Die UBS wird auch in Frankreich die Geister der Steuerhinterziehung nicht los. Die Staatsanwaltschaft Paris wirft der Bank vor, zwischen 2004 und 2012 ein System aufgezogen zu haben, um reichen Franzosen beim Steuerbetrug zu helfen. Dabei sah es zunächst gut fürs Geldhaus aus: Parallel zu den Ermittlungen liefen zwischen der Bank und der Justiz Gespräche, den Fall mit einem Schuldeingeständnis ad acta zu legen. Die Sache sollte mit einer Busse erledigt werden.

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Dann folgte jedoch die überraschende Wende: Die Justiz eröffnete im Juli ein formales Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Beihilfe zur Steuerhinterziehung und der Geldwäsche. Im Rahmen des Verfahrens verlangt die Justiz von der UBS eine Kaution von 1,1 Milliarden Euro, damit die UBS ihre Geschäfte in Frankreich weiter betreiben kann. Die UBS verweigert diese Zahlung und hat den Fall vor Gericht gebracht – heute dürften die Richter in Paris entscheiden.

Steuerdeals bei exklusiven Events

Die Vorwürfe gegenüber der UBS wiegen schwer: Inzwischen ist belegt, dass Kundenberater aus Genf und Lausanne inkognito nach Frankreich ausschwärmten, um ihre Klientel an exklusiven Anlässen wie dem French Open, Golfanlässen oder Konzerten zu treffen und das Schöne mit dem Nützlichen  – sprich illegalen Steuerdeals – zu verbinden.

Der Staatsanwaltschaft arbeiten Zeugenaussagen von Ex-Kaderleuten von UBS France in die Hände. Die Wenigsten schrieben gleich ein Buch darüber, wie die Ex-UBS-Angestellte Stéphanie Gibaud. Sie beschrieb im Detail, wie die Kundenberater vorgingen. So sei etwa die Schweizer Briefpost extra in Frankreich in neutralen Couverts aufgegeben worden, um die französischen Beamten nicht misstrauisch zu machen.

Bilder-Andenken spielen Staatsanwaltschaft in die Hände

Um den Kunden von den jeweiligen Exklusiv-Anlässen ein persönliches Andenken zu überreichen, habe man jeweils Fotos der Events geschossen – diese Bildergalerien seien von den Steuerbeamten mit Freude zur Kenntnis genommen worden, schreibt die frühere Marketingfrau Gibaud.

Als die französische Nationalbank UBS France inspizierte, sei Banker Frédéric Mallin, der in Paris für die Schweizer Liaison zuständig war, angewiesen worden, sein Büro während mehrerer Monate aus dem UBS-Gebäude in ein anderes Gebäude zu verlegen. Wenn er seine Kollegen in der Schweiz telefonisch erreichen musste, nutzte er dafür ein Schweizer Handy, das nicht in Frankreich registriert war.

Angst vor Razzien ab 2006

Die Bank war offenbar ab 2006 zunehmend besorgt, dass es zu Razzien kommen könnte. So gab die Chefetage den Managern ein Dokument namens «Security Risk Governance» in die Hände, in dem das Personal aufgefordert wurde, in einem Notfall eine Hotline oder die Schweizer Botschaft anzurufen – dies gelte auch für Nicht-Schweizer.