Die Industriemanager haben im vergangenen Jahr weniger verdient, die Banker dagegen mehr. So lautet das Fazit einer Umfrage der «Handelszeitung» bei den 55 grössten Schweizer Firmen (siehe Tabellen). Dabei stechen Ausreisser nach unten und nach oben ins Auge.

Beispiel Von Roll: CEO und VR-Präsident Thomas Limberger hat das Kunststück geschafft, trotz verlustreichem Geschäftsjahr sein Salär um 18% auf 2,53 Mio Fr. zu steigern. Dabei beklagte das Unternehmen einen Umsatzrückgang um 23% auf noch 549 Mio Fr. und rutschte in die roten Zahlen. Sprecher Sven Ohligs korrigiert die Zahl mit dem Hinweis, in der Lohnsumme von 2009 sei ein variabler Anteil von 403000 Fr. aus dem Jahr 2008 enthalten. Für 2009 werde Limberger auf Boni verzichten.

Beispiel Swiss Re: Zwar hat der Rückversicherer 2009 wieder einen Gewinn von 506 Mio Fr. erzielt, nach einem Verlust von 864 Mio Fr. im Vorjahr. Trotzdem ist die Lohnsteigerung von CEO Stefan Lippe von 129% auf 12,59 Mio Fr. erklärungsbedürftig. Swiss Re verweist darauf, dass Lippe einen Teil der Lohnsteigerung seiner Beförderung verdankt. Er wurde nämlich am 5. Februar 2009 zum CEO ernannt; zuvor war er Chief Operating Officer. Positiv habe sich zudem das bereits 2006 eingeführte, langfristig ausgerichtete Lohnsystem mit Bonus-Malus-Komponenten ausgewirkt. Lippe habe schliesslich in seinem ersten Jahr als CEO für den raschen Turnaround gesorgt.

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Den Vogel abgeschossen hat Brady Dougan. Der CEO der Grossbank Credit Suisse führt mit einer Lohnerhöhung von 571% auf 19,2 Mio Fr. die Hitparade an. Hinzu kommen weitere 70 Mio Fr., die dem CS-Chef Mitte April in Aktien aus dem Langfristprämienprogramm PIP ausbezahlt worden sind. Die CS will Dougans Salär nicht kommentieren. Die Aktionäre jedenfalls haben dem Vergütungsbericht an der Generalversammlung vom 30. April zähneknirschend zugestimmt.

Clariant verteidigt CEO-Salär

Ins Auge sticht auch die Lohnsteigerung bei Hariolf Kottmann. Der CEO des Chemiekonzerns Clariant verdiente 4,27 Mio Fr., 328% mehr. Stellt man darauf ab, wie der Chemiekonzern 2009 gewirtschaftet hat, findet man nichts, was eine solche Entlöhnung rechtfertigen würde. Denn alle Zahlen zeigten 2009 deutlich nach unten, vom Umsatzminus um 18% bis zum Nettoverlust, der von 37 auf 194 Mio Fr. anwuchs.

Des Rätsels Lösung: Kottmann war 2008 nur drei Monate, vom 1. Oktober an, bei Clariant tätig. Daher die «Lohnerhöhung» 2009 im Vergleich zum Vorjahr. Trotzdem: Das Gehalt ist angesichts der schlechten Zahlen stattlich - umso mehr, als die Aktionäre leer ausgingen. Firmensprecher Arnd Wagner verteidigt das Lohnniveau: «Clariant befindet sich in einem globalen Wettbewerb um die besten Führungskräfte und muss deshalb marktübliche und kompetitive Löhne zahlen.»

Eine ähnliche Erklärung steckt auch hinter Severin Schwans «Lohnsprung» um 50% auf 12,48 Mio Fr. Der Roche-CEO hat sein Amt als CEO erst mit der Generalversammlung im März 2008 angetreten. Hinzu kommt, dass rund die Hälfte der Gesamtentschädigung mit dem zukünftigen, langfristigen Erfolg der Roche-Titel verknüpft sei, wie Roche erklärt.Bei den Ausreissern nach unten sticht Joe Hogan ins Auge. Der ABB-CEO musste sich 2009 mit 5,98 Mio Fr. begnügen, rund dreimal weniger als im Vorjahr. «Er ist natürlich nicht abgestraft worden, sondern hat 2009 den gleichen Lohn gekriegt wie 2008», erklärt ABB-Sprecher Wolfram Eberhardt. In der Summe von 19,2 Mio Fr., die Hogan 2008 ausbezahlt wurde, war der Antrittsbonus von rund 13 Mio Fr. enthalten, den der ABB-Chef über fünf Jahre grösstenteils in Aktien erhält.

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Auch Peter Brabeck verdiente 2009 weniger, weil er kürzertritt. Der ehemalige CEO des Nahrungsmittelmulti Nestlé erhielt 2009 einen Lohn von «nur noch» 7,487 Mio Fr., 46% weniger. Grund: Seit April 2008 ist er nicht mehr CEO, sondern VR-Präsident.

Tatsächlich abgestraft wurde Stefan Borgas. Der CEO des Life-Science-Konzerns Lonza erhielt statt 3,32 Mio Fr. noch 2,16 Mio Fr., also 35% weniger. Sprecher Dominik Werner erklärt: «Die Entschädigung widerspiegelt die auf Leistung ausgerichtete Vergütungspolitik.» Lonza verbuchte 2009 einen Umsatzrückgang um 8,4% auf 2,69 Mrd Fr.; der Reingewinn sank um 62% auf 159 Mio Fr.

Der Agrochemiekonzern Syngenta schlug sich zwar tapfer. Trotzdem wurde CEO Michael Mack lohnmässig um 36% auf 4,5 Mio Fr. zurückgestuft. Sprecherin Sabine Hoffmann verweist auf das komplexe Vergütungsmodell und betont, der Gehaltsrückgang im Jahr 2009 sei besonders auf den geringeren kurzfristigen Bonus zurückzuführen.

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Sulzer stellt Bonus-System um

Ähnlich ist es Riet Cadonau, CEO des Telekomzulieferers Ascom, ergangen: Trotz relativ guter Zahlen sank sein Lohn um 27% auf 1,06 Mio Fr. Dämpfend auf die Entlöhnung wirkte sich laut Sprecherin Patrycja Pielaszek vor allem der geringere Betriebsgewinn aus.

Die Einbusse um 14% von Sulzer-CEO Ton Büchner auf 2,206 Mio Fr. wird vor allem mit einer Systemumstellung begründet. Beim leistungsabhängigen Bonus sei der Optionsplan durch Aktienpakete ersetzt worden.

Auch die SBB lieferten gute Zahlen - und trotzdem schmolz der Lohn von CEO Andreas Meyer um 25% auf 982000 Fr. Sprecher Dani Härry korrigiert diese Zahl und spricht von einem Minus von 6%. Die Lohnreduktion um 67000 Fr. ergebe sich aus einer geringeren Einzahlung in die Pensionskasse, 60000 Fr. statt 228000 Fr., und einem höhe- ren Bonus von 357000 statt 256000 Fr. Dies bei gleichem Salär von 540000 Fr.

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