Die Passion von Claude Cellier ist klar: «Am guten und perfekt gemischten Ton entscheidet sich alles!» Darum ist nur die beste Technik gut genug, lautet die Parole des Gründers und CEO von Merging Technologies. Das Westschweizer Unternehmen ist Expertin für Mischpulte. Solche Mischsysteme kommen in Radio- und Fernsehstationen, Produktionsfirmen oder Tonstudios zur Anwendung. Mit ihnen können Sprache, Musik oder Geräusche abgestimmt werden. Die Mischpulte von Merging Technologies basieren auf einer eigenen Benutzeroberfläche, die Pyramix heisst. Neben Sprache und Musik will Cellier in Zukunft auch die Verarbeitung von Videosignalen ermöglichen.

Fingerspitzengefühl gefragt

Pyramix ermöglicht mit einer Vielzahl von Schaltern, Kontrollleuchten und Anzeigen die Übersicht auf bis zu mehreren Dutzend verschiedener Tonsignale. Bedient werden die Mischpulte aber weiterhin von Hand. Cellier begründet, weshalb dies mittlerweile nicht per Mausklick am Computerbildschirm geschieht. «Mit den Händen können bis zu zehn Kanäle gleichzeitig bearbeitet werden», sagt er. Seit November gibt es aber dennoch eine Erneuerung: «Eine neue Betriebsarchitektur, die weder auf Windows noch auf Mac basiert, macht Pyramix zur weltweit leistungsstärksten Workstation für die Tontechnik», so der CEO.

Um auch mit dem Wandel bei den Anwendern Schritt zu halten, bestehen mit zehn Schlüsselkunden spezielle Verträge. Deren Anregungen führen sogleich zu Anpassungen der Software. Auch sonst gehört rasche Unterstützung bei Problemen zu den Stärken des Unternehmens. «Die Hälfte der Arbeitszeit verbringen wir mit der Beantwortung von Anfragen. Die Kunden erhalten meistens innerhalb von 24 Stunden eine Antwort», sagt Claude Cellier.

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Durchbruch dank US-Geldern

Der 52-jährige Cellier verfolgt die Entwicklung der Schweizer Spitzentechnik für den Audiobereich schon lange. Bei Stephan Kudelski stand er als junger Elektroingenieur mit hinter dem Erfolg der weltberühmten Aufnahmegeräte «Nagra-Kudelski».

Später setzte er auf den Wechsel zur digitalen Zukunft und startete 1990 mit seiner eigenen Firma. Seit 1993 firmiert diese als Merging Technologies SA. Technisch war sein Produkt zwar überzeugend. Dennoch folgte eine finanzielle Durststrecke: «Es gab weder sogenannte Business Angels für praktische Ratschläge noch Risikokapital für den Ausbau der Firma», blickt Cellier auf die damaligen Verhältnisse zurück.

Deshalb musste Claude Cellier für den Durchbruch mit Merging Technologies einen Umweg über San Diego und New York machen. «Deshalb liegt noch heute eine leichte Kapitalmehrheit bei amerikanischen Risikokapitalgebern. Doch wir geniessen bei ihnen grosses Vertrauen, und Kaderleute und ich konnten letztes Jahr weitere Aktien übernehmen.» In den nächsten fünf bis zehn Jahren sei ein kompletter Ausstieg der US-Geldgeber aber kein Thema.

Belgien setzt auf das Waadtland

Angesagt bleiben dafür weiterhin ein zweistelliges Wachstum und der Gewinn von Marktanteilen – noch beträgt dieser keine 5%: Pyramix gehört zu den Verfolgern des dominierenden Anbieters Avid und dessen Tochter Digidesign aus den USA, gilt aber dank der technischen Spitzenstellung als Statussymbol für Tontechniker.

Jüngste Markterfolge stellen etwa das französischsprachige belgische Fernsehen dar, das vollständig auf Digitaltechnik umstellt, aber auch TV-Ketten in Australien, Japan und China. 2004 erhielt Pyramix eine Auszeichnung der Media Group of China für «herausragende» Produkte. Stolz macht Cellier auch, dass das führende französische Filmstudio Dubbing Brothers für Synchronisationen auf Pyramix setzt.

Neue Möglichkeit für Disney

Die jährlich rund 500 verkauften Anlagen gehen an Fernseh- und Radiostationen sowie Film- und Fernsehproduzenten. Selbst Filmregisseur und Schauspieler Sydney Pollack arbeitet mit Pyramix. Aber auch grössere und kleinere Musikstudios nutzen die Waadtländer Tonqualität.

Ab diesem Jahr soll die gleichzeitige Steuerung von Bild und Ton von einem Pult aus Museen oder Vergnügungsparks neue Möglichkeiten bieten. Geplant sind ferner Geräte für Konzertauftritte grosser Bands. «Doch das ist eine ganz andere Welt. Bis wir diesen Ansprüchen genügen, dauert es noch ein bis zwei Jahre», gibt sich Cellier bescheiden.