Die Schweizer Uhrenindustrie dürfte im Jahr 2016 weniger Produkte ins Ausland exportieren als im Vorjahr. Der Rückgang werde sich sehr wahrscheinlich im einstelligen Prozentbereich bewegen, sagte Jean-Daniel Pasche, Präsident des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) am Donnerstag im Vorfeld der Generalversammlung zu Medienvertretern.

Das wäre der zweite Rückgang in Folge, nachdem die Uhrenexporte bereits im Jahr 2015 um 3,3 Prozent auf 21,5 Milliarden Franken gesunken waren. Mit dem Entscheid der Briten, aus der EU austreten zu wollen, hätten die Unsicherheiten weiter zugenommen, erklärte Pasche.

Negativer als im März

Mitte März anlässlich der Uhrenmesse Baselworld zeigte sich Pasche mit Blick auf das laufende noch zuversichtlich und rechnete mit einer stabilen Entwicklung der Uhrenexporte. «Nun verzeichnen wir nach fünf Monaten bereits einen Rückgang von 9,5 Prozent. Das lässt sich nicht mehr aufholen.» Immerhin dürfte sich der Rückgang aufgrund der tiefen Basis aus dem zweiten Halbjahr 2015 etwas abschwächen.

Die Uhrenindustrie sehe sich weiterhin verschiedenen wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen ausgesetzt, welche die Entwicklung der Verkäufe belasteten, sagte Pasche. Fahrt aufgenommen habe der Abschwung Mitte des vergangenen Jahres, auch als Folge der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB).

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Nachfrage in Hongkong schwächelt

Nebst dem Einfluss des starken Frankens erkennt Pasche aber noch eine Reihe weiterer Gründe, welche die Entwicklung der Uhrenbranche nach wie vor dämpfen. So ist die Nachfrage im wichtigsten Exportmarkt Hongkong, wo die Uhrenhändler nach wie vor mit dem Abbau ihrer Lager beschäftigt sind, weiterhin schwach.

Weiter belaste auch der mit Terrorsorgen oder erschwerten Visa-Bestimmungen verbundene Rückgang asiatischer Touristen in Europa. Hinzu komme die weltweit unsichere Wirtschaftslage, besonders mit Blick auf China.

Britischer Markt zuletzt positiv

Der Brexit-Entscheid verstärke die unsichere Marktlage noch, glaubt Pasche. «Das Brexit-Votum war auch für die Schweizer Uhrenindustrie keine gute Nachricht.» Dabei habe sich der britische Markt für die Uhrenindustrie mit einem starken Wachstum von 19 Prozent im Jahr 2015 und der Seitwärtsbewegung nach fünf Monaten im Jahr 2016 zuletzt gut entwickelt.

Die unsichere Wirtschaftsentwicklung in Grossbritannien und im restlichen Europa sowie der zum Pfund und Euro stärker werdende Franken dürften den Uhrenhersteller das Leben jedoch erschweren. Immerhin dürfte Grossbritannien, insbesondere London, mit der Abschwächung des britischen Pfunds als Reisedestination an Bedeutung gewinnen, was für die Uhrenindustrie positiv zu werten sei, sagte Pasche.

Erfolge in einigen Ländern

Es gelte nun aber abzuwarten, wie sich die politische und konjunkturelle Lage entwickle und wie die Schweizer Uhrenindustrie davon betroffen sein werde. Im laufenden Jahr ist Grossbritannien mit 438 Millionen Franken zum für die Branche siebtgrössten Exportmarkt aufgestiegen.

Nebst Grossbritannien hätten sich in Europa einige weitere kleinere Märkte wie Österreich oder Schweden im laufenden Jahr gut behauptet. Global gesehen sei zudem das Geschäft in den Arabischen Emiraten gut in das Jahr gestartet und auch in Australien oder Kanada verzeichne die Branche Erfolge. Das grösste Wachstum weise der allerdings kleine Markt Südafrika aus.

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China und USA mit Verbesserungspotenzial

Enttäuscht zeigte sich Pasche von den Vereinigten Staaten, wohin die Uhrenexporte von Januar bis Mai 2016 um gut 9 Prozent abgenommen haben. «Hier hatte sich die Branche zu Jahresbeginn eine Stabilisierung erhofft.» Es gelte aber den Markt weiter zu entwickeln, insbesondere im Landesinneren.

Auch der zuletzt rückläufige chinesische Markt biete nach wie vor Verbesserungs- und Entwicklungspotenzial für die Uhrenhersteller, wogegen die Situation in Hongkong schwierig bleiben dürfte. «Es kommt stark darauf an, wie attraktiv die Uhrenpreise für Chinesen in Hongkong verglichen mit Destinationen wie Seoul oder Tokio in Zukunft sein werden«, meinte Pasche.

Gute Rahmenbedingungen schaffen

Insgesamt bleibe es aber von Bedeutung, dass die Uhrenhersteller mit ihren Produkten global breit aufgestellt seien. Auf die lange Sicht könnten Märkte wie Indien, Indonesien, Vietnam oder die Philippinen an Wichtigkeit gewinnen. Dort müssten allerdings noch gute Rahmenbedingungen im Handel mit der Schweiz geschaffen werden. So sei das kürzlich mit den Philippinen abgeschlossene Handelsabkommen positiv für die Exportbranche.

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(sda/jfr/ama)