Diesen April lancierte Microsoft ihr «Dynamics CRM 4.0» im Rahmen einer weltweiten Tour in über 50 Städten. CRM bei kleineren und mittleren Unternehmen wird damit zunehmend zum Schlachtfeld der grossen Anbieter, die sich nach neuen Wachstumsfeldern ausserhalb ihrer Domänen umsehen.

Dabei treffen sie nicht nur auf unzählige kleinere Anbieter wie das St. Galler Unternehmen Proffix, das kurz zuvor sein CRM- Modul vorgestellt hatte und bei der eigenen installierten Basis von 1000 Kunden einen Startvorteil hat. Auch Anbieter wie Abex Software, Actricity, ASC Software, bwv IT Solutions, MDS, Novanet, Prometheus, Swoffice oder Vision Consulting bieten hier Lösungen an.

Kleinfirmen im Auge

Bei CRM für kleinere und mittelgrosse Kunden haben sich US-Anbieter wie Salesforce.com, das CRM im Rahmen des Software-als-Service-(SaaS-)Modells vertreibt, etabliert. Salesforce.com kündigte ebenfalls im April mit Google eine Allianz an.

Microsoft unterliess es indes nicht, beim Launch des eigenen Online-CRM-Angebotes auf die Vorteile gegenüber einer Salesforce.com-Lösung (ohne Berücksichtigung der Integration mit Google-Applikationen) hinzuweisen: Der Speicherplatz sei grösser, ebenso das Potenzial für individuelle Anpassungen, Prozessunterstützung und die Anbindung an die Office-Suiten.

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Halb so teuer

Das Pricing von Microsoft (39 Dollar in der Einführungsphase, 44 Dollar danach pro User und Monat in der Standardvariante, zwischen einem Drittel und 70% unter den Salesforce.com-Angeboten) weist indes auf die Richtung des Wettbewerbs: Mit tiefen Preisen möchten die Redmonder rasch eine grosse Kundenbasis bei KMU aufbauen. Bereits sollen 50000 Kunden mit mehr als 1 Mio Usern dieses Angebot nutzen. Das ist deutlich mehr, als noch Mitte März von Microsoft-Vertretern an der «Convergence»-Konferenz verkündet wurde. Ein Kunde, der am New Yorker Launch-Event dabei war, sagte, dass seine «mehrere Mio Dollar» teure CRM-Installation auf Microsoft-Basis für 650 User «halb so teuer wie eine Siebel-Variante» ist.

Microsoft stösst auch deshalb in den SaaS-CRM-Bereich vor, um sich die Zugänge der Kunden zur «Wolke» zu sichern. Denn nicht nur Google, auch Amazon hat Milliarden von Dollar für entsprechende Rechenzentren ausgegeben, mit denen es möglich sein soll, auf Applikationen wie CRM im Rahmen flexibler Lösungen und auf Mietbasis überall zugreifen zu können. Google beispielsweise hat rund 1 Mrd Dollar für Zukäufe von Firmen wie Postini, Jotspot, Trendanalyzer, Tonic Systems oder Zenter für die Verstärkung des SaaS-Bereiches ausgelegt. Wer hier frühzeitig als Kunde gewonnen wird, so die Überlegung bei den grossen Konzernen, bleibt nicht nur diesen SaaS-CRM-Anbietern treu, weil ein Wechsel recht aufwendig sein kann. Mietkunden für SaaS-CRM bedeuten zudem für Softwarefirmen einen regelmässigen, wiederkehrenden fes-ten Umsatzanteil, von dem ausschliesslich lizenzumsatzbasierte Firmen nur träumen können.

Auf die Stärken besinnen

Laut Industrieexperten wer-den kleine CRM-Softwareanbieter nicht umhinkommen, mit den Grossen gleichzuziehen, und ebenfalls SaaS-CRM-Angebote auflegen müssen. Es ist damit zu rechnen, dass der Hosting-Teil von Rechenzentrenbetreibern übernommen wird und sich kleinere Softwareanbieter auf das beschränken, was sie wirklich können: Code entwickeln und die Produkte verkaufen.