Kult: In die aus Messing geformten Posaunen, Waldhörner, Trompeten, Tuben und Euphonien blasen vor allem grosse Stars der Blechmusikszene: Wie Vlado Vizar, der schon Benny Goodman oder Lionel Hampton begleitete; Marty Erickson, Tuba-Solist der US Navy Band; oder Mike Kilroy, nicht nur bekannt durch die Auftritte am Lucerne Festival, sondern auch durch seine Begleitung der Pop-Diva Kylie Minogue.

Hauptabnehmer sind neben bekannten Solisten vor allem auch Orchester und Brassbands auf allen Kontinenten. Die Flumser Blechinstrumente haben vermutlich nur einen Mangel: «Sie hebed es Läba lang», lautet das Motto des KMU. Und sollte trotzdem einmal ein Instrument beschädigt sein und einen Service nötig haben, ist das überhaupt kein Problem.

«Pro Jahr fertigen wir rund 800 Stück an – alle auf Bestellung», sagt der Sohn des Firmengründers, Willi Kurath jun. Kurath? Zunächst stellt man ihm eine unmusikalische Frage: Woher kommt die Bezeichnung Willson? Sie erinnert weder an die Familie, noch will sie ins Dorfbild passen, wo die Geschäfte mit Nadig, Bless oder Wildhaber angeschrieben sind. «Das ist eine kurze Geschichte. Mehr als zwei Drittel unserer Produktion gehen ins Ausland, vor allem in den angelsächsischen Raum und nach Japan. Daher fand es mein Vater nahe liegend, dass unsere Blasinstrumente einen Markennamen bekommen sollten, der sich in allen Sprachen, insbesondere in der vom Gros unserer Kunden gepflegten, aussprechen lässt.» Heute ist Willson für Blasinstrumente rund um die Welt ein Begriff.

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Heimmarkt macht 5 Prozent aus

Alles begann damit, dass der gelernte Blechblasreparateur Willy Kurath sen. in seiner bescheidenen Werkstatt an der Bahnhofstrasse Reparaturen von Holz- und Blasinstrumenten ausführte. Ausgebildet hat ihn sein Onkel. «Damals faszinierten ihn die Klarinetten so sehr, dass er sich entschloss, das Spiel auf diesen Instrumenten zu erlernen. Den Musikliebhaber störte es, dass am Markt viele Instrumente angeboten wurden, die nicht seinen Vorstellungen von Qualität entsprachen», erinnert sich sein Sohn, der schon von Kindsbeinen an in der Werkstatt herumstiefelte und seinem Vater bei der Arbeit zusah. Wenig später verwirklichte Kurath sen. seine Visionen von Instrumenten mit einem perfekten Klang. «Zuerst wurden nur Kunden in der Schweiz beliefert. Heute macht der Heimmarkt gerade mal noch 5% aus», so Kurath jun.

Die Kuraths brauchten keine Werbeleute, damit ihre Marke Willson berühmt wurde. «Es ging uns immer darum, mit unseren Instrumenten höchste Klangperfektion zu erreichen und jene zufrieden zu stellen, die zu den Besten ihrer Disziplin gehören», erklärt Kurath jun. Das sei ihnen auch gelungen. Die Liste der berühmten Solisten und ihrer Auftritte ist länger als die Firmengeschichte.

Ganz stolz sind die Kuraths – auch Willis Cousin ist im Geschäft und der Vater arbeitet jeden Tag noch für ein paar Stunden mit – auf ein Ventil, das in der Musikwelt einzigartig und unter dem Namen Rotax geschützt ist. «Es reguliert den Luftfluss innerhalb des instrumentalen Röhrensystems», ist von Kurath jun. zu erfahren. Der Clou ist ein drehbarer Rotor, der ein vollkommenes Durchlassvolumen gewährleistet. Der Vorteil gegenüber einem herkömmlichen Rotor liegt auf der Hand. Mit dem Willson-System lässt sich das leichte Ansprechen der Instrumente viel müheloser und besser erreichen. Das etwa 50 cm breite Schallstück wird ohne Naht produziert. Diese patentierte Technik bietet Willson als einziger Hersteller an. Diese Ventile sind nicht gerade wohlfeil. Je nach Modell variiert der Preis zwischen 8000 und 16000 Fr.

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Die 25 Mitarbeiter sind lauter Fachkräfte. Die Entwicklung eines neuen Instrumentes beginnt mit der Herstellung eines Prototyps. Davon wird eine Negativform aus Kunstharz hergestellt. Sie dient anschliessend als Muster für die Produktion. Im Prozess wird ein zylindrisches Rohr aus Messing auf eine konische Metallstange aufgezogen und mit Hydrauliköl kalt in Form gebracht. Das hört sich nicht annähernd so schwierig an, wie es in Wirklichkeit ist. Bis beispielsweise eine Tuba in der Stimmung B, Es, C oder F spielbereit ist, benötigen die versierten Instrumentenbauer mindestens eine Woche.

Willson bleibt Region verbunden

Haben die Kuraths nie daran gedacht, die Produktion von Flums ins Ausland zu verlagern, wo sich doch der Hauptharst der wichtigen Abnehmer befindet? Willi Kurath jun. schüttelt den Kopf und verweist auf die Verbundenheit dieser kleinen, aber feinen Spezialfirma mit dem St. Galler Oberland. Unnötig zu sagen, dass Kurath jun. mit viel Begeisterung seit Jahren in der örtlichen Bürgermusik mitspielt – selbstredend auf einem Willson-Euphonium.

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