Die UBS kämpft derzeit an vielen Fronten. Gerade erst wurde publik, dass die Grossbank in Europa und den USA im weltweiten Devisen-Skandal offenbar auf eine Teilnahme im Kronzeugenprogramm hinarbeitet. Nun scheint sie sich mit den deutschen Behörden wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung auf eine Busse von rund 200 Millionen Euro geeinigt zu haben. Damit würde die UBS die höchste Strafe entrichten, die jemals ein ausländisches Finanzinstitut in Deutschland zahlen musste.

Dabei könnte es für die Schweizer Bank noch viel schlimmer kommen. Denn die UBS kooperiert in vielen Fällen mit den staatlichen Ermittlern und versucht so, hohe Geldstrafen zu vermeiden. Zu beobachten war das bereits im Dezember, als sie ihr eigenes Fehlverhalten bei der Manipulation des Londoner Interbankenzinssatzes Libor offenlegte – und sich so Zahlungen in Milliardenhöhe ersparte.

«Clever ausgestaltetes Anreizsystem» für sündige Banken

Die Bank profitiert damit von Neuerungen der internationalen Ermittlern bei der Aufarbeitung der Finanzkrise. «Auf beiden Seiten des Atlantiks haben Aufsichtsbehörden ein clever ausgestaltetes System mit Anreizen für Banken in potenzieller Milliardenhöhe entwickelt, wenn sie ihr Fehlverhalten schnell anzeigen», sagt Javier Paz, leitender Analyst beim US-Researchunternehmen Aite Group.

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Von dieser Regelung gewinnen unterm Strich beide Parteien: Die geständigen Unternehmen umgehen hohe Strafzahlungen, die staatlichen Aufsichtsbehörden sammeln Beweise gegen andere Firmen. Aite-Experte Paz untersucht die Praktiken der grossen Banken bei ihrem Vermögensmanagement und hat bei der UBS einen besonderen Umgang mit den Regulierern festgestellt. «Die UBS zieht seit jeher Vorteile aus dem System zur Offenlegung», sagt er.

UBS: «Angemessene Chancen», Strafen im Devisenskandal zu umgehen

Im Gegensatz zu anderen Banken scheint sie sich gut anzupassen. Paz sieht «angemessene Chancen», dass die UBS im aktuellen Devisenskandal eine Reihe von Strafen erlassen oder zumindest vermindert bekommt, weil sie den Behörden Informationen offenlegt. Teilweise könnte ihr dadurch auch Immunität gewährt werden, so Paz.

Dennoch dürfte die UBS ihr Geschäftsmodell auf den Prüfstein stellen. Denn im Devisenskandal drohen noch langwierige Verfahren, die auch die Marktanteile der führenden Finanzinstitute durcheinander wirbeln können. «Grosse Banken wie die UBS werden entscheiden müssen, welche strategischen Bestimmungen nötig sind.» Paz erwartet, dass im Devisenhandel künftig mehr elektronische Prozesse Entscheidungen von Menschen ersetzen werden. Bereits heute mache der elektronische Handel rund 70 Prozent aller getätigten Währungstransaktionen aus. In den kommenden fünf Jahren dürfte dieser Wert demnach konservativ geschätzt auf über 76 Prozent steigen.