Den Aktienmärkten trauen die Anleger wegen der unsicheren Wirtschaftsaussichten nicht über den Weg. Das begünstigt die festverzinslichen Werte, obwohl die Renditen tendenziell noch immer abwärts zeigen. Der Anlagenotstand lässt sich an den Fondsstatistiken ablesen: Im laufenden Jahr sind die meisten Neugelder nebst dem Geldmarkt den Obligationenportefeuilles zugeflossen. Dieser Trend wird so lange anhalten, bis sich die Ungewissheit über den weiteren Konjunkturverlauf verflüchtigt. Vorderhand stehen die Marktteilnehmer unter dem Eindruck einer gigantischen Staatsverschuldung von 40 000 Milliarden Dollar weltweit. In der EU erreicht kein Land die Maastricht-Kriterien mit einer Schuldenobergrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandproduktes, und die USA pumpen zur Wirtschaftsankurbelung weitere Milliarden in den Geldkreislauf.

«Weg von der 1-Prozent-Marke»

Die Experten sind sich allerdings einig, dass die jüngste geldpolitische Spritze auf die Renditen am Anleihenmarkt nur eine beschränkte Wirkung hat. Ganz anders war das nach der ersten quantitativen geldpolitischen Lockerung vor zwei Jahren. Die Obligationenrenditen sind anschliessend gesunken, was zu steigenden Kursen an den globalen Märkten führte. Investitionen im festverzinslichen Bereich waren entsprechend attraktiv. So erhöhte sich der Swiss Bond Index 2009 um 6,8 Prozent, und im bisherigen Jahresverlauf stieg er erneut um 4,7 Prozent. Solche Zuwächse zeichnen sich in naher Zukunft nicht mehr ab. Zwar rechnen die meisten Beobachter mit weiterhin tiefen Zinsen, aber für Martin Hüfner, Chefökonom der Aquila-Gruppe, kann es nicht im gleichen Stil weitergehen: «Die Leitzinsen müssen im Euro-Raum von der 1-Prozent-Marke weg.» Er erwartet bereits im 1. Quartal 2011 erste Zinserhöhungen, um die überschüssige Liquidität in den Märkten auf ein vernünftiges Niveau zurückzuführen.

Während in der Schweiz die Renditen der zehnjährigen Bundesobligationen auf 1,5 Prozent gefallen sind, lässt sich in Deutschland und in den USA bereits ein Renditeanstieg beobachten. Im nördlichen Nachbarland steht dies in Verbindung mit einem robusten Wirtschaftswachstum, das durch den Export angetrieben wird. Ähnliche Antriebskräfte gibt es auch in der Schweiz, womit die Zinswende nur eine Frage der Zeit ist. Derzeit sorgen niedrige Renditen noch für einen anhaltenden Anlagenotstand. Institutionelle Anleger und Privatinvestoren heizen die Nachfrage nach Neuemissionen oder Anleihen des Sekundärmarktes an. Selbst neuartige Finanzinstrumente, wie die Hybridanleihen der Versicherer Helvetia und Zurich im Umfang von fast 1 Milliarde Franken, wurden jüngst deutlich überzeichnet.

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Auf Firmen- statt Staatsanleihen setzen

Die Unternehmen profitieren von den historisch tiefen Finanzierungskosten. Das schafft günstige Voraussetzungen für die weitere Gewinnentwicklung. Die Gesellschaften können ihre Bilanzen sanieren und Liquiditätspolster anlegen. Ein ansprechendes Wirtschaftswachstum und moderate Inflationserwartungen, gekoppelt mit niedrigen Zinsen, dürften die Unternehmensanleihen im 1. Halbjahr 2011 ausreichend unterstützen. Marktkenner gehen davon aus, dass diese Anlageklasse im Vergleich zu Staatsanleihen höhere Gesamterträge abliefern wird. Ausgeklammert bleiben bei dieser Betrachtung die Obligationen von EU-Ländern, die in eine akute finanzielle Schieflage geraten sind (siehe Kasten). Favorisiert werden zudem die Anleihen von ausgewählten Schwellenländern. Während nämlich die Verschuldung der Industrienationen laufend neue Höhen erklimmt, geschieht in den Emerging Markets das Gegenteil. Die Entschuldung eröffnet an den Obligationenmärkten attraktive Perspektiven. In Asien etwa hat sich die Verschuldung von 72 Prozent auf 28 Prozent des Bruttoinlandproduktes drastisch vermindert, wie eine Studie von T. Rowe Price zeigt. Im Lokalwährungssegment gelten speziell die asiatischen Märkte als interessant, die über ein erhebliches Aufwertungspotenzial verfügen.