Die Swisscom steht mit Veröffentlichung der heutigen Zahlen prächtig da – nach Ansicht eines Telekomexperten jedoch kaum verwunderlich. Denn der sogenannte Preiskampf in der Schweiz wird im Ausland noch deutlich härter als hierzulande geführt. Das sagt Ralf Beyeler vom Vergleichsportal Comparis.ch. In Deutschland, Österreich und anderen Ländern Europas gebe es diverse Discounter-Angebote. «Die Swisscom ist noch immer in einer sehr fürstlichen Position.»

Heute morgen gab der Platzhirsch stolz bekannt: Trotz weiter gesunkener Preise konnte die Swisscom den Umsatz im ersten Halbjahr steigern. Auf satte 160 Millionen Franken beziffert das Unternehmen diese Preiserosion, davon seien allein 60 Millionen als Folge von Preissenkungen im Bereich Roaming weggefallen. 

15 Jahre nach der Marktöffnung kaum Änderung

Experte Beyeler sieht für den Privatkunden allenfalls im genannten Roaming-Bereich leichte Preisnachlässe. Doch er hält fest: Über 15 Jahre nach der Öffnung des Marktes besitzt die Swisscom noch immer eine Art Monopolstellung auf dem Schweizer Markt. Anders sei eine Marge beim Betriebsergebnis von über 38 Prozent kaum erklärbar. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg diese noch.

Anzeige

Doch warum kann die Swisscom nach Ansicht von Beyeler noch immer Monopolrenten abschöpfen? «Trotz vergleichsweise hoher Preise sind Swisscom-Kunden kaum bereitet, den Anbieter zu wechseln», sagt er. Das weiss die Swisscom – und bietet nicht immer Produkte an, welche die Kunden auch wirklich haben wollen. «Die Produkte sind oft nicht bedürfnisgerecht.» Zum Beispiel ist es bei der Swisscom nicht möglich einen Handyvertrag abzuschliessen, ohne auch ein Handy abzahlen zu müssen.

Swisscom könnte effizienter arbeiten

Daneben will die Swisscom ihre Kunden mit Bündelpaketen bei der Stange halten. Um über den Platzhirsch ins Internet zu kommen, braucht der Kunde auch dort einen Telefonanschluss. Internet ist die Voraussetzung um Fernsehen zu können. «Für die Swisscom macht es – wie für andere Telekomanbieter – Sinn, die Kunden mit Bündelpaketen an sich zu binden», sagt Beyeler.

Der heute vermeldete Anstieg der Bündelverträge um satte 25 Prozent ist für den Telekomexperten jedoch kaum nachvollziehbar. Denn die Swisscom schlüsselt nicht eindeutig auf, welche Verträge unter diese Definition fallen.

Gefahren sieht Beyeler für den Platzhirsch in Zukunft insbesondere bei der Abdeckung im Mobilfunknetz. Denn Fakt ist: Für die Schweizer wird das mobile Internet immer wichtiger. Für die Effizienz bei Swisscom sieht Beyeler noch Potenzial – etwa, indem sie ihr Call Center ins Ausland verlagert. Darauf setzten in der Vergangenheit bereits Wettbewerber wie Orange und Sunrise. «Damit könnten Kosten gesenkt werden», sagt Beyeler. Allerdings birgt ein solcher Schritt Gefahren, wenn damit die Zufriedenheit der Swisscom-Kunden sinkt.