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Die wichtigsten Antworten zu den neuen iPhones

Mit viel Pathos hat Apple sein Prestige-Objekt, das iPhone X, präsentiert. Doch kann das teure Gerät, zusammen mit dem stiefmütterlich behandelten iPhone 8, Apple wieder an die Spitze katapultieren?

Von Caroline Freigang
am 13.09.2017

«Fast schon magisch», «bahnbrechend», «atemberaubend»: An der Apple-Keynote in Cupertino nutzten Tim Cook und sein Team grosse Worte, um ihre neuen Produkte - das iPhone 8, iPhone 8 Plus und iPhone X - zu beschreiben. Teilweise zu Recht: Einige interessante Gimmicks sind dabei. Aber: Wie neu sind die Produkte tatsächlich? Und reicht die Entwicklung aus, damit Apple seine rückläufigen iPhone-Verkäufe mit den neuen Produkten wettmachen und seine Umsätze sanieren kann? Die wichtigsten Antworten. 

Wie innovativ ist das iPhone?

Darüber wird gestritten. Die Geräte sind zwar auf dem neusten Stand der Technik angekommen, als wirklich bahnbrechend werden sie aber nicht eingeschätzt. Gartner-Expertin Annette Zimmermann sagt, das iPhone X sei der Technologie von Samsung so ähnlich wie nie zuvor. So arbeitet Samsung beim Galaxy S8 bereits mit Gesichtserkennung, das Display zieht sich wie bei Apples Neuling bis an die Ränder des Geräts, der Homebutton ist im Display integriert. Auch die Option, das Smartphone kabellos zu laden, gibt es bei Samsung-Galaxy-Modellen bereits. Apple sei klar «zu spät dran», wenn es ums Wireless-Laden ginge, sagt auch J.P. Gowner, Analyst bei der Researchfirma Forrester zu CNN.

Eine wichtige Innovation stellte Apple bei der Keynote dennoch vor: Eine Augmented-Reality-Funktion, die Apple ins Betriebssystem integriert hat. Diese soll ab der Veröffentlichung von iOS 11 am 19. September verfügbar sein – und zwar in allen Apple-Geräten ab dem 6S. Bereits seit Längerem gilt: AR ist die Zukunft – womöglich sogar über die Zeit des iPhones hinaus. «Es können bald smarte, vernetzte Brillen auf den Markt kommen, die das Smartphone langfristig ersetzen», sagte Uwe Neumann, Telekommunikationsexperte der Credit Suisse, zu Handelszeitung.ch. Mit seiner Integration von AR-Applikationen ins iPhone 8 und der Öffnung der Plattform für Entwickler wolle Apple diesen Transformationsprozess vom Smartphone zum Brillendisplay mitbestimmen. 

Kann Apple mit dem Luxus-iPhone den Markt zurückerobern?

Auf den neuen iPhones lasten hohe Erwartungen. Das iPhone bringt Apple zwei Drittel seiner Erlöse ein. Experten rechnen damit, dass viele Nutzer diesen Herbst ihr altes Gerät gegen ein iPhone der neusten Generation austauschen. Für Apple werden Verkäufe über Marktdurchschnitt erwartet. Gleichzeitig gilt der Handymarkt als gesättigt, die Anzahl der verkauften iPhones ging im letzten Jahr erstmals zurück. Ausserdem machen aufstrebende chinesische Konkurrenten wie Huawei und Xiaomi den Amerikanern Marktanteile streitig.

Entscheidend ist daher besonders der chinesische Markt: Die Volksrepublik ist zum weltgrössten Smartphone-Markt aufgestiegen. Apple ist hier mittlerweile aber auf Platz fünf zurückgefallen, die Erlöse brachen im abgelaufenen Quartal um 10 Prozent ein. Chinesen greifen vermehrt auf günstigere Modelle zurück. Ob Apple mit seinem teuersten Smartphone aller Zeiten – in der Schweiz ab knapp 1200 Franken – punkten kann, ist fraglich. Nachteilig wirkt sich auch der verspätete Verkaufsstart aus: Das iPhone X wird erst ab dem 3. November im Handel sein. Eigentlich sei eher mit Anfang bis Mitte Oktober gerechnet worden, sagte Analystin Kim Forrest von der Investmentfirma Fort Pitt Capital. Der Verkauf des neuen Luxusmodells Galaxy Note 8 von Samsung startet hingegen schon diese Woche – ein klarer Vorsprung für den Konkurrenten aus Südkorea im Weihnachtsgeschäft.

Wie reagiert die Aktie?

Im frühen Handel war die Apple-Aktie bis zu 0,6 Prozent an ihr Rekordhoch vom 1. August herangerückt, weil Anleger einen Verkaufsschub durch die neuen Produkte erwarteten. Nach dem Event schwankte der Apple-Kurs stark: Die Aktie verlor in der Spitze 1,7 Prozent. Zu US-Börsenschluss lag die Aktie 0,4 Prozent niedriger bei 160,82 Dollar. Sorge bereitet den Anlegern das spätere Lieferdatum des iPhone X, sowie Bedenken, ob die FaceID-Funktion tatsächlich gut funktionieren wird. Während einer Demo an der Apple-Keynote scheiterte ein Versuch, das Handy so zu entsperren. 

Nach der Präsentation gingen vor allem Aktien von Apple-Zulieferern auf Talfahrt. Die Titel des österreichischen Chip- und Sensorherstellers AMS fielen überdurchschnittlich stark um 3,9 Prozent. In Frankfurt gaben Dialog 1 Prozent nach, in Paris fielen STMicroelectronics um 1,1 Prozent und in London rutschten IQE sowie Laird 6,1 und 1,7 Prozent ab. In Asien gaben Aktien des Chipherstellers Taiwan Semiconductor Manufacturing 0,5 Prozent nach, Hon Hai Precision Industrie fielen um 1,5 Prozent.

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