Seit ihrer Gründung vor elf Jahren hat sich die Fondation Beyeler in ihren Ausstellungen mehrheitlich auf die Kunst des 20. und 21. Jhs. konzentriert. Nun überrascht sie mit der Ausstellung «Venedig – Von Canaletto und Turner bis Monet», die im 18. Jh. mit der Vedutenmalerei Canalettos und Francesco Guardis einsetzt und bei der Bilderfolge endet, die Claude Monet 1908 in Venedig gemalt hat. Am Beispiel von zwölf europäischen und amerikanischen Künstlern ist ein hochkarätiges Panorama künstlerischer Darstellungen zusammengekommen, geschaffen von den Wegbereitern der Moderne. Gezeigt werden rund 150 Werke, darunter 80 Gemälde, 50 Arbeiten auf Papier und 20 historische Fotografien. Eine Sensation sind die zahlreichen Leihgaben aus Europa, den USA und Japan. Sie sind dem aussergewöhnlichen Engagement von mehr als 70 Museen und privaten Sammlern in aller Welt zu verdanken, die bereit waren, ihre teilweise selten gezeigten Meisterwerke zur Verfügung zu stellen.

Lebensfreude und Melancholie

Leitmotive der Bilder sind die berühmten Ansichten von Venedig – wie jene der Piazza San Marco, des Canal Grande, der von Palladio entworfenen Kirche San Giorgio Maggiore und der Kirche Santa Maria della Salute. Abgesehen von einigen frühen Werken kommt die Ausstellung nahezu ohne venezianische Künstler aus, denn die bedeutendsten Venedigbilder des 19. und frühen 20. Jhs. wurden von Künstlern aus Nordeuropa und den USA gemalt. Canaletto und Francesco Guardi waren im 18. Jh. die letzten grossen venezianischen Vedutenmaler, die mit ihrer heiteren und festlichen Atmosphäre das Bild der Lagunenstadt dauerhaft prägten. Einige ihrer bedeutendsten Venedigbilder sind in der Ausstellung zu sehen.

War Venedig schon unter Guardi und Canaletto die wohl am häufigsten gemalte Stadt, wurde sie im 19. Jh. zu einem regelrechten Kult-ort, der einige der grössten Maler und Fotografen, Schriftsteller und Dichter, Musiker und Philosophen inspirierte. Dadurch wurde das Venedigbild des 19. Jhs. zunehmend von ambivalenten Bildern überlagert: Bilder von Macht und Untergang, Liebe und Tod, Schönheit und Vergänglichkeit, Lebensfreude und Melancholie.

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Massgeblich zu diesem neuen Venedigbild beigetragen hatte zu Beginn des 19. Jhs. Lord Byron mit seinen schwärmerischen Gedichten und Dramen. Seine Hingabe an Venedig, das für ihn eine Allegorie des Zerfalls verkörperte, teilte der englische Maler William Turner. Aus der Tate London sind einige seiner grossartigen transzendierenden Bildschöpfungen zu sehen.

Sentimentaler Überbau

Mit Edouard Manet hielt sich 1874 erstmals ein früher Vertreter der Moderne in Venedig zum Malen auf. Dies, obwohl Manet und seine impressionistischen Weggefährten ansonsten als Verfechter einer «peinture pure» Sujets aus dem Weg gingen, die mit einem sentimentalen und literarischen «Überbau» befrachtet waren. Von der Schönheit Venedigs blieben jedoch auch sie nicht unberührt. Venedig zu malen, bedeutete für Manet, Whistler oder Signac, mit eigenen Kreationen den abgegriffenen künstlerischen Stereotypen etwas Neues entgegenzusetzen.

Zu sehen sind herausragende Werke einiger der prominentesten Vertreter der Avantgarde, die im späten 19. und frühen 20. Jh. in Venedig tätig waren, wie Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir, James McNeill Whistler und John Singer Sargent. Letzterer notierte: «Es tut mir leid, Italien – sprich Venedig – zu verlassen, aber andererseits bin ich überzeugt, dass Paris der Ort ist, wo man am besten malen lernt. Wenn ich erst malen kann, dann los nach Venedig!»

Nicht ohne Auswirkungen auf die Venedig-Darstellungen blieb die Fotografie, die ab 1850 einen stetig wachsenden Stellenwert hatte. Die grosse Zahl von Touristen kurbelte die Nachfrage nach Erinnerungsfotografien an. Eine repräsentative Gruppe früher Venedigfotografien der Sammlung Herzog, Basel, wird in einem eigenen Raum gezeigt.

Claude Monet lehnte es lange ab, nach Venedig zu reisen. Erst 1908, als er schon 68 Jahre alt war, reiste er in Begleitung seiner Frau zum ersten – und letzten – Mal in die Lagunenstadt. Nach zögerlichen Anfängen erlag auch Monet ihrer geheimnisvollen Faszination, obwohl er eigentlich fand, Venedig sei zu schön, um gemalt zu werden. Ungeachtet dessen fertigte er während zweier Monate an mehreren Orten der Stadt Entwürfe an, die er danach in seinem Atelier in Giverny vollendete. Im Frühjahr 1912 stellte er sie in der Galerie Bernheim-Jeune in Paris aus, seither waren sie nicht mehr vollständig zu sehen. Fast 100 Jahre nach ihrer Entstehung ist ein Grossteil von Monets venezianischer Bilderfolge nun hier in Basel wieder vereint.