Die Ehe ist am Ende. Verizon und Vodafone betreiben zusammen den grössten amerikanischen Mobilfunker Verizon Wireless. Sie streiten sich allerdings seit Jahren über die Strategie und das Geld. Nach einigen gescheiterten Trennungsversuchen erklärte Vodafone nun, abermals mit Verizon über einen Rückzug aus dem Gemeinschaftsunternehmen zu verhandeln. Es sei zum jetzigen Zeitpunkt unsicher, ob eine Einigung erzielt werde.

Der Preis, um den die Konzerne derzeit verhandeln, liege bei 130 Milliarden Dollar, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person zur Nachrichtenagentur  Reuters. Das Übernahmeangebot könnte bereits in der ersten September-Woche publik gemacht werden. Eine zweite Quelle nannte den 2. September. Sollten die Konzerne dieses Mal wirklich getrennte Wege gehen, wäre es die drittgrösste Unternehmensübernahme überhaupt.

Vodafone investiert kräftig

Für Vodafone käme der Geldregen zum richtigen Zeitpunkt, da der zweitgrößte Mobilfunkbetreiber der Welt massiv in das Festnetz und superschnelle Internetanschlüsse investiert. Jüngster Coup ist die Übernahme von Kabel Deutschland für knapp elf Milliarden Euro. Das ist wenig im Vergleich zu früheren Vodafone-Deals: Auf dem Höhepunkt der New Economy im Jahr 2000 legte der Konzern für den deutschen Mobilfunker Mannesmann 200 Milliarden Dollar auf den Tisch. Es war die teuerste Übernahme aller Zeiten.

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In den Boom-Jahren sass das Geld so locker, dass der zweitgrösste Deal nicht lange auf sich warten liess: 2001 schluckte der Medienriese Time Warner den Internet-Anbieter AOL für 165 Milliarden Dollar. Die Fusion entpuppte sich Jahre später als kompletter Fehlschlag, der Konzern wurde wieder zerschlagen.

Streit seit den Flitterwochen

Vodafone hält 45 Prozent an dem Mobilfunkmarktführer Verizon Wireless, der Rest liegt bei den Amerikanern. Die Briten wollten mehr Mitsprache in dem Gemeinschaftsunternehmen und Zugriff auf die vollen Kassen, was Verizon aber stets abgelehnt hat. So entstand ein Dauerstreit. Vodafone musste seinen Partner beispielsweise erst jahrelang beknien, bevor eine Dividende für das sehr profitable Mobilfunkgeschäft ausgeschüttet wurde.

Der US-Konzern sucht seit Jahren nach Wegen, um die 1999 gestartete Liaison mit den Briten zu lösen und die komplette Kontrolle über das hochprofitable Geschäft zu erlangen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg und das «Wall Street Journal» hatten zuerst über den jüngsten Anlauf für einen Ausstieg von Vodafone aus den USA berichtet. Die Zeitung zitierte Insider mit der Aussage, dass die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme nun höher sei, da in den USA die Zinsen allmählich stiegen. Wenn Verizon noch lange warte, werden die Finanzierungskosten höher. Ein Verizon-Sprecher wollte sich dazu nicht äussern.

Vodafone kann pokern

Nach Ansicht von Tom Gidley-Kitchin, Analyst bei der britischen Bank Charles Stanley, war offensichtlich, dass Verizon früher oder später einen ernsthaften Annäherungsversuch startet. «Vodafone muss nicht verkaufen, sondern kann abwarten.» Vodafone-Chef Vittorio Colao werde sich kaum dazu hinreissen lassen, die Beteiligung unter Wert zu verkaufen, weshalb der Preis sich schließlich Richtung 130 Milliarden Dollar bewegen dürfte, sagte er.

Verizon Wireless ist mit rund 100 Millionen Kunden grösster Mobilfunknetzbetreiber in den USA. Auf den Plätzen folgen AT&T, Sprint und die langjährige Krisentochter der Deutschen Telekom, T-Mobile US.

Stärker auf Europa fokussiert

Mit Verizon Wireless gäbe Vodafone seinen Wachstumsmotor auf und wäre stärker vom Europa-Geschäft abhängig. Hier läuft längst nicht alles rund, da vor allem in Südeuropa wegen der Schuldenkrise die Einnahmen fallen. In die Offensive geht Vodafone in Deutschland mit dem Kauf des Kabel-Primus Kabel Deutschland. Nach der Übernahme könnte Vodafone hierzulande superschnelles Internet und Mobilfunkdienste aus einer Hand anbieten und damit erstmals der Telekom auf breiter Front Konkurrenz machen.

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