Das Geschäftsjahr 2009 war kein einfaches Jahr, auch für die Speditions- und Logistikdienstleister. Wie erfolgreich schlug sich die Firma Dachser Spedition Schweiz im vergangenen Jahr?

Peter Bauer: Wir hatten einen Umsatzrückgang im einstelligen Prozentbereich zu verzeichnen. Seit dem Herbst 2009 ziehen allerdings die Umsätze wieder an. Über die Gründe dafür kann man eigentlich nur spekulieren. Ursache kann die Konjunkturentwicklung sein oder das Verhältnis Schweizer Franken zum Euro, denn speziell im Import stellen wir fest, dass die Umsätze derzeit wieder stark zunehmen.

Welche Erwartungen verbindet man mit dem Jahr 2010?

Bauer: Aufgrund dieser Entwicklung sind wir für das laufende Jahr sehr zuversichtlich, das Umsatzvolumen wieder steigern zu können.

Könnte der Umsatz 2010 denjenigen von 2008 übertreffen?

Bauer: Nein, damit rechnen wir nicht, aber wir glauben, diesem wieder sehr nahe zu kommen.

Wie beurteilen Sie die zukünftige Entwicklung im Kontraktlogistikgeschäft? Hält der Trend zum Outsourcing weiter an?

Bauer: Dieser Trend wird weitergehen, wir stellen dies bei vielen unserer Kunden fest.

ETH-Professor Jost Wichser sagte kürzlich: «Künftige Logistikkonzepte erfordern wieder einen stärkeren Fokus auf Transportmöglichkeiten. Die Konzentration auf Zentralläger ist nicht mehr der richtige Weg, da tiefere Lager- und Distributionskosten immer höheren Beförderungskosten gegenüberstehen. Eine bessere Auslastung der Strasse-Schiene-Fahrzeuge erfordert Kollaborationen unter den Logistikanbietern.» Was denken Sie über diese Aussage?

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Bauer: Das Thema Zentrallager ist an seiner Spannungsgrenze angekommen. Die Zeiten, in denen man glaubte, man könne mit einem grossen Zentrallager praktisch ganz Europa bedienen, sind definitiv vorbei. Heute stehen wieder vermehrt regionale Läger im Vordergrund, bedingt durch die immer kürzer werdenden Lieferzeiten. Punkto Kollaborationen sind wir eher skeptisch, denn es wird wohl so sein, dass derjenige Logistikdienstleister, der schon sehr weit fortgeschritten ist in der Entwicklung seiner Systeme, Vorteile hat. Andere dagegen suchen eine Zusammenarbeit. Bei Verkehrsträgern kann dies sehr wohl der Fall sein, nicht aber bei den Logistikern.

In der Kontraktlogistik findet eine immer enger werdende Vernetzung zwischen Kunde und Logistiker statt. Nur bei einer auch IT-mässig engen Verbindung können optimale Dienstleistungen erbracht werden. Wie gestaltet sich derzeit dieses Verhältnis zwischen dem Kunden und Dachser? Ist es angesichts der oft hohen Investitionen in Lageranlagen möglich, mit dem Kunden langfristige Verträge abzuschliessen?

Bauer: Die Wunschvorstellung unserseits wäre eine Vertragslaufzeit von zehn Jahren. Bei vielen Kunden laufen allerdings die Verträge teilweise kürzer. Allerdings wollen aber auch unsere Kunden eine gewisse Sicherheit haben und sind deshalb einverstanden, längerfristige Vereinbarungen mit uns zu treffen.

Im europäischen Landverkehr kann offensichtlich kaum mehr Geld verdient werden. Wie sieht das bei Dachser aus?

Bauer: Für Dachser ist das europäische Landverkehrsnetz geradezu die Stütze des Konzerns. Wir sind schon seit über 80 Jahren in diesem Geschäft tätig und verfügen heute über ein äusserst engmaschiges Netz in Europa.

Ist in den kommenden Jahren mit einer Konzentration im Bereich der europäischen Landverkehre zu rechnen?

Bauer: Man muss dies differenziert betrachten. Bei den Netzen mit langen Distanzen wird es in naher Zukunft nicht sehr viele Anbieter geben. Hier ist mit einer weiteren Konzentration zu rechnen. Anders sieht es bei den regionalen Netzen aus, hier sind unzählige Anbieter tätig, die sich gegenseitig konkurrenzieren.

Noch immer wird die grosse Mehrheit des Gütervolumens in Europa auf der Strasse transportiert. Aber auch die Schiene spielt eine nicht unerhebliche Rolle im Gütertransport, vor allem auf langen Distanzen. Welche Erfahrungen machte die Firma Dachser Schweiz mit dem Schienengüterverkehr?

Bauer: Wir transportierten bis vor kurzem Güter auf der Schiene nach Lausanne. Aber nachdem die Bahn die Transporttarife massiv erhöht hatte, und dies in einer Zeit, in der die Transporttarife zurückgingen, mussten wir aus wirtschaftlichen Gründen diese Transporte einstellen.

Die Chance des Kontraktlogistikers ist, durch ein rationelles Management der Supply Chain dem Kunden Kosteneinsparungen zu ermöglichen. Sind diese Möglichkeiten aus der Sicht der Firma Dachser auch in Zukunft noch gegeben?

Bauer: Betrachtet man die Leistungen rein aus der Kostenoptik, wird der Logistikdienstleister immer günstiger sein. Weil er beispielsweise Multi-Use-Läger betreiben und Bündelungseffekte im Transportbereich erzielen kann. Bei Firmen, welche ihre Logistik noch selber betreiben, besteht die Gefahr, dass deren interne Abläufe wenig effizient gestaltet sind und dadurch mehr Kosten verursachen, als wenn diese Aufgaben von externen Logistikdienstleistern erbracht werden.

Dachser ist heute in Europa für die unterschiedlichsten Branchen und Kunden tätig. Wird sich dieses Portefeuille in naher Zukunft noch weiter ausdehnen oder will man sich eher auf bestimmte Branchen konzentrieren?

Bauer: Man kann als Logistikdienstleister nicht alles machen, man muss sich vielmehr auf Branchen konzentrieren, in denen man über ein spezielles Know-how verfügt. So transportieren wir beispielsweise keine Schüttgüter. Die logistischen Anforderungen in verschiedenen Branchen sind jedoch gar nicht so verschieden, wie das von aussen betrachtet aussehen mag. Wichtig ist vielmehr, dass der Logistikdienstleister über umfassende Kenntnisse der betreuten Branchen verfügt. Dann ist er auch in der Lage, dem Kunden spezifische Dienstleistungen anzubieten.

Die Firma Dachser Spedition AG, Regensdorf, ist derzeit daran, im Rahmen eines Pilotprojektes die Zertifizierung als AEO (Authorized Economic Operator) zu erlangen. Wie verläuft dieses Pilotprojekt der Eidgenössischen Zollverwaltung ?

Bauer: Dieser Tage senden wir unseren formellen Antrag an die Schweizer Zollbehörden. Dann erfolgt eine Prüfung unserer Unterlagen durch die Zollverwaltung.

Welche Voraussetzungen muss ein Spediteur erfüllen, um zertifiziert zu werden?

Bauer: Der Fokus liegt auf dem Thema Sicherheit, und zwar Sicherheit nach aussen. Im Gegensatz zur europäischen AEO-Zertifizierung, welche die Komponente Sicherheit und die Zollkomponente umfasst, enthält die Schweizer AEO-Zertifizierung nur den Sicherheitsaspekt. Man muss als Logistikdienstleister eine Reihe sicherheitsrelevanter Anforderungen erfüllen. Im Zuge der Globalisierung und des grenzüberschreitenden Warenverkehrs kommt der Sicherung der internationalen Lieferkette eine hohe Bedeutung zu. Wir als Logistikdienstleister müssen einen sicheren und professionellen Umgang mit der uns anvertrauten Ware gewährleisten. Für den Inhalt der Transportbehälter jedoch ist allerdings der Absender verantwortlich.