Auch ein Jahr nach dem Madoff-Skandal sind dessen Folgen im Hedge-Fonds-Bereich noch spürbar. Der durch Kursverluste und Geldabflüsse um die Hälfte geschrumpfte Goldesel der Finanzindustrie versucht wieder, den Berg hochzuklettern. Seine Performances zeugen jedoch nicht von grossem Erfolg. Zwar wurden bei der Due Diligence oder bei der Vergütung der Fondsmanager Fortschritte erzielt, die strukturellen Mängel, die eine Katastrophe wie den Fall Madoff überhaupt möglich machten, sind aber noch nicht beseitigt.

Noch sind bessere Performances nicht in Sicht. Die für die ersten drei Quartale 2009 insgesamt auf 10,3% geschätzten Hedge-Fonds (investierbarer HFRX Global Index in Fr.) fallen im Vergleich mit den 19,6% des umfassenden Schweizer Aktienindex Swiss Performance Index (SPI) deutlich ab. Mit anderen Aktien, etwa aus Schwellenländern, hätten noch bessere Performances erreicht werden können. Schon beim letzten Börsenumschwung im Jahr 2003 erklärten die Experten für alternative Investments, dass Hedge-Fonds bei einem allgemeinen Aufschwung naturgemäss langsamer zulegen. So war es auch bis zum Jahr 2006. Gemäss denselben Experten kämen Hedge-Fonds, mit denen man ja Leerverkäufe tätigen kann, im Gegenzug bei einem allgemeinen Rückgang gut weg. Da Hedge-Fonds weniger volatil als Aktien sind, sprach man ihnen ein besseres Risiko/Rendite-Profil zu.

Dann kam es zur Katastrophe

Im Jahr 2007 sah alles noch recht gut aus: Die Hedge-Fonds stiegen noch leicht an und überholten die Aktien, die bereits ihre Talfahrt begannen. Doch dann kam es zur Katastrophe. Im Jahr 2008 verloren Hedge-Fonds und Aktien einen Viertel beziehungsweise einen Drittel ihres Wertes. Einerseits konnten die Hedge-Fonds die versprochene Kapitalerhaltung nicht gewährleisten, andererseits konnte der im Vergleich zu den Aktien geringere Verlust den in den Vorjahren kumulierten Rückstand nicht wettmachen.Es gab mehrere Anzeichen, aufgrund derer man einen solchen Ausgang hätte vorausahnen können, aber durch den Madoff-Skandal wurde besonders die Frage der Vergütungen bei alternativen Fonds ins Rampenlicht gerückt.

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Die grosse Menge an Kommissionen und Vergütungen, welche die Hedge-Fonds-Manager für sich und ihre Vertriebspartner abzweigen, führt dazu, dass sie eine viel höhere Bruttoperformance erzielen müssen, um die gleiche Nettoperformance wie traditionelle Manager zu erreichen. Eine höhere Bruttoperformance führt zwangsläufig zu einem erhöhten Risiko.

In der Regel hat dieses Risiko früher oder später bei einer der ziemlich regelmässig auftretenden Börsenkrisen Konsequenzen. Langfristig gesehen sind Hedge-Fonds also nicht die sicheren Anlagevehikel, als die sie häufig angepriesen werden.

Mit ein bisschen Druck lassen sich gewisse alternative Manager inzwischen anscheinend zu einer Reduktion ihrer Kommissionen bewegen. Vielleicht setzen sie so in Zukunft etwas weniger exotische Strategien ein. Aber auch wenn ihr Kommissionspaket etwas unter die Räder geraten ist, gibt es immer noch weit mehr her als die Gebühren, die ein traditioneller Manager erhebt.

Bernard Madoff zahlte den Banken und Dachfonds, die seine Wunderlösungen an den Kunden brachten, verlockende Kommissionen. War es dieses leicht verdiente Geld, das die Händler bei der Kontrolle und der Due-Diligence-Prüfung unvorsichtig werden liess, wenn sie das Geld ihrer Kunden anlegten? Die Liste der grossen Namen der Finanzwelt, die sich von Madoff an der Nase herumführen liessen, sagt so einiges über die Qualität ihrer «Due Diligence» aus.

Schärfere Kontrollen

Diese Fachleute geben an, dass sie heute viel schärfere Kontrollen durchführen. Und das stimmt vermutlich auch. Aber das Grundproblem bleibt unverändert bestehen. Solange die Fondsproduzenten (ob alternative oder traditionelle) ihren Händlern Kommissionen zahlen, sind diese hin- und hergerissen zwischen der Verlockung eines zusätzlichen Gewinns und der Verantwortung gegenüber ihren Kunden. Die einzig wahre Lösung wäre, diesen Interessenkonflikt aus der Welt zu schaffen und zum Beispiel die gesamte Kommission dem Kunden auszuzahlen.

Bernard Madoffs Verkaufserfolg beruhte nicht nur auf der Höhe, sondern auch auf der verblüffenden Regelmässigkeit seiner Performances. Alljährliche Renditen von rund 10%, das war zu schön, um wahr zu sein. Und genau das war es auch nicht. Dennoch ist die Verlockung von substanziellen Gewinnen bei moderatem Risiko für die Anleger so gross, dass die Hedge-Fonds-Händler diesen Trumpf nach wie vor gerne ausspielen.

Wie bereits erwähnt, gehen aber auf dem Finanzmarkt höhere Renditen immer auch mit höherem Risiko oder grösserer Volatilität einher. Für viele Anleger, die in ständiger Angst um ihr Geld sind und sich von den kurzfristigen Performances verwirren lassen, ist eine solche Volatilität ungeeignet. Sie sind immer noch empfänglich für Hedge-Fonds.

Sich mit Volatilität abfinden

Diejenigen aber, die klug und langfristig denken und qualitativ hochstehende Anlagen wählen, können sich mit einem gewissen Mass an Volatilität abfinden. Diese Vorgehensweise ist der Schlüssel zu wertschöpfenden Investitionen.

Entscheidend für den Erfolg sind eine langfristige Perspektive und die Disziplin, diese auch durchzuhalten, die Wahl qualitativ hochstehender Anlagen, transparente Strategien und ein Vermögensverwalter, der die Interessen seiner Kunden vertritt.