Die vor kurzem veröffentlichten Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) zeigen, dass die Schweizer Exporte im Mai nominal um über 19% eingebrochen sind. Doch für die Exportwirtschaft bahnt sich zumindest beim wichtigen Euro-Franken-Kurs kein weiteres Ungemach an.

Die Deviseninterventionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von Mitte Mai waren erfolgreich. Der Euro-Franken-Kurs konnte vor einem Absinken unter die für die Schweizer Exportwirtschaft wichtige Grenze von 1.50 bewahrt werden.

Mit längerfristigen Repo-Geschäften, dem Kauf von Frankenobligationen und Devisen, konnte ein gezielter geldpolitischer Impuls erzeugt werden, ohne dass es zu Verzerrungen in den einzelnen Märkten kam, so die SNB.

«Dadurch, dass sich die SNB keine eigentlichen Kursziele setzt, wird ein Ausstieg aus den unorthodoxen Massnahmen einfacher», sagt Ursina Kubli, Ökonomin bei der Bank Sarasin. Die geschickt und spärlich eingesetzten rhetorischen Mittel der SNB könnten zudem dazu beitragen, dass die Interventionen einfach auslaufen. Die SNB sieht sich zudem gegenüber Marktteilnehmern im Vorteil, welche auf die Aufwertung des Frankens setzen. Denn sie muss weder auf ein Zinsniveau achten noch die Ausdehnung der Geldmenge neutralisieren.

Die Experten der Credit Suisse erwarten aufgrund der bestehenden Deflationsrisiken eine Fortsetzung der expansiven Geldpolitik. «Die Ankündigung der SNB zeigt, dass die Deflationsgefahr noch nicht gebannt ist», so Kubli, und «ein noch stärkerer Franken würde diese weiter verstärken.»

Franken mit Abwärtsdruck

Gründe für eine Aufwertung des Frankens sind derzeit jedoch kaum auszumachen. «Die SNB ist darauf angewiesen, ausländische Obligationen zu kaufen, weil der Schweizer Markt zu klein ist», sagt Julius-Bär-Ökonom David Kohl. Das führt zu einer weiteren Abwertungstendenz des Frankens oder zumindest dazu, dass sich der Franken nicht wieder stärker aufwertet. Ein Euro-Franken-Kurs von 1.53 ist in den nächsten Monaten daher realistisch. Jedoch bestehe durch potenzielle Rückflüsse von Franken-Krediten aus Osteuropa ein Aufwertungsrisiko.

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Die Experten der Bank Sarasin gehen davon aus, dass Carry Trades den Euro-Franken-Kurs sogar gegen 1.60 führen könnten. Bei einem Carry Trade verschulden sich Anleger in einer tiefverzinslichen Währung, um dann in einer hochverzinslichen zu investieren. «Wenn die Risikoaversion an den Märkten abnimmt, sinkt auch der Anreiz, in den sicheren Franken-Hafen zu investieren», so Bank-Sarasin-Ökonomin Ursina Kubli. Dann würden Währungen und Anlageinstrumente mit höheren Renditechancen interessant werden.

Dollar in Bewegung

Dank dem tiefen Dollarkurs freut sich so mancher Reisende über günstige Ferien in den USA. Doch auch Investoren können von den jüngsten Wechselkursbewegungen profitieren. «Wir rechnen mittelfristig mit einem schwächeren Dollar», sagt Kohl. Sollte die konjunkturelle Erholung noch einmal nachgeben, dann könnte vor allem zusätzlicher Druck auf die US-Währung entstehen, da ein neuerlicher Einbruch mehrheitlich auf die USA beschränkt bleiben könnte.

Die Erholung in den Schwellenländern verlaufe vergleichsweise robust, daher sei kaum mit Kapitalrückflüssen in die USA zu rechnen. «Investoren mit Dollar-Exposure sollten sich hedgen», rät Kohl. Sinkt der Euro-Dollar-Kurs unter 1.40 Dollar, sind US-Dollar-Absicherungsgeschäfte attraktiv. Bei Julius Bär geht man innerhalb der nächsten 12 Monate von einem Euro-Dollar-Kurs von 1.45 aus. Wer in Dollar investieren möchte, sollte jedoch die Anlagen durch Positionen in australischen und kanadischen Dollar diversifizieren.

Nordeuropa interessant

Die norwegische und die schwedische Krone bieten sich laut Kohl als Diversifizierungsinstrumente für Euro-Anleger an. «Angesichts der steigenden Schuldenlast etwa in Griechenland oder Italien könnten sich die Probleme innerhalb der EU noch einmal verschärfen», so Kohl. Das würde zu Abwertungstendenzen beim Euro führen. Durch die starke Abwertung war das britische Pfund lange günstig. «Die jüngste Aufwertung und politische Risiken machen das Pfund derzeit eher unattraktiv», so David Kohl, Ökonom bei Julius Bär.