Der Verkauf von Versicherungen über das Internet gewinnt enorm an Bedeutung. Bei Allianz Suisse beispielsweise steuert der Onlinevertrieb, also der Verkauf der Produkte über das Internet, rund 10% der Neugeschäfte bei. Damit dieser Anteil weiter zunimmt, vereinfachen die Versicherer ihren Onlineauftritt kontinuierlich. «Der Abschluss einer Versicherung im Internet soll künftig so einfach sein wie Freunde auf Facebook zu treffen», sagt Patric Deflorin, CEO Zurich Connect. Erst im Mai lancierte Zurich Connect einen komplett überarbeiteten Webauftritt. Und auch beim grössten Versicherer Axa Winterthur sind Neuerungen geplant.

«Wir wollen generell die Struktur, aber auch den Inhalt in den nächsten Monaten anpassen», sagt Mediensprecher Olivier Michel. Dazu soll auch der Versicherungsabschluss einfacher gestaltet werden. «Als gutes Beispiel dient unsere neue kombinierte Haushaltsversicherung, die wir vor einigen Monaten neu aufgeschaltet haben», sagt Michel. Dass der erweiterte Internetauftritt im Zusammenhang mit der vor langer Zeit geplanten Namensänderung in Axa und der Streichung des Zusatzes Winterthur steht, dementiert Michel jedoch.

Live Chat und Skype

Den Vorwärtsgang in Sachen Internetauftritt legt auch die Zürich-Versicherung ein und überarbeitete ihr Onlineportal. «Bei Zurich Connect können unsere Kunden jetzt alles noch rascher und bequemer erledigen», sagt der CEO von Zurich Connect. Neben einer verbesserten Übersicht wurde auch die Handhabung vereinfacht. Innovativ ist vor allem die Möglichkeit, über einen Live-Chat oder den Instant-Messager Skype mit einem Serviceberater in Kontakt zu treten. «Einfach, transparent und schnell: Das sind die Forderungen der mobilen Kunden», sagt Deflorin. Mit 200 000 Benutzern ist Zurich Connect die grösste Plattform in der Schweiz.

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Verdoppelung des Volumens

Auch Allianz Suisse ist bestrebt, ihren Internetauftritt kontinuierlich zu verbessern. So seien die Kunden eher geneigt, sich auf derjenigen Website ein Angebot erstellen zu lassen, auf der sie sich schnell und gezielt bewegen können, sagt Roland Rykart, Leiter Distribution der Allianz Suisse. «Jede echte Verbesserung unseres Internetauftrittes wird deshalb auch zu einem höheren Geschäftsvolumen führen», sagt Rykart. An revolutionäre Innovationen glaubt Allianz Suisse aber nicht. «Die Assekuranz wird kaum zum Trendsetter in den neuen Technologien avancieren, denn dazu sind die Kundenkontakte viel zu wenig transaktionsorientiert», sagt er.

Die Nutzung des Internets hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Allein in der Schweiz hat die Zahl der wöchentlichen Internetuser innerhalb von zehn Jahren von 12 auf 72% zugenommen (siehe Grafik). In diesem Zusammenhang steigt auch die Bedeutung des Internetvertriebes. «Ich erwarte im Schweizer Online-Versicherungsmarkt einen Boom. In den nächsten fünf Jahren werden wir unser Geschäftsvolumen mindestens verdoppeln», sagt Deflorin. Damit wird der Internetvertrieb in den kommenden fünf Jahren rund ein Drittel des Neugeschäftes der Zürich-Versicherung Schweiz ausmachen.

Zum Boom tragen vor allem die sogenannten Digital-Natives bei. Denn mit ihnen tritt die erste Generation ins Erwachsenenalter, die mit Computern vollumfänglich aufgewachsen sind. Für diese Generation ist die Nutzung des Internets auch für Angelegenheiten, die in der Fachsprache als Low-Interest-Aufgaben deklariert werden, selbstverständlich. Unter Low-Interest-Aufgaben werden vor allem Aktivitäten verstanden, die von geringerem allgemeinem Interesse sind, oder solche, die nur einmal jährlich ausgeführt werden müssen, wie beispielsweise das Abschliessen einer Versicherung.

Künftige Prämiensenkung

Mit dem Internetvertrieb wird vor allem der Direktverkauf über das Telefon stark bedrängt. Damit können wesentliche Kosten in Zukunft eingespart werden. «Ich erwarte von der Verlagerung vom Telefon ins Internet zukünftig eine Prämiensenkung», sagt der CEO Zurich Connect. In der Branche rechnet man mit Prämiensenkungen von 10 bis 15%.

Aber auch andere Vertriebswege erhalten durch das Internet zunehmende Konkurrenz. «In einzelnen Branchen, allen voran sicherlich die Motorfahrzeug-Versicherung, wird der Internet-Vertrieb auch die Umsätze aller anderen Absatzkanäle schmälern», sagt der Leiter Distribution bei Allianz Suisse. Dennoch lassen sich längst nicht alle Versicherungen über das Internet verkaufen. Während sich Motorfahrzeug-, Hausrat- und Reiseversicherungen besonders eignen, benötigen nicht standardisierte Produkte wie Lebensversicherungen nach wie vor intensivere Betreuung.