Es war einmal ein grosses, grosses Schiff, das nur in eine Richtung fuhr. Durch nichts war es vom Kurs abzubringen.» So oder so ähnlich müsste ein Märchen über den Telekom-Konzern Swisscom beginnen, wäre es von Jens Alder geschrieben worden. Der Ex-Swisscom-Chef sprach immer von «einem Dampfer, der in eine Richtung fährt». Heute wünscht Jens Alder wohl, es wäre anders. Denn inzwischen ist er CEO von TDC, der Muttergesellschaft von Sunrise, einer Hauptkonkurrentin der Swisscom.

Kapitän Schloter ohne Furcht

Swisscom folgt noch immer unbeirrbar ihrem Kurs. Ihre Dominanz mit über 60% Marktanteil im Heimmarkt ist europaweit einmalig. Sie allein bietet Fixnetztelefonie, Internet, TV und Mobiltelefonie auf eigenen Netzen an. Und wird das auf absehbare Zeit auch bleiben. Zudem kann Swisscom auf eine Kundentreue zählen, die ebenfalls ohne Beispiel ist. Darüber hinaus – das bestätigen Orange, Sunrise, Cablecom und Tele2 – macht das Management der Nummer eins einen «guten» bis «hervorragenden» Job. Kurzum: Kapitän Carsten Schloter und seine Crew müssen sich vor nichts fürchten. Das zeigen die vergangenen zehn Jahre der Telekom-Liberalisierung. Selbstverständlich kam diese viel zu spät, und der letzte Schritt, die Entbündelung der Letzten Meile, wurde sogar erst 2007 vollzogen. Trotzdem wurde der Wettbewerb in Gang gebracht, stieg die Zahl der Angebote massiv und sanken die Preise. Swisscom vermochte die damit verbundenen Umsatzverluste fast vollständig mit der Erschliessung neuer Geschäftsbereiche zu kompensieren. Auch die Gewinnmarge blieb konstant hoch. Das war auch 2007 so. Und wird wohl auch 2008 so bleiben. Denn die Konkurrenz hat nach wie vor kein Mittel gefunden, das bestehende Gefüge nachhaltig zu verändern. Und selbst wenn ein solches gefunden würde – etwa mit innovativen, preisgünstigen Kombi-Angeboten –, könnte Swisscom ohne weiteres nachziehen, um eine grössere Kundenabwanderung zu verhindern. Würde sie gar vorpreschen und ihre Macht ausnutzen, würden die Mitbewerber innert Kürze vom Markt gefegt. Vom Druck auf den roten Knopf in der Kommandobrücke wird Schloter lediglich vom Regulator, also den staatlichen Kontrollbehörden, abgehalten. Sie beziehungsweise die Politik sind denn auch momentan die Einzigen, die der Swisscom Schlagseite verpassen könnten. Damit ist jedoch nicht zu rechnen. Nicht zuletzt deshalb, weil sich der Staat als Mehrheitsaktionär jedes Jahr über Milliarden-Ausschüttungen freuen kann.

Überraschungen nicht in Sicht

Bedeutende Überraschungen wird Carsten Schloter anlässlich der Veröffentlichung des Jahresergebnisses vom 5. März 2008 nicht bekannt geben. Selbst bei Fastweb, die seit der Übernahme durch Swisscom an der Börse deutlich an Wert verlor, gibts weder Abschreibungen noch einen baldigen Rückzug von der italienischen Börse, wie gerüchteweise kursierte.Märchenonkel Jens Alder hätte seine Freude daran, wäre er noch Swisscom-CEO. Jetzt kann Carsten Schloter dessen Geschichte weiterführen: «Und solange noch Wasser vorhanden ist, wird das Schiff an seinem Kurs festhalten.»

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