Hat die Negativentwicklung in der M&A-Branche in der Schweiz die Talsohle nun erreicht?

Marc Möckli: Ja. Ich denke, dass die Talsohle im laufenden Jahr durchschritten worden ist. Es wäre aber noch verfrüht, eine starke Erholung zu prognostizieren.

Wie hat sich das 3. Quartal entwickelt?

Möckli: Die erwartete Stabilisierung der Anzahl Transaktionen auf tiefem Niveau ist eingetreten. Beim Volumen ist auch bei einer Bereinigung der Vorjahresperiode um den Megadeal Roche-Genentech (44,7 Mrd Fr.) ein deutlicher Einbruch um rund zwei Drittel festzustellen. Gegen Ende des 3. Quartals hat die Anzahl der Transaktionen leicht angezogen.

Was sind die Auffälligkeiten?

Möckli: Auffällig ist sicher das vollständige Ausbleiben von Milliarden-Transaktionen mit Schweizer Beteiligung. Auch wenn weltweit ein gewisses Anziehen solcher Transaktionen zu beobachten ist, sind die Schweizer Unternehmen noch an der Seitenlinie. Bezüglich Branchen ist die Entwicklung in der Schweiz ähnlich wie jene weltweit, nämlich mit relativ vielen Restrukturierungstransaktionen im Finanzsektor und einer regen Aktivität im Bereich Health Care.

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Wie wird sich das 4. Quartal entwickeln?

Möckli: Bis zum Abschluss einer M&A-Transaktion dauert es im heutigen Marktumfeld sechs bis neun Monate. Da das 1. Halbjahr 2009 sehr schwierig war und sehr wenige neue Projekte gestartet wurden, erwarte ich auch für das 4. Quartal keine wesentliche Belebung, sondern weiterhin eine Stabilisierung auf tiefem Niveau.

Nimmt das Interesse wieder zu?

Möckli: Ja, hier überträgt sich die Zuversicht der Akteure am Kapitalmarkt auch auf den M&A-Markt. Wir sehen wieder mehr Interesse von kaufwilligen Akteuren. Auf der Verkäuferseite ist noch immer eine Zurückhaltung zu spüren, die sich angesichts der deutlich erholten Bewertungen am Aktienmarkt allmählich legen dürfte. Aus unserer Sicht ist nun ein günstiger Zeitpunkt für Käufer, die eine Transaktion finanzieren können. Akquisitionen sind noch zu relativ tiefen Preisen möglich, was aus Käufersicht ein wichtiger Faktor ist, um einen Misserfolg zu vermeiden.

Weltweit haben wieder Milliardendeals stattgefunden. Bedeutet dies eine Entkrampfung bezüglich Finanzierung?

Möckli: Die deutlich erholten Aktien- und Kreditmärkte spielen eine wichtige Rolle. Insbesondere die Refinanzierung ist auch für Firmen der zweiten Liga wieder einfacher geworden und die entsprechenden Credit Spreads sind gesunken, sodass die Mittelaufnahme für Akquisitionen wieder einfacher geworden ist. Teilweise haben auch die Aktienkurse der Käufer auf die Ankündigung einer Akquisition positiv reagiert, was darauf zurückführen ist, dass auch der Kapitalmarkt die Lage für Unternehmenskäufe wieder positiver einschätzt.

Wird 2009 als Annus horribilis in die M&A-Geschichte eingehen?

Möckli: Wir sind einfach wieder auf dem Boden der Realität gelandet. Aufgrund der Kreditblase waren die Vorjahre natürlich Rekordjahre und deshalb ist der Absturz 2009 ziemlich dramatisch. Dies gilt es aber auch zu relativieren: Wir erwarten für das ganze 2009 ungefähr 450 M&A-Transaktionen mit Schweizer Beteiligung, womit das ansprechende Niveau des Jahres 2006, das damals als Rekordjahr in die Annalen einging, erreicht werden dürfte.

Welche Auswirkungen hat das Jahr generell auf die Branche?

Möckli: Gemäss verschiedenen Statistiken sind die Beraterhonorare in den ersten drei Quartalen 2009 um rund die Hälfte gegenüber der Vorjahresperiode zurückgegangen und damit stärker als das Transaktionsvolumen. Die Berater haben also ihre Honorare nach unten anpassen müssen. Dementsprechend haben vor allem die auf grössere Transaktionen ausgerichteten Wettbewerber Personalentlassungen vornehmen müssen.