Wenn es nach den Optimisten geht, verschwindet die klassische Form der Auslagerung, und selektive Outsourcing-Modelle, wie sie in der Cloud zur Verfügung stehen, setzen sich flächendeckend durch. Zwar gilt gemäss den IT-Analysten von Gartner das Jahr 2009 als Höhepunkt des Cloud-Computing im Hype-Zyklus, seither droht die schnöde Realität. Doch auch eine Trendumkehr zeichnet sich nicht ab. Denn inzwischen bewähren sich zusehends mehr Angebote auf dem Markt.

Vier von zehn Unternehmen beschäftigen sich bereits mit den neuen Möglichkeiten. Das belegt eine Studie der Schaffhauser MSM Research. Sie prognostiziert, dass bis 2015 rund die Hälfte der etwa 320 000 Unternehmen in der Schweiz selektiv Services aus der «Wolke» beanspruchen.

Die Konsequenzen für IT-Spezialisten

Der wesentlichste Treiber, um Cloud-Dienste zu nutzen, ist laut der Studie der Kostendruck. Darum werden nicht das Kerngeschäft betreffende, interne IT-Kompetenzen an spezialisierte Provider ausgelagert. Das grösste Sparpotenzial liegt beim Personal. Damit sind die Mitarbeiter gefährdet, die bisher Basisbereiche wie Netzwerke, Desktop-Umgebung, Applikationen, Security, Geschäftssoftware, Helpdesk oder Hosting Services betreut haben. Alle diese Services sind prädestiniert für den Bezug als standardisierte Lösung.

Laut Marktforscher AMI haben in der Wirtschaftskrise mehr Unternehmen erkannt, dass Cloud-Projekte tatsächlich Kosten sparen, hohe Skalierbarkeit liefern und sich sehr flexibel aufgleisen lassen. Ob ERP- oder CRM-Software, Rechenleistung oder Speicherplatz: Cloud Computing umfasst eine breite Palette von Business-Programmen wie SaaS (Software as a Service) und Managed-IT-Services, die rund um die Uhr von Providern betrieben und von den Unternehmen übers Internet bezogen werden. Laut AMI ist das aber nicht nur billiger, weil leistungsbezogen abgerechnet wird, sondern es benötigt auch weniger Personal in den Unternehmen. Zu erwarten ist, dass insbesondere bei KMU zahlreiche IT-Spezialisten in den nächsten zehn Jahren ihre Arbeitsplätze verlieren, meint man bei AMI.

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Das Potenzial des Umbruchs

«Unbestritten ist», sagt der Schweizer Peter Hecker vom international tätigen Sourcing-Berater TPI, «dass Unternehmen auf der Personalseite schnell Kosten sparen können, wenn sie outsourcen.» Allerdings ist das kein Selbstläufer. Hecker, der allein aus Kunden- und nicht aus Provider-Sicht die Unternehmen berät, stellt klar, dass ein Outsourcing immer vom Business getrieben wird. Es handelt sich also nicht um Projekte zum blossen Stellenabbau. Es lassen sich zwar Basisservices wie die Kommunikation, das Datawarehouse, Applikationen und Entwicklungsleistungen aus der Cloud beziehen, doch ihre Umsetzung zum eigentlich geschäftsrelevanten Arbeitsplatz bleibe den Unternehmen vorbehalten. Verantwortlichkeiten für diese Schnittstellen auszulagern, sei wie schon in Sachen Compliance-Bestimmungen, Gesetzesvorgaben oder Sicherheitsregeln unbedingt zu vermeiden. Jedes Unternehmen, das auslagere, weiss, die IT-Gesamtverantwortung bleibt immer im Hause. «Hier kann man nichts outsourcen», sagt Hecker.

«Zwischen der Beschaffung von Standard-Services aus der Cloud und der konkreten Oberfläche auf dem Rechner eines Mitarbeiters muss eine Verknüpfung stattfinden, die ohne internes Know-how nicht zu bekommen ist», führt er aus. Wurde das bisher im Unternehmen von der IT-Abteilung geleistet, benötige man in den neuen Outsourcing-Modellen dafür eigene Mitarbeiter an der Schnittstelle zum Business, und zwar mit den entsprechenden Kompetenzen. «Und hierher werden bei einem Outsourcing einige der IT-Spezialisten innerhalb der Unternehmen wechseln.» Auch die Cloud-Provider müssen aber branchenspezifisches Know-how aufbauen, um die Standard-Services für ihre potenziellen Kunden überhaupt anbieten zu können. Auch hier finden dann die von einem Outsourcing betroffenen IT-Spezialisten Arbeit, erklärt Hecker: «Das ist für sie attraktiv, weil sich bei einem Provider andere Karrierechancen eröffnen als innerhalb eines Unternehmens, das die IT nicht als Kerngeschäft betreibt.» Hecker ist klar, dass die Unternehmen Mitarbeiter abbauen müssen, wenn sie eine Auslagerung beabsichtigten. «Der eine oder andere Spezialist einer ehemaligen IT-Abteilung wird sich nach einem neuen Arbeitgeber umsehen müssen», sagt Hecker. Dies sei einer der Gründe dafür, dass bei mittleren und grossen Unternehmen auch die Personalabteilungen in ein Outsourcing-Projekt involviert seien.

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Wer auf der Strecke bleibt

Damit wiederholt sich das in der IT bekannte Phänomen. Nur wer regelmässig fachspezifische Weiterbildungen besucht und neue Kenntnisse aufbaut, ist gewappnet. Hecker gibt allerdings zu bedenken, dass heute nicht mehr nur IT-spezifisches Know-how gefragt sei. So hätten beispielsweise blosse Applikations- oder Datawarehouse-Experten weit weniger gute Chancen bei einem Umbruch: «Spezialisten, die zusätzliches Branchenwissen belegen können und Business-Know-how mitbringen, sind klar im Vorteil.»