Ein sich zusehends schneller verändernder Markt, das strenger werdende regulatorische Umfeld, der technologische Fortschritt, all diese Einflüsse wirken auf die Finanzbranche ein und sind Bestandteile einer chronischen Komplexität. Diese fordert die Unternehmensführung auf allen Ebenen, und auch die fähigste Führungskraft kommt bisweilen an ihre Grenzen im Versuch, Ordnung in das Ganze zu bringen.

Es ist nur zu verlockend, Einflüsse voneinander isoliert zu betrachten und von direkt ableitbaren Folgen auszugehen. Kopplungen zwischen unterschiedlichen Einflussgrössen können jedoch die Grenze zwischen Ursache und Wirkung verwischen. Nicht immer ist es eindeutig, ob nun die Nachfrage, der technologische Fortschritt oder eine geänderte regulatorische Vorschrift die Entwicklung eines bestimmten innovativen Produktes ausgelöst hat. Oder ob neue Regulationen eingeführt wurden, um unerwünschte Folgen neuer Produkte zu bekämpfen oder um den Kundenbedürfnissen zu entsprechen.

Oft sind es mehrere Faktoren, die eine bestimmte Entwicklung auslösen, die wiederum auf die ursprünglichen Faktoren rückwirken. Dies führt zu einem selbsterhaltenden Kreislauf von Ursache und Wirkung. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einem komplexen System, welches aus externen und internen Faktoren besteht (siehe Abbildung).

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Widersprüche zulassen

Folglich wird ein Führungsstil, der von linearen Zusammenhängen zwischen diesen Faktoren ausgeht, über kurz oder lang an der zu starken Vereinfachung scheitern. Wie in einem natürlichen, biologischen System individuelle Einflüsse nur schwer zu isolieren sind, kann in der Führung von Unternehmen die Konzentration auf einzelne Faktoren zu einem vergeblichen Unterfangen werden, die Unternehmensentwicklung erfolgreich zu gestalten.

Ein erfolgsversprechender Führungsstil lässt scheinbar Widersprüchliches zu und schafft so den Nährboden für Innovation. Besonders erfolgreich gelingt dies beispielsweise einem führenden Internetunternehmen, welches von seinen Mitarbeitern erwartet, 10 bis 20% ihrer Arbeitszeit in Innovation zu investieren, anstatt alles der Produktivität unterzuordnen.

In unseren Projekten und Studien haben wir sieben Führungsprinzipien identifiziert, die in der Finanzdienstleistungsindustrie zum erfolgreichen Komplexitätsmanagement beitragen:

1. Formulieren einer Vision und deren Verbindlichkeit. Visionen dienen den Mitarbeitern als Wegweiser auch in unübersichtlichen Situationen.

2. Vertrauensbildung dank klarer Kommunikation. Gerüchte auf Grund mangelnder Information verunsichern die Mitarbeiter.

3. Authentischer Führungsstil in Kombination mit Wertgenerierung. Man sollte konstant an der Selbsteinschätzung arbeiten und auf geeignete Anreize für langfristig orientierte Wertschöpfung setzen.

4. Einbezug der Unschärfe der Geschäftswelt in die Planung. Wirtschaftliche Entwicklungen sind nicht immer vorhersagbar. Man sollte deshalb auf das Unvorhergesehene vorbereitet sein.

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5. Enttarnung von Paradoxien und Widersprüchlichkeiten. Man entdecke Ungereimtheiten in seinen Geschäftsansätzen und nutze seine Kreativität, um daraus neue Lösungen zu entwickeln.

6. Informelles Netzwerkmanagement. Informelle Netzwerke in Unternehmen erlauben es, die wahren Erfolgsfaktoren zu identifizieren.

7. Erkennen, priorisieren und mobilisieren für Krisen. Etablierung von geeigneten Prozessen, um Gefahren rasch zu erkennen und zu bekämpfen.

Diese sieben Führungsprinzipien garantieren allerdings für sich alleine genommen noch keinen Erfolg. Damit diese Prinzipien die gewünschte Wirkung entfalten können, ist auch der menschlichen Dimension der Mitarbeiter Rechnung zu tragen. Jeder Mitarbeitende hat seine persönlichen Werte, Fähigkeiten und Motivationen, die er ins Unternehmen einbringt. Nur wenn die Unternehmenskultur diesen entspricht, wird er sein volles Potenzial entwickeln.

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Erst ein ganzheitlicher Ansatz, der den Führungsstil als auch die Unternehmenskultur umfasst, erlaubt einen adäquaten Umgang mit den heutigen komplexen Herausforderungen. Die sieben Führungsprinzipien bieten den Führungskräften eine gemeinsame Sprache und einen Bezugsrahmen, um mit der Komplexität umzugehen. Aber erst der Einbezug der Werte, Fähigkeiten und Motivationen aller Mitarbeiter ermöglicht die erfolgreiche Meisterung der Komplexität. Unternehmen, welche sowohl diese Führungsprinzipien befolgen als auch durch geeignete Massnahmen die Unternehmenskultur beeinflussen, werden eher die nötige Innovation und Flexibilität aufweisen, um einen Wettbewerbsvorteil im heutigen, komplexen Umfeld zu erringen.