Genau wie schon Altmeister Abraham-Louis Breguet positioniert Watchland Franck Muller die Unruh stets im Zentrum des Drehgestelles. Die Lagerung ihrer Welle erfolgt an beiden Seiten. Aber auch das Tourbillon selbst verlangt nach einer mobilen Montage im Uhrwerk. Die klassische Lagerung vollzieht sich gleichfalls beidseitig, und zwar in einer Linie mit der Unruhwelle. Eine Alternative geht auf den Glashütter Altmeister Alfred Helwig zurück. Ihm ist das «fliegende» Tourbillon zu verdanken, welches seinen Einstand wohl 1922 gab. Hier stört keine Lagerbrücke den Blick auf die unentwegten Rotationen. Natürlich konnte auch Helwig nicht hexen. Sein genialer Trick: Montage zweier Lager werksseitig unterhalb des Drehgestells.

Das Herz muss man sehen könne

Das findet auch Meister-Uhrmacher Pierre-Michel Golay, geistiger Vater der Watchland-Manufaktur-Tourbillons gut. «Die Verwendung der ‹fliegenden› Konstruktion ist für mich eine Frage der Ästhetik. Das Hinzufügen einer Brücke, selbst der zierlichsten, versteckt das Herz des Tourbillons. Für die Funktion bringt ein ‹fliegendes› Tourbillon keinen Vorteil. Aber man kann es leicht erhaben anbringen, damit sein oberer Teil auf gleiche Höhe mit dem Zifferblatt gelangt. So befindet es sich an exponierter Stelle. Diese Konstruktion ist viel schwieriger, aber die Mühe lohnt sich, weil man an Ästhetik und Technologie gewinnt.»

Allerdings kann der konventionelle, wie auch immer geartete Drehgang seine vorteilhafte Wirkung nur in hängender Lage einer Uhr entfalten. In der Horizontalen findet die Schwerkraft keinen Angriffspunkt. Allerdings ändert sich gerade bei Armbanduhren die Trageposition permanent: Mal senkrecht, mal waagrecht, mal schräg, das oft in kurzen Abständen.

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Die Achse ständig in Bewegung

Diesem Sachverhalt trugen Pierre-Michel Golay und Watchland durch die Konstruktion von «Mehr-als-Tourbillons» Rechnung. Bei ihnen befindet sich die Achse des Wirbelwinds ständig in Bewegung.

Ganz neu ist diese Idee allerdings nicht. Bereits 1978 präsentierten die beiden englischen Uhrmacher Anthony G. Randall und Richard Good das zweiachsige Tourbillon in einer Taschenuhr, wo es seinen Auftrag allerdings nur begrenzt erfüllen kann. Das Watchland hat die zweite und sogar dritte Dreh-Dimensionen fürs Handgelenk erschlossen, weil sie sich dort besonders gut entfalten kann.

Derzeit bietet Franck Muller diesen Typus Armbanduhr für jeden Anspruch, angefangen beim schlichten, eher puristisch wirkenden Long-Island-Imperial-Tourbillon, bis hin zur ultrakomplizierten Aeternitas 5 mit nahezu allen erdenklichen Komplikationen in einem Gehäuse.

Die Bezeichnung ist Programm

Wie der Name schon andeutet, können Révolution 1, Révolution 2 und Révolution 3 als revolutionäre Ausnahme-Tourbillons gelten. Die erste Umwälzung zelebrierte Watchland 2002. Um ihre besonderen Fähigkeiten erleben und die technische Neugier befriedigen zu können, muss Mann lediglich den Drücker im Gehäuserand zwischen 7 und 8 betätigen. Dann streben zuerst die beiden Zeiger für Stunden und Minuten in Richtung 12.

Anschliessend erhebt sich das «fliegend» gelagerte Drehgestell aus der Ebene des Zifferblatts. Hier kann es nach Lust und Laune beobachtet werden. Nach dem Loslassen des Drückers verschwindet es wieder in der Versenkung. Die Zeiger wandern, wie von Geisterhand bewegt, wieder dorthin, wo sie sich befinden würden, hätte man sie einfach weiterlaufen lassen.

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2003 folgte der nächste Coup beim Révolution-2-Tourbillon. Sein Käfig rotiert um zwei 90 Grad gegeneinander versetzte Achsen. Damit die Besitzer wissen, wie lange es dauert, bis das komplexe Gebilde wieder in seiner Ausgangsposition angekommen ist, gibt es zwei retrograde Zeiger bei 7 und 5. Ersterer ist mit dem inneren MinutenTourbillon gekoppelt, das sich – wie üblich – im Minutentakt dreht. Die Rotationen der äusseren zweiten Dimension benötigen jeweils 8 Minuten. Und das stellt der andere Zeiger dar.

Hinein in die dritte Dimension

2004 wartete Watchland mit der dritten Dimension auf. Die dreht sich noch gemächlicher als die zweite, nämlich einmal pro Stunde um 360 Grad. Dadurch wirkt das dreiachsige Cintrée-Curvex-Révolution-3-Tourbillon in jeder nur erdenklichen Position, welche das Handgelenk im Laufe eines Tages einnehmen kann.

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Eher konventionelle Tourbillon-Technik beseelt hingegen die 2006 vorgestellte und 2007 um zusätzliche Komplikationen erweiterte Aeternitas-Linie, Pierre-Michel Golays ganzer Stolz. Die «normale» Aeternitas steht in fünf verschiedenen Versionen zur Verfügung. Alle basieren auf einem tonneauförmigen Automatikwerk mit acht Tagen Gangautonomie und «fliegendem» Tourbillon.

Den Einstieg repräsentiert die puristische Aeternitas 1.

Aeternitas 2 besitzt zusätzlich eine Gangreserveindikation.

Aeternitas 3 bringt ein wahrhaft Ewiges Kalendarium nach Papst Gregor XIII. und dazu eine Äquationsanzeige.

Aeternitas 4 wartet mit einem voll integrierten Schleppzeiger-Chronographen auf.

Und die fünfte Version vereinigt alle Komplikationen in einem Gehäuse.

Aeternitas Mega steht schliesslich für ungemein klangvolle Tourbillons.

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Auch bei den tönenden Tourbillons bietet Watchland verschiedene Ausführungen an:

Die Besonderheit der Mega 1 besteht in der Integration von Grande und Petite Sonnerie sowie Minutenrepetition mit Westminster-Schlag auf vier Tonfedern.

Mega 2 besitzt überdies unter anderem einen Schleppzeiger-Chronographen mit Minuten- und Stunden-Totalisator.

Mega 3 zeichnet sich durch einen ewigen Kalender aus, der wiederum dem Edikt Papst Gregor XIII. folgt.

Die Mega 4 beinhaltet abermals alle Funktionen in einem Uhrwerk und verkörpert mit ihren mehr als 1400 Komponenten eine der kompliziertesten mechanischen Armbanduhren überhaupt, die im Moment erhältlich sind.

Da drängt sich zum Schluss ganz nebenbei dann doch die Frage auf: Was kommt danach, Pierre-Michel Golay? Der schmunzelt wissend und verschmitzt. Aber antworten mag er nicht. Mit anderen Worten: Es bleibt spannend im Watchland. Auch ohne Franck Muller, der dem Unternehmen repräsentierend und beratend, aber in Zukunft ohne unmittelbaren operativen Einfluss zu Seite steht.

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