Zweifellos ist die Tefaf Maastricht eine der einflussreichsten Kunst- und Antiquitätenmessen der Welt. Mehr als 73000 Kunstliebhaber pilgerten im letzten Jahr an die Veranstaltung im Süden der Niederlande. Obschon die meisten aus der EU und den USA kamen, wurden doch zunehmend Besucher aus Russland, Japan, Australien, Brasilien, Argentinien, Kanada and Israel verzeichnet. Auch zwei Gruppen aus China reisten 2008 erstmals an. Auf dem Flughafen Maastricht herrscht jeweils im März Hochbetrieb - mehr als 220 Privatjets flogen im letzten Jahr für die Veranstaltung ein.

In diesem Jahr werden 240 Teilnehmer aus 15 Ländern an die 22. Ausgabe von «The European Fine Art Fair» reisen, die vom 13. bis 22. März 2009 stattfindet. Das sind, trotz einiger Absagen, so viele wie nie zuvor. Das ist insofern bemerkenswert, als die Messe wegen der hohen Standmieten und der ungewöhnlich langen Dauer für die Aussteller finanziell aufwendig ist. Während die luxuriöse «Moscow World Fine Art Fair», die ab dem 25. Mai 2009 hätte stattfinden sollen, wegen der Wirtschaftslage kürzlich abgesagt wurde - obwohl sie in der Vergangenheit finanziell äusserst erfolgreich war - lässt man sich bei der Tefaf nicht beirren.

Grund zur Zuversicht

Auf der Messe werden Kunst und Antiquitäten mit einem Gesamtwert von über 1 Mrd Dollar präsentiert - darunter Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen, klassische Antiken, illuminierte Handschriften, Juwelen, historische Textilien, Porzellan, Glas, Silber und andere Kunstwerke von der Antike bis zum 21. Jh. Dass für die Aussteller Grund zur Zuversicht besteht, haben die Londoner Versteigerungen im Februar mit Kunst der Impressionisten und der Moderne gezeigt. Trotz der neuen Bescheidenheit, die bei den grossen Auktionshäusern Einzug gehalten hat, geben die jüngsten Resultate keinen Anlass zur Panik: Degas’ «Petite danseuse de quatorze ans» erzielte bei Sotheby’s mit 11,8 Mio Pfund gar einen neuen Auktionsrekord und auch Claude Monets «Dans la prairie» erreichte bei Christie’s stattliche 11,4 Mio Pfund. Die Kehrtwende der Käufer von der Gegenwartskunst hin zu den sicheren Werten längst verstorbener Künstler dürfte auch den Ausstellern der Tefaf entgegenkommen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, hat man dennoch eine Sektion mit Design des 20. Jhs. und der Gegenwart ins Leben gerufen, ein Sammelgebiet, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Zehn führende Spezialisten gestalten den neuen Sektor, darunter Philippe Denys aus Brüssel, Bel Etage Kunsthandel aus Wien und L’Arc en Seine aus Paris. Daneben gibt es auch andere Neuaussteller. Neben W. M. Brady & Co aus New York mit den Spezialgebieten Gemälde und Zeichnungen Alter Meister nimmt auch Sycomore Ancient Art aus Genf erstmals teil.

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Zu den diesjährigen Highlights gehören wie immer herausragende Antiken. Eine bedeutende ägyptische Bronzestatue einer Priesterin des Amun, datiert zwischen 945-715 v. Chr., bieten die Royal-Athena Galleries aus New York mit einem Preis um 2,9 Mio Euro an. Es handelt sich bei der Statue um die einzig bekannte Figur dieses Typus, die sich in Privatbesitz befindet.

Kostbare Hochzeitskassette

Der Hamburger Antiquar Jörn Günther kündigt aus dem 16. Jh. die wunderschöne illuminierte Handschrift «Vita Christi» an, ein Andachtstext von Ludolphus Carthusiensis mit einem Preis von 2,4 Mio Euro. Eine seltene Porzellanfigur des 18. Jhs. von Johann Joachim Kändler, Meissen, ist bei Michele Beiny, New York, mit 40000 Euro bewertet. Die Figur zeigt Schindler, einen engen Vertrauten des Grafen Heinrich von Brühl. Er war führender Minister unter August III. von Sachsen und Direktor der Meissner Porzellanmanufaktur.

Ein kostbares Kleinod ist die Hochzeitskassette aus vergoldetem Silber, die im niederländischen Groningen um 1668 gefertigt wurde, offeriert von Aardewerk Antiquair Juwelier aus Den Haag für 75000 Euro. Ein 600000 Euro teures Gemälde des Niederländers Roelandt Savery mit einem schwarzen Hengst und seinem Reitknecht, das vermutlich für den Habsburger Kaiser Rudolf II. in Prag im frühen 17. Jh. gemalt wurde, bringt De Jonckheere aus Paris mit an die Messe.Bei den Asiatika sticht eine elegante und seltene Bronzeflasche ins Auge, die in der Sui-Dynastie (589-618 n. Chr.) für den Gebrauch im Tempel bestimmt war. Bei Ben Janssens Oriental Art aus London kostet sie um 20000 Euro. Zu den herausragenden alten Schmuckstücken gehört ein Amulett aus Gold, Email und Koralle am Stand von Luis Elvira aus Castellón. Das in Neapel im frühen 17. Jh. gefertigte Bijou wird für 35000 Euro angeboten.

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