstehendes Volumen (Open Interest) von 152,26 Mrd Fr. (94,6 Mrd Euro) aus.

Für den Gesamtmarkt schätzt der neu gegründete Deutsche Derivate Verband das Marktvolumen auf 217,47 Mrd Fr. (135,1 Mrd Euro). Das Marktwachstum hat sich in den letzten Wochen des vergangenen Jahres durch die zahlreichen endfälligen Produkte verlangsamt. An keinem anderen Handelsplatz werden so viele Produkte angeboten wie in Deutschland. Ein wesentlich kleinerer Markt, aber schnell wachsender Handelsplatz ist Österreich. Das ausstehende Volumen der Mitglieder des Zertifikate Forums Austria ist dank der Zuflüsse von 1,43 Mrd Fr. (891 Mio Euro) im vergangenen Jahr um 19,1% auf aktuell rund 9 Mrd Fr. (5,6 Mrd Euro) gewachsen. Gemäss der Schätzung des Verbandes ergibt sich damit ein aktuelles Gesamtmarktvolumen von knapp unter 19,3 Mrd Fr. (12 Mrd Euro). Auch in der östlichen Alpenrepublik zeigt sich die Tendenz, dass der Handel mit den Hebelprodukten zurückgeht und die Umsätze bei den konservativen Produkten zunehmen.

Obwohl der italienische Derivatmarkt auch unter den Auswirkungen der US-Hypothekenkrise und den Turbulenzen an den Kapitalmärkten gelitten hat, sind die Umsätze an der Securities Derivatives Exchange (SeDeX) in Mailand um rund 18% auf 142,9 Mrd Fr. (88,78 Mrd Euro) gestiegen. Im vergangenen Jahr hat sich aber eine deutliche Veränderung bei den Vorlieben der italienischen Investoren gezeigt.

Italiener hebeln gerne

Kamen bis dato Hebelprodukte wie Optionsscheine der Mentalität der Italiener entgegen, verschob sich der Umsatz zugunsten der eher defensiven strukturierten Produkte wie Anlagezertifikate. Die Südeuropäer entdeckten vor allem den Vollkaskoschutz, also Produkte mit Kapitalschutz. Bedingt durch die steuerlichen Rahmenbedingungen hat der Umsatz bei den Warrants zulasten der strukturierten Produkte am spanischen Markt und an der Euronext zugenommen. Der Gesamtumsatz schwoll im Zeitraum von Januar bis Dezember 2007 um 43% auf 54,5 Mrd Fr. (33,8 Mrd Euro) an. Vor allem die Franzosen sorgten mit einem Handelsvolumen von 21,9 Mrd Fr. (13,6 Mrd Euro) bei den Optionsscheinen für den starken Anstieg. Die hohen Volatilitäten an den internationalen Finanzmärkten haben auch die Handelsaktivität bei den Hebelprodukten in Spanien stark ansteigen lassen. Der Umsatz stieg gegenüber 2006 um 75% auf 8,2 Mrd Fr. (5,08 Mrd Euro). Der Umsatz bei den Anlagezertifikaten betrug 2007 gerade mal rund 80,6 Mio Fr. (50 Mio Euro).

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