Die Meinung von Sunrise-Chef Christoph Brand ist klar: «Ich kann mir keine sinnvolle Auflage vorstellen, die nicht letztendlich nur der Swisscom nützt» (siehe nebenstehendes Interview). Und auch Orange-Sprecherin Therese Wenger sagt: «Jegliche Auflagen würden die dominante Stellung von Swisscom weiter stärken und das geplante Unternehmen unnötig einschränken.» Die Rede ist von der bevorstehenden Fusion zwischen Orange und Sunrise und davon, ob die Wettbewerbskommission (Weko) den Zusammenschluss ohne Auflagen bewilligt.

In der Branche mehren sich jedoch die Stimmen, die erwarten, dass die Weko den Deal nicht einfach durchwinken wird. Dieses Vorgehen ist nicht unumstritten, denn: Jede Auflage erhöht für die neue Orange die Kosten - und hält das Preisniveau in der Schweiz hoch. Genau das Gegenteil aber, nämlich tiefere Preise, will die Weko mit ihrem Entscheid erreichen.

Name «Sunrise» soll bleiben

Trotz dieses Dilemmas stehen nach Informationen der «Handelszeitung» derzeit zwei Forderungen im Zentrum. Die erste: Die neue Orange wird den Namen Sunrise und wohl damit verbundene Tiefpreisangebote einige Zeit weiterführen müssen. Mit diesem Schritt würde die Weko an einen ihrer früheren Entscheide anknüpfen, an die Übernahme von Denner durch Migros. Damals verfügte die Weko, dass der orange Riese Denner während sieben Jahren eigenständig am Markt belassen müsse. Bei der Weko hiess es damals: «Mit der Auflage ‹Denner bleibt Denner› ist sichergestellt, dass Denner sowohl für die Konsumenten als auch für die meisten Lieferanten selbstständig ist.» Genauso könnte man im aktuellen Fall argumentieren.

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Die zweite Forderung: Die neue Orange könnte verpflichtet werden, die Verträge mit Wiederverkäufern wie Coop, Aldi oder Cablecom weiterzuführen. Dies wäre jedoch heikel, weil einzelne Veträge - etwa jener zwischen Sunrise und Cablecom - bald auslaufen.

Für Matthias Finger, Professor für Infrastrukturmanagement an der ETH Lausanne und Partner bei Swiss Economics, ist klar, dass die Weko vor einem heiklen Entscheid steht. «Hier illustriert sich der nach dem letztjährigen Wirtschaftsnobelpreisträger benannte ‹Williamson trade-off›», erklärt Finger - also ein Zielkonflikt zwischen Effizenzsteigerungen auf der einen und Marktkonzentration auf der anderen Seite. Verbiete die Weko die Fusion, müsse sie sich den Vorwurf gefallen lassen, eine Erhöhung der produktiven Effizienz mittels Ausnutzung von Synergien verhindert zu haben. «Lässt sie den Zusammenschluss zu, verstärkt sie die Gefahr expliziter oder impliziter Absprachen zwischen den verbleibenden Anbietern mit einer eigenen Mobilfunkinfrastruktur.» Als dritter Weg bestehe die Möglichkeit, den Zusammenschluss unter Auflagen zu billigen. Es ist gemäss Finger davon auszugehen, dass die Weko - nur schon aus politischen Gründen - diesen Weg wählen werde.

Keine Auflagen für Swisscom

Bei der Wahl von Auflagen ist die Weko eingeschränkt, da sie nur der neu fusionierten Gesellschaft Auflagen machen kann, nicht aber der Swisscom, die mit einem Mobilfunk-Marktanteil von gut 60% grösste Anbieterin bleibt. Gemäss Finger dürften Auflagen auf das Marktverhalten des fusionierten Unternehmens ausgerichtet werden. «So könnte die neue Orange verpflichtet werden, bisherige Wholesale-Angebote weiterzuführen und nicht benötigte Frequenzen und Antennenstandorte auf den Markt zu bringen.»

Nicht zu erwarten ist, dass die Weko die Fusion verbietet. Ein solches Nein würde nicht bedeuten, dass Orange und Sunrise weiterhin eigenständig agieren. Gut möglich, dass etwa France Télécom, das Orange-Mutterhaus, einen Rückzug aus der Schweiz verordnen würde. Auch Christoph Brand sagt: «Bei einem negativen Fusionsentscheid würde langfristig einer der kleinen Anbieter ausscheiden.»