Christoph Bührer erinnert sich genau an die Worte, die er früher von den meisten Exponenten aus der Busreise-Branche immer wieder zu hören bekam: «Sie müssen wissen, dass das System immer stärker ist als der Mensch», wollten ihm seine Kollegen klarmachen. Bührer ist da ganz anderer Meinung: 25 Jahre ist er bereits im Car-Business tätig und hat für fast jeden Anbieter in der Schweiz gearbeitet. 2006 war der Deutschfreiburger Geschäftsführer des Luxusreise-Veranstalters Car Rouge. Dieser wurde damals von der Knecht Holding gekauft und in deren Tochtergesellschaft Eurobus integriert.

Bührer verliess Car Rouge mit der felsenfesten Überzeugung, dass der Mensch in der Dienstleistungs-Branche Tourismus immer das wichtigste und stärkste Glied sei. Kurz darauf gründete er in Kerzers FR Edelline, seine Busreise-Firma. «Es zog mich damals, nach einem kurzen Abstecher in die Warentransport-Branche, zurück ins Busreise-Geschäft», erinnert er sich. Bührer braucht Menschen um sich herum - Kunden, denen er mit besonderen Dienstleistungen zu emotionalen Höhenflügen verhelfen kann.

Bus als Bestandteil der Reisen

Mit Edelline will er seine persönliche Antwort auf das heute zwiespältige Image von Busreisen geben. Als günstiger, dafür enger und miefiger Massentransport wird die erdgebundene Alternative zu Auto und Bahn noch immer von vielen Seiten gemieden. Edelline will ganz anders sein und ist es auch - nicht ein zu erduldendes Transportmittel zum Ferienzweck, sondern ein wesentlicher und genussreicher Bestandteil der Reisen.

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Bührer kaufte sich mit Hilfe von privaten Darlehen einen zweistöckigen Bus der Luxusmarke Setra (Mercedes) und veredelte diesen mit speziellen Materialien und Einrichtungen. Im Oberdeck montierte er 46 exklusive Ledersitze mit maximaler Beinfreiheit. Das Unterdeck, mit einem Eichenparkett und Bistrotischen bestückt, dient als Lounge und Begegnungsstätte mit künstlichem Sternenhimmel. Im voll klimatisierten Bus ist über jedem Sitz ein ausklappbarer LCD-Videomonitor mit Film- und Musikprogramm angebracht.

Den Gästen werden an Bord diverse Menüs in Porzellangeschirr sowie Wein und Champagner in echten Gläsern offeriert. Eine mitreisende Begleiterin soll alle Gästewünsche erfüllen. In der mitfahrenden Bordküche samt Grill, Backofen und Steamer bereitet sie die Mahlzeiten frisch zu. Die Zutaten dafür werden während der Reise eingekauft.

Christoph Bührer will das Produkt Busreisen veredeln, aufzeigen, dass die Branche viel mehr zu bieten hat als die nüchterne Fahrt von A nach B. «Ich will meinen Gästen eine tolle Zeit und schöne Erlebnisse an Bord ermöglichen.» Die Ferien sollen im Bus beginnen. Dafür ist Bührer kein Aufwand zu schade. Das stille Örtchen etwa ist raffiniert bei der hinteren Aufgangstreppe zum Oberdeck angebracht. Statt sich von 100 Augen beobachtet zu fühlen, ist das Geschäft bei Edelline diskret zu erledigen. «Nur ein Detail zwar, aber von unzähligen Gäste bereits ausdrücklich gelobt», sagt Bührer. Freude und Begeisterung in den Augen der Gäste sind für ihn der Treibstoff bei der Umsetzung von ambitionierten Plänen mit seinem Unternehmen.

Umsatz und Flotte ausgebaut

Im ersten vollen Geschäftsjahr 2009 hat die junge Busreise-Firma einen Umsatz von 1,8 Mio Fr. eingefahren. Budgetiert hatte Bührer ein Drittel weniger. Grund genug für ihn, die Flotte zu verdoppeln und im Dezember 2009 den zweiten Bus mit der exakt gleichen Ausstattung in Betrieb zu nehmen. Für 2010 peilt er einen Umsatz von 2,5 Mio Fr. an. «Jetzt ist erst mal Konsolidierung angesagt», meint Bührer und hat bereits den zweiten Prospekt mit Ferienangeboten lanciert. Die Busreise-Saison dauert von Anfang April bis Ende Oktober. Die Edelline-Routen führen durch ganz Europa, eine sogar in die USA. Heuer ist eine Musikreise nach Prag im Programm, auch Herrenhäuser und Schlösser in Polen oder die schönsten Gärten Südenglands.

Häufig mit an Bord ist Inhaber Christoph Bührer selbst. Rund 30% der Reisen macht der Chef persönlich mit und fühlt bei seinen Kunden den Puls. «Ich möchte aus erster Hand wissen, wie unser Produkt ankommt und wo wir uns weiter verbessern können.» Oft fährt Bührer, der sich lieber Gastgeber als CEO nennt, mit dem Privatauto durch halb Europa, um seinen Busgästen bei Zwischenstopps einen Apéro zu offerieren.

250 Franken pro Tag und Gast

Das luxuriöse Angebot und die exklusive Betreuung haben ihren Preis. Bei Edelline kostet ein durchschnittlicher Reisetag mit allem Drum und Dran 250 Fr. pro Person. Der Durchschnittstarif im Markt liegt bei rund 150 Fr. «Ich bin überzeugt, dass der Preisunterschied in Anbetracht der Qualitätsdifferenz vertretbar ist», gibt sich Bührer selbstbewusst. Er gefällt sich in der Rolle des Einzelkämpfers - jedoch ohne Groll gegenüber der Konkurrenz. «Ich liebe die Busreise-Branche und möchte mithelfen, ihr Ansehen zu verbessern.»