Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Und was ambitionierte Studienabsolventen nicht gelernt haben – gute Führung, Leadership, soziale Kompetenz – haben Spitzenmanager auch nicht drauf? Ja: Dazu braucht es Talent, Erfahrungen während der Kindheit und Jugend, möglicherweise Veranlagung. Denn Fachwissen kann man lernen, den Charakter ändert man kaum (und wenn, dann eher negativ).

Nein: Auch wer das instinktive Gespür für Führung nicht schon spätestens mit der Muttermilch eingesogen hat, kann eine gute Chefin bzw. ein guter Chef werden. Denn als Mensch sind wir grundsätzlich in der Lage, unsere Gefühle zu kontrollieren, weitgehend rational und sachgerecht zu entscheiden. Und die Werkzeuge dafür lernt man teilweise an den Hochschulen und Unis – sie sind aus historischen Gründen in erster Linie für die reine Fachwissen-vermittlung zuständig – und teilweise aus der Lebenserfahrung, die die Studentinnen und Studenten auch während Praktika, Auslands- und Zwischensemestern sowie Sprachaufenthalten machen können.

Menschen statt Kieselsteine

Also egal, ob man nun schnurstracks nach China auswandert, erst einmal nur Teilzeit arbeitet, ein MBA anhängt, Berater wird oder irgendwo in der Linie einsteigt, es gilt, sich die Hörner abzustossen, ohne jede Arroganz aufzutreten. Und wer zu keinem Schluss kommt, der rede mit Kollegen, erfahrenen Zeitgenossen und je nach Bedarf mit Laufbahnberatern. Oder probiere etwas aus, das die Wege für andere Optionen nicht versperrt und den Lebenslauf wie auch immer bereichert. «Etwas Farbiges», wird etwa bei der ABB geraten, sollte der Lebenslauf enthalten – etwas, das nicht zwingend einen exakt gradlinigen Weg beschreibt, sondern etwas, das dem Charakter entspricht und Sinn macht. Schliesslich stellen die Unternehmen Menschen ein und nicht so etwas wie Maschinen. Wichtig ist, dass die Entscheidungen an den einen oder anderen Gabelungen aus der eigenen Situation und den Umständen heraus dann plausibel und zielführend waren, als sie gefällt wurden. Denn die Wirtschaft braucht keine stromlinienförmigen Roboter, sondern Menschen mit Ecken und Kanten. Denn mit ihnen, so hat es Fussballtrainer Köbi Kuhn einmal formuliert, kann man besser bauen. Mit runden Kieselsteinen geht das nicht.

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Welchem Wegweiser man folgt, hängt vom Ziel ab. Ohne eine ehrliche Standortbestimmung sollte man keinen der möglichen Wege einschlagen. Denn je nach Gewicht des Rucksacks in vielerlei Belangen ist der kürzeste Weg nicht immer der beste.