Wenn jemand etwas anstellt und den Job bei der Credit Suisse verliert, kann er am nächsten Tag als unabhängiger Vermögensverwalter arbeiten», erklärt flapsig Romeo Cerutti, Chefjurist der Credit Suisse Group. Was er anlässlich einer Veranstaltung des Europa-Instituts der Universität Zürich damit ausdrücken wollte: Die Zugangshürden zum Beruf der unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz sind extrem tief. Zudem werden Vermögensverwalter, anders als Banken und Effektenhändler, auch nicht durch die Finanzmarktbehörde Finma beaufsichtigt.

Nur indirekte Finma-Aufsicht

Die Finma sieht zwar Handlungsbedarf, will aber Vermögensverwalter auch inskünftig nicht gleich streng wie Banken und Effektenhändler beaufsichtigen, also keine sogenannte prudentielle Aufsicht ausüben. Urs Zulauf von der Finma-Geschäftsleitung spricht von einer «Registrierungspflicht für Vermögensverwalter mit punktueller Überprüfung», vergleichbar einem Fahrausweis und Stichkontrollen wie im Strassenverkehr.

Für CS-Mann Cerutti genügen aber Registrierungspflicht und Verhaltensregeln für Vermögensverwalter nicht; eine volle Unterstellung unter die Finma-Aufsicht sei unumgänglich. Kein Wunder: Ceruttis Berufskollege Oliver Bartholet, Chefjurist bei UBS Wealth Management & Swiss Bank, erkennt die Tendenz, dass die Finma die regulatorischen Verantwortlichkeiten auf die Depotbank des Vermögensverwalters überwälzt. Es sei auch damit zu rechnen, dass im Sinne eines verbesserten Anlagerschutzes die Gerichte den Depotbanken erhöhte Aufklärungs-, Abmahnungs-, Kontroll- oder Sorgfaltspflichten auferlegen. Die UBS ist ein gebranntes Kind: Als Depotbank von Madoff-Hedgefonds wurde sie von geschädigen Kunden verklagt.

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Die Haftungs- und Reputationsrisiken für Depotbanken sind dabei umso grösser, als die unabhängigen Vermögensverwalter sehr stark im grenzüberschreitenden Private Banking aktiv sind: Durchschnittlich drei Viertel der Kunden stammen aus dem Ausland. Und bei deren Betreuung steigen die juristischen Probleme stark an: Im Rahmen der Weissgeldstrategie legen Kunden immer stärker den Fokus auf die Nach-Steuer-Performance, und gleichzeitig wächst der Sanktionsdruck der Fiskalbehörden bei Falschdeklarationen. Es verwundert daher nicht, wenn UBS-Rechtsexperte Bertholet erwartet, dass Kunden in grenzüberschreitenden Verhältnissen zunehmend Haftungsansprüche gegen Schweizer Finanzdienstleister aufgrund einer behaupteten Fehlberatung in Steuerfragen erheben werden.

Die Folge sei, dass Vermögensverwalter vom Compliance-Diktat der Depotbanken abhängig würden, erklärt Max Cotting, CEO der Vermögensverwaltungsgruppe Aquila.

«Kriegsähnlicher» Wettbewerb

Das Verhältnis der unabhängigen Vermögensverwalter zu den Banken sei auch insofern komplex, als Erstere einem intensiven Wettbewerb mit den Banken ausgesetzt seien, der «teilweise fast kriegsähnlich» geführt werde, meint Cotting. So offerieren Banken einem Kunden, der von einem Vermögensverwalter weggeht, Sonderkonditionen wie zum Beispiel zwei Jahre lang Gratisberatung.

Hart ist aber auch die Konkurrenz unter den Vermögensverwaltern. Die Kunden werden heute schneller untreu, holen eine Zweitmeinung ein und verlangen transparente Preismodelle. Die Vermögensverwalter reagieren darauf, indem sie verstärkt honorarbasierte und performanceabhängige Entschädigungsmodelle anbieten, statt sich über intransparente Retrozessionen zu finanzieren.

Vermehrter Fokus auf die Schweiz

Als weitere Entwicklung zeichnet sich ab, dass sich diverse Vermögensverwalter wegen des komplexer werdenden internationalen Geschäfts wieder vermehrt dem Heimmarkt zuwenden. Dort treffen die Vermögenswerwalter allerdings auf Privatbanken, die sich aus demselben Grund ebenfalls verstärkt wieder der Schweizer Klientel widmen wollen. Diese verstärkte Konkurrenz freut den Schweizer Private-Banking-Kunden: Er wird wieder vermehrt als König hofiert.

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