Am Dienstag hat Lonza eine strategische Partnerschaft mit dem weltweit führenden israelischen Generikahersteller Teva bekannt gegeben. Geplant ist ein Joint Venture zur Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Biosimilars, also Beinahe-Kopien von in Zukunft ablaufenden, hochmodernen Biotechmedikamenten. Anders als bei den auf chemischen Formeln beruhenden Generika gelingt eine exakte Nachbildung hier nicht.

Damit ist Lonza in allen Life-Science-Bereichen ganz vorne mit dabei. Schon jetzt ist sie indirekt (im Auftrag von Pharma- und Biotechfirmen) stark in die Erforschung und Herstellung chemisch und biotechnologisch hergestellter Medikamente und Generika involviert. Die Firma hat sich stark von ihren einstigen Wurzeln im Chemiegeschäft entfernt.

Aktie stürzt ab

Weil Lonza nach wie vor zur Chemiebranche gerechnet wird, wurde die Aktie des Unternehmens seit ihrem Allzeithoch Anfang September 2008 heftig abgestraft: Einen Drittel hat der Titel eingebüsst. Öl ins Feuer goss zudem CEO Stefan Borgas mit der Ankündigung, dass Lonza für 2008 das selbst gesetzte Ziel eines Betriebsgewinnwachstums (Ebit) von 15 bis 19% nicht erreichen werde. An der «Guidance» hält er dennoch fest; die durchschnittlichen jährlichen Ebit-Wachstumsraten von 15 bis 19% bis zum Jahr 2013 sollen eingehalten werden.

Anzeige

Der Grund für die Margenenttäuschung liegt begründet in der Sparte Exklusivsynthese & Biopharmazeutika (Umsatz 2007: 1388 Mio Fr., Ebit-Marge: 15,8%). Sie bietet die massgeschneiderte Produktion von chemischen und biologischen Wirkstoffen für Kunden aus der Pharma- und Biotechbranche an. Weil Kunden Aufträge verschieben oder stornieren mussten, blieben teuer erstellte Kapazitäten zu wenig ausgelastet.

In diesem Geschäftsfeld vollzieht Lonza gegenwärtig einen Quantensprung. Mit «Pipeline»-Abkommen ermöglicht das Unternehmen Pharmafirmen die Auslagerung der gesamten Entwicklung und Produktion von Medikamenten. Einen ersten solchen Deal - im Biotechbereich - hat Lonza mit Novartis abgeschlossen, weitere sollen folgen.

Diese neuen Deals sorgen einerseits für einen verstetigten Geschäftsgang und machen Lonza für die Übernahme durch einen Pharmamulti uninteressant. Allerdings partizipiert das Unternehmen dadurch noch stärker am Geschäftsrisiko grosser Kunden.

Eine gute Diversifikation bieten die weiteren Segmente von Lonza, so etwa Life Science Ingredients (Umsatz 2007: 1135 Mio Fr., Ebit-Marge: 12,3%). Dieses Segment gleicht noch am meisten einem klassischen Chemieunternehmen. Der Unterbereich Nutrition Ingredients produziert Nahrungsmittelzusätze wie Vitamin B3, Microbial Control stellt Hygiene- und Konservierungsmittel her und Performance Intermediates Farb- und Klebstoffe, Aufheller, Agrochemikalien und Materialien für die Elektroindustrie. Das kleinere Segment Biosience (Umsatz 2007: 189 Mio Fr. , Ebit-Marge 14,8%) produziert vor allem Bioprodukte und Nährlösungen für die Forschung.

Hoher Kapitalbedarf

Vor allem die Bereitstellung umfangreicher Kapazitäten für die Kundenfertigung verschlingt viel Kapital. Eine gesunde Bilanz ist daher für Lonza besonders wichtig. Doch hier droht vorläufig wenig Gefahr. Selbst die Wandelanleihe, die am 15. Juli ausläuft, kann Lonza aus der Kasse bezahlen, sollte die Aktie unter den Wandelpreis von 91.67 Fr. fallen.