Versicherer sorgen derzeit wieder für Schlagzeilen. So kündigte die US-Versicherung Metropolitan Life eine Kapitalerhöhung an. Der zweitgrösste amerikanische Lebensversicherer Prudential Financial gab eine Gewinnwarnung heraus. Und während AIG weitere Kapitalspritzen benötigte, ist in Japan mit dem Lebensversicherer Yamato Life Insurance erstmals ein Finanzinstitut an den direkten Folgen der US-Hypothekenkrise untergegangen. Entsprechend stellt sich die Frage, wie gut es tatsächlich um die Gesundheit der hiesigen Versicherer bestellt ist.

Die Negativnachrichten aus dem Ausland sorgten in der letzten Woche bei den hiesigen Versicherern für grosse Kursverluste. Aber auch der Konkurs von Lehman Brothers belastet möglicherweise die Schweizer Versicherungen. So führt der Fall der US-Investmentgesellschaft zu einer höheren Ausfallwahrscheinlichkeit der sogenannten Credit Default Swaps (CDS). Und das gestiegene Ausfallrisiko führt wiederum zu höheren Preise für CDS. Entsprechend müssen die Versicherer mehr bezahlen, um mögliche Verluste absichern zu können. So stellen CDS eine Art Kreditausfallversicherungen dar.

Situation bleibt angespannt

Am vergangenen Freitag schloss die Aktie von Swiss Life 21%, die von Zurich 26% und die von Swiss Re gar um 30% tiefer als zum Wochenbeginn. Und trotz der sich derzeit abzeichnenden Erholung bereitet vor allem Swiss Res Anlagepolitik manch einem Investor Sorge. Die Rückversicherung hat rund 42% der Anlagen in strukturierte Produkte und konjunk-turanfällige Unternehmensanleihen investiert. Und seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007 hat das Unternehmen bereits 3 Mrd Fr. verloren. Aber: «Es ist zu berücksichtigen, dass Swiss Re strukturierte Produkte von solider Qualität in den Büchern hat», sagt René Locher, Analyst bei Sal Oppenheim. Entsprechend musste das Unternehmen nicht in der gleichen Höhe Wertberichtungen vornehmen wie beispielsweise einzelne Bankinstitute. Auch die Positionen an Lehman Brothers und AIG sind mit insgesamt 250 Mio Fr. im Vergleich moderat ausgefallen.

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Und an der Investmentgesellschaft Sigma hielt die Schweizer Rück keine Anteile. Offen bleibt aber noch, wie hoch die Beteiligung an der gefallenen US-Sparkasse Washington Mutual tatsächlich ausfällt. Da gibt die Swiss Re Entwarnung: «Das WashingtonMutual-Exposure von Swiss Re ist nicht signifikant», sagt Simone Lauper, Mediensprecherin bei Swiss Re. Zudem bestätigt das Unternehmen, am Ziel festzuhalten, das gestartete Aktienrückkaufprogramm bis April 2010 abzuschliessen.

Fokus auf Lebenrückgeschäft

Unbestritten ist jedoch, dass minderwertige Gesellschaftsanleihen (Corporate Bonds) aufgrund der sogenannten Spread-Ausweitung an Wert eingebüsst haben. Das bedeutet, dass Abschreibungen auf diesen Anleihen vorgenommen werden müssen. Im Zusammenhang mit den hohen Sturmschäden wird sich dies negativ auf das Ergebnis im 3. Quartal auswirken.

Umso einleuchtender ist es, dass der Swiss Re-CEO Jaques Aigrain das Lebengeschäft vorantreiben möchte. Dabei handelt es sich um die Deckung für Renten- und Gesundheitsversicherungen. «Das senkt die Volatilität», sagt Locher. Denn der Nichtlebenbereich schwankt stark. So lassen sich beispielsweise Sturmschäden nur begrenzt voraussagen. Und während sich in den letzten Jahren das Ausmass von Naturkatatstrophen in Grenzen hielt, kommt es im laufenden Jahr zu höheren Schadensbelastungen. Entsprechend sorgt das Lebengeschäft für Diversifikation und entschärft damit die Ergebnisschwankungen im Nichtlebengeschäft ein Stück weit.

Weiter spricht für den Bereich, dass das Interesse an privater Altersvorsorge in der Bevölkerung kontinuierlich ansteigt. Dies widerspiegelt sich auch in den Prämieneinnahmen durch Swiss Re. 2003 betrug der Anteil der Einnahmen im Lebenbereich 33% der gesamten Prämieneinnahmen. Im laufenden 1. Halbjahr wuchs der Anteil bereits auf 43% der gesamten Nettoeinnahmen von 12,6 Mrd Fr.

Trotz dem Wachstum und den positiven Aussichten dürfte die Lebensparte für Swiss Re nicht zum Hauptpfeiler werden. So ist der Nichtlebenbereich, gemessen an der Eigenkapitalrendite, wesentlich rentabler als das Lebengeschäft.