FUNDRISING. Spiel und Spass stehen am Freitag dieser Woche im Vordergrund, wenn die Schweizer Sporthilfe mit Aushängeschildern wie Fabian Cancellara (Rad), Jörg Abderhalden (Schwingen) oder Simon Ammann (Ski nordisch) zum Super-10-Kampf ins Zürcher Hallenstadion lädt. Am kommenden Montag hingegen werden Glanz und Gloria fehlen. Anberaumt ist eine Sitzung des Sporthilfe-Stiftungsrates unter Präsidentin Ruth Metzler. Wichtige Themen sind die finanzielle Situation der Non-Profit-Organisation und deren Positionierung, vor allem ihr Verhältnis zu Swiss Olympic (verantwortlich für den Spitzensport). Beide Partner geben sich im Vorfeld bedeckt. Der Hintergrund: Die Sporthilfe hat in den letzten Jahren massiv an Glanz verloren; sie, die zwischen ihrer Gründung 1970 und 2004 mit der Ausschüttung von gesamthaft rund 80 Mio Fr. die finanzielle Basis so manchen Schweizer Spitzensportlers bildete und Weltmeisterschafts- und Olympiamedaillen erst möglich machte, leidet unter ihrem Kurs. Denn seit 2004 ist die Stiftung auf den leistungsorientierten Nachwuchs ausgerichtet. Mit der Konsequenz, dass die Stars – vor allem als Werbeträger – fehlen; den Sponsoren können zudem nur noch beschränkt Gegenleistungen geboten werden.

Mäzen statt Sponsoren

Angesagt ist, ähnlich wie in der Kunst, reines Mäzenatentum. Ruth Metzler (seit März 2005 Präsidentin) und Sporthilfe-Direktor Bruno Barth sind sich der Tragweite dieser Philosophie bewusst: «Wir sind der Anwalt der kleinen Verbände und der Sportarten, die nicht im Mittelpunkt der Öffentlichkeit und damit des grossen Geldes stehen» («Tages-Anzeiger» vom 27. März 2007). Die Kassen allerdings füllt diese Philosophie nur spärlich. Für 2006 hatte die Sporthilfe zwar ein positives Jahresergebnis präsentiert. 2,3 Mio Fr. wurden erwirtschaftet, auch dank «Super-Toto». Mehr als 2 Mio Fr. (2005: 2,9 Mio Fr.) flossen in die Nachwuchsförderung. Der Vergleich zu den Spitzenjahren zwischen 1980 und 1992 unter dem früheren, charismatischen und erfolgreichen Führungsduo Robert R. Barth (Präsident)/Edwin Rudolf (Direktor), zeigt das Abgleiten gefährlich nahe an die Bedeutungslosigkeit. Tröstlich ist für die Sporthilfe ihr Gesellschaftszweck: Sie kann nicht mehr ausgeben, als sie einnimmt, respektive an Zinsen aus dem Stiftungskapital generiert. Das Eigenkapital der Stiftung betrug im Frühjahr 2007 1,7 Mio Fr.; die Reserven wurden für dieses Jahr wohlweislich der Situation um 300000 Fr. aufgestockt. Zudem soll das Projekt «Patenschaften» die Wirtschaft vermehrt zum Mitmachen motivieren. Erste Abschlüsse konnten getätigt werden.

Wie reagiert Swiss Olympic?

Entscheidend für die Zukunft und Unabhängigkeit der Sporthilfe wird aber sein, wie Swiss Olympic die zukünftige Finanzierung des hiesigen Leistungssportes sieht und gestalten möchte. Bekannt ist, dass die Wirtschaft als wichtige Geldquelle gerne einen einzigen Ansprechpartner hätte – und vor allem Gegenleistungen im Sinne von Sponsoring. In diesem Zusammenhang war der Umzug der Sporthilfe von Küssnacht am Rigi nach Zürich vor vier Jahren, nachträglich gesehen, ein Fehlentscheid.

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