VOLATILITÄT. Dieses Frühjahr ist die Volatilität an die Aktienmärkte zurückgekehrt. Im August hat sie aufgrund der Subprime-Krise ein Niveau erreicht, das seit 2003 nicht mehr gemessen wurde. Zwar ist sie September wieder gesunken, liegt aber noch immer über dem Durchschnitt der letzten Jahre. Ein Anstieg der Volatilität bedeutet, dass die Marktteilnehmer mit höheren Schwankungen der Aktienkurse rechnen. Für die Anleger strukturierter Produkte hat der Anstieg der erwarteten Volatilität zu attraktiveren Konditionen geführt. Die erwartete – oder implizite – Volatilität der Basiswerte ist nämlich neben den Dividendenzahlungen bei Aktien die entscheidende Einflussgrösse auf den Preis strukturierter Produkte.

Tiefe Volatilität, tiefere Rendite

In den vergangenen Jahren war die Volatilität an den Aktienmärkten historisch niedrig. Dadurch sank das Renditepotenzial vieler strukturierter Produkte. Konnten sich die Anleger im Jahre 2002 bei einem einjährigen Barrier Reverse Convertible auf UBS über einen zweistelligen Coupon freuen, bot ein Ende 2006 emittiertes Produkt auf denselben Wert dagegen nur noch einen Coupon von 7,75%. Erst ein in diesem August emittierter Reverse Convertible auf die UBS zahlte wieder einen Coupon von 10,7%.Da viele Schweizer Blue Chips eine relativ niedrige Dividende ausschütten, was das Renditepotenzial von strukturierten Produkten zusätzlich schmälert, wichen die Anleger zunehmend auf strukturierte Produkte mit komplexeren Auszahlungsprofilen aus, zum Beispiel auf Korrelationsprodukte. Hier ist die Rückzahlung von der Kursentwicklung mehrerer Aktien abhängig. Für die Performance ist der schlechteste Wert massgeblich. Das bedeutet zwar ein erhöhtes Risiko, aber auch deutlich bessere Konditionen.

Klassische Produkte mit Aufwind

Sollte die Volatilität an den Aktienmärkten jedoch weiterhin hoch bleiben, könnten vertraute, klassische Produktstrukturen, die auf dem Verkauf von Optionen basieren, wieder vermehrt Aufmerk-samkeit finden. Die Volatilität führt nämlich dazu, dass die Optionen, die die Emittenten zur Strukturierung einsetzen, wertvoller werden. Somit steigt das Renditepotenzial dieser Produkte. Bei klassischen Reverse Convertibles führt eine gestiegene Volatilität zu einem höheren Coupon, unter Umständen sogar in Höhe von mehr als 10%. Solche Coupons liessen sich in Zeiten niedriger Volatilitäten nur mit Multi Reverse Convertibles erzielen. Diese profitieren grundsätzlich ebenfalls vom aktuellen Marktumfeld und bieten teilweise Coupons von über 15%. Multi Reverse Convertibles sind mit einem Teilschutz, der sogenannten Barrier, ausgestattet. Dieser schützt bis zu einem gewissen Grad vor Kursverlusten. Anstatt die gestiegene Volatilität für einen höheren Coupon zu nutzen, kann sie deshalb auch für einen komfortableren Teilschutz verwendet werden. Auch bei Bonus- und Multi-Bonus-Zertifikaten kann die hohe Volatilität entweder für eine höhere Bonus-Rendite oder einer komfortablere Risikoabsicherung eingesetzt werden. Garantie-Zertifikate sind hingegen eher Verlierer der aktuellen Entwicklung, weil zu ihrer Strukturierung durch die gestiegene Volatilität teurere Optionen gekauft werden müssen.

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Möglichkeit zu Schnäppchen

Die erwartete Schwankungsbreite an den Aktienmärkten wirkt sich jedoch nicht nur auf neue strukturierte Produkte aus. Clevere Anleger können in einem solchen Marktumfeld günstig «gebrauchte» Zertifikate kaufen. Die Kurse vieler Reverse Convertibles oder Bonus- Zertifikate, die an der SWX gehandelt werden, sind volatilitätsbedingt im August deutlich stärker gefallen als die Kurse der ihnen zugrunde liegenden Aktien und boten somit eine günstige Einstiegsgelegenheit. Zum Beispiel ein Multi-Bonus-Zertifikat auf die Top-5-Werte des französischen CAC 40. Dieses Zertifikat hatte sich Ende September gegenüber seinem Kurs bei Emission um gut 12% verbilligt, obwohl die schlechteste zugrunde liegende Aktie nur 9% verloren hatte. Der Abstand dieser Aktie zum Risikopuffer betrug immer 25,9%. Anleger, die davon ausgingen, dass der Risikopuffer dieses Zertifikats bis zum Ende der Laufzeit hält, konnten hier ein Schnäppchen erzielen.Allerdings sollten Anleger beachten, dass eine erhöhte Volatilität bedeutet, dass die Märkte ein höheres Risiko erwarten. Anleger, die ebenfalls der Meinung sind, dass es an den Börsen ungemütlicher wird, sollten daher in Produkte investieren, bei denen die gestiegene Volatilität in höhere Risikopuffer umgesetzt wird. Für jene, die die Märkte bald wieder in ruhigerem Fahrwasser sehen, bietet sich eine günstige Gelegenheit, um in Instrumente mit höherem Renditepotenzial zu investieren.