1. Home
  2. Unternehmen
  3. Die UBS will Millennials mit neuen Konzepten ködern

Experiment
Die UBS will Millennials mit neuen Konzepten ködern

Die UBS will Millennials mit neuen Konzepten ködern
Concept Space+: Soll bis Ende Januar von Studierenden bevölkert werden.  zvg

Im ungezwungenen Rahmen mit jungen Leuten über Banking sprechen. Das will die UBS mit einem Pop-up-Store in Winterthur versuchen. Wie potenzielle Kunden ticken, sollen weitere Experimente zeigen.

Von Julia Fritsche
2017-10-12

70 Prozent der Millennials gehen lieber zum Zahnarzt, als mit einem Bankberater zu sprechen. Das zumindest zeigte kürzlich eine amerikanische Studie. Die Hürde für die Gewinnung neuer Kunden ist für Banken demnach also besonders hoch. Dies lässt darauf schliessen, dass auch den Schweizer Banken schwierige Zeiten bevorstehen. Die Grossbank UBS will die anstehenden Herausforderungen nun mit einem neuen Konzept in Winterthur meistern.

Der Concept Space+ richtet sich an Studierende der Fachhochschulen. Im sogenannten «urbanen Happening Place» finden sie tagsüber nutzbare Arbeitsplätze. Auch der aufgestellte Grossbildschirm kann genutzt werden, etwa für Präsentationen im kleinen Kreis. An zwei Tagen sind zudem Abendveranstaltungen geplant. Denkbar sei etwa eine Präsentation zu Blockchain oder eine Veranstaltung für Eltern zum Thema Verschuldung, sagt Roger von Mentlen, Leiter Personal Banking der UBS. Platz soll es auch für Yoga oder Kulturelles geben.

Auf dem Weg abpassen

Zwischen Bahnhof und dem Hochschulgelände gelegen und direkt bei einem beliebten Pub, sind die Initianten auf Laufkundschaft aus. Kunden sollen das aber nur bedingt sein. Zwei sogenannte Hosts – junge Angestellte der nahen UBS-Filiale – erklären den Interessierten die digitalen Bankprodukte. Ebenfalls möglich ist eine digitale Kontoeröffnung direkt in einem der eiförmigen Sessel.

Doch die jungen Leute sollen nicht aggressiv überfahren werden, sondern zuerst einmal ankommen und die Räumlichkeit kennenlernen, erklärt ein junger UBS-Angestellter, der ab morgen im Concept Space+ in Einsatz ist. Mit Werbeflyern, die in der ganzen Stadt verteilt werden, soll ebenfalls auf das Angebot aufmerksam gemacht werden. Und auch die Studiendepartemente wurden informiert.

Die UBS wird weniger Filialen brauchen

Arbeiten, Veranstaltungen und Werbung für die eigenen Produkte und die UBS als Arbeitgeber ist das eine. Die UBS ist aber auch interessiert daran, was und wie die Millennials denken. Daraus erhofft sich die Grossbank Input für zukünftige Entwicklungen. So sei Diskretion ein Thema, das man mit den jungen Leuten ansprechen wolle: Wie viel oder wenig Privatsphäre ist nötig, damit sie bereit wären, ein Konto zu eröffnen?

Damit verknüpft ist die grosse Frage nach den Filialen der Zukunft. Gemäss einer Befragung von EY geht die grosse Mehrheit der Schweizer Institute davon aus, dass es 2020 weniger Filialen geben werde. Dem schliesst sich auch von Mentlen an. Lange habe man das Filialnetz stabil halten können, sagt von Mentlen. «Aber es ist kein Geheimnis, dass es punktuell zu Anpassungen kommen wird.» Mit anderen Worten heisst das: Die UBS wird bald weniger Standorte brauchen wird.

Weitere Experimente: Ein-Mann-Filiale und an Samstagen offen

Keine Angst hat der Herr über das UBS-Filialnetz allerdings, dass alles ins Internet abwandern könnte. «Bei komplexen Sachverhalten wie etwa Hypotheken oder dem Vorsorgegeschäft schätzen Kunden weiterhin den persönlichen Kontakt», ist er überzeugt. Einfache Geschäfte dagegen könnten aus den Filialen verschwinden. Aktuell aber ist man bei der UBS auch da noch nicht so weit: Die digitalen Kontoeröffnungen liegen seit Start im vergangenen Jahr bei aktuell knapp 2500 Abschlüssen.

Der Concept Space+ ist nicht der einzige Versuch der UBS mit der Filiale von morgen. In Effretikon eröffnet am kommenden Montag eine Ein-Mann-Filiale. Macht der Angestellte etwa Mittagspause, vertreten ihn seine Kollegen aus einer Nachbarfiliale per Fernschaltung. Samstagöffnungszeiten testet die UBS aktuell in Basel und Lausanne.

Lässig in Chinohosen und weissen Sneakern

Das Bekenntnis zu den Millennials scheinen die Banker bereits verinnerlicht zu haben – inklusive lässigen beigen Chinohosen und weissen Turnschuhen an der Präsentation für die Medien. Zugeknöpft gibt sich die UBS aber darüber, wie es Ende Januar weitergeht. Von Mentlen zu seinen Erwartungen: «Es ist ein Experiment.»

Anzeige