Eines vorneweg: Mit dem Denken und Handeln von einer Uhrenmesse zur nächsten im bisher üblichen 12-Monats-Rhythmus für «BaselWorld» und SIHH in Genf ist es nicht getan, auch wenn die jährlichen Leistungsschauen jede Menge kreativer Kapazität binden. Das zeigt sich sehr deutlich beim Blick in die Ateliers jener 17 Marken, welche diesmal – als Premiere – bereits ab dem 19. Januar 2009 beim Genfer Salon Salon Internationale de la Haute Horlogerie – dem SIHH – brillieren müssen. Selbiger wird, wie an der Rhone bestätigt wird, angesichts weltwirtschaftlicher Turbulenzen um einen Tag und auf die Dauer von Montag bis Freitag gekürzt. Er findet aber, entgegen Meldungen von Gerüchtestreuern, gemäss SIHH-Leitung statt. «Mit Sicherheit», wird in Genf untermauert.

Wie weit die weltwirtschaftlichen Turbulenzen die Galaauftritte der grossen Schweizer Marken in den nächsten Monaten beeinflussen werden, muss sich erst noch weisen. Schatten zeichnen sich ab, glaubt man den wichtigen Eventveranstaltern in Genf und Basel, die da und dort Aufträge gestrichen erhielten.

 

 

Omega Bereits auf dem Markt ist die Sea-master Planet Ocean 600 m, die James Bond in seinem brandneuen Streifen «Ein Quantum Trost» am Handgelenk begleitet. Omega hat 5007 Exemplare des bis 600 m wasserdichten Stahboliden mit dem Automatikkaliber 2500 aufgelegt. Die Oberfläche des Zifferblatts besitzt die Struktur des Pistolengriffs der Walther PPK des britischen Geheimagenten.

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Breitling An der neuen Super Avenger Blacksteel aus Grenchen können deutlich mehr Uhrenliebhaber partizipieren als bisher. Ganz genau werden sich 3000 das opulente Zeitgebilde mit Kohlenstoffnitrid-behandelter Stahlschale ans Handgelenk schnallen und damit bis zu 300 m in die Tiefen des Meeres hinabsteigen können. Für ein zuverlässiges Handling der Zeit sorgt das COSC-zertifizierte Kaliber 13 von Breitling.

Graham Die Briten bieten bietet ihren mächtigen Chronofighter Oversize Titanium SAS im Special-Air-Service-Chronographen insgesamt 300 Zeitgenossen mit einem Faible für ausgeprägtes Tarnkappen-Design an. Die Steuerelemente für den Automatikstopper, Basis ETA, befinden sich auf der linken Seite der 47 mm grossen Titanschale.

Ulysse Nardin Mit Kunststoff hat Ulysse Nardin nichts im Sinn. Vom soeben vorgestellten Royal Blue Tourbillon wird es nur 30 Platin-Exemplare geben. Die Platine und die Brücken des Kalibers UN-79 bestehen aus blauem, transparentem Saphir. Gehäuse und Platinband sind voll mit Saphiren und Diamanten ausgefasst. Summa summarum liegt das Steingewicht bei gut 50 Karat. Wer es dezenter liebt, kann die Uhr auch mit Krokoband bekommen.

Gérald Genta Er verführt die Damen mit einem tickenden Wirbelwind. Zu diesem Zweck ist das Arena Tourbillon Snow White entstanden. Im Herzen des Platin-Gehäuses mit diamantbesetzter Palladium-Lünette findet sich das nur 5,9 mm hohe Automatikwerk. Zu seinen technischen Merkmalen gehören ein retrograder Stundenzeiger und 64 Stunden Gangautonomie.

Carl F. Bucherer Das zarte Geschlecht hat auch CFB mit der Alacria Diva Gothic im Auge. Diese feminine Armbanduhr versteht sich als eine Vereinigung von funkelnder Dominanz und gotischer Architektur. 211 Rubine und 169 Brillanten sprechen für sich. Gefertigt werden 25 Exemplare in Weissgold, dann ist Schluss.

Raymond Weil Nicht mondsüchtige Freiberuflerinnen dürften hingegen bei der schwarzen Freelancer Ladies von Raymond Weil auf ihre Kosten kommen. Das 29-mm-Stahlgehäuse mit Brillantlünette birgt ebenfalls ein Automatikwerk. Das Zifferblatt fällt auf durch ein extrabreites Datumsfenster.

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Longines Es gibt viele Frauen, die schwören auf die heimliche Macht des Mondes. Ihnen hilft Longines mit der Master Collection mit Automatikwerk und Mondphasenindikation auf die lunaren Sprünge. Verfügbar sind unterschiedliche Modelle mit brillantbesetzter Lünette und Perlmutt-Zifferblatt.

Maurice Lacroix Nicht minder weiblich stellt sich die neue Diamantversion der Masterpiece Phase de Lune von Maurice Lacroix zur Schau. Ihr Stahlgehäuse zieren 67 Diamanten von 1,12 Karat. Das Automatikwerk ML 163 präsentiert den bleichen Erdtrabanten, umrahmt von einem strahlenden Nachthimmel.

Swatch Die Bösewichte kommen bei Swatch zu Ehren, wenn auch eher retrospektiv. Gleich eine ganze Palette neuer Uhren ist den 007-Gegenspielern oder ihren Handlangern gewidmet. Mads Mikkelsen alias Le Chiffre kommt dabei ebenso zu chronometrischen Ehren wie Richard Kiel, der als «Beisser» Filmgeschichte geschrieben hat.

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Piaget Bei der Richemont-Tochter lebt die Kunst des Emaillierens wieder auf. Piaget bietet seine Emperador Coussin aus 18-karätigem Weissgold seit kurzem mit einem schlichten weissen Emailzifferblatt an. Die Edition mit der 4 mm flachen Manufaktur-Automatik 809P ist auf 50 Exemplare limitiert.

Hublot Yann Borgstedt, Gründer der Stiftung Smiling Children, möchte Mädchen beispielsweise in Marokko oder Afghanistan zu einer Ausbildung verhelfen. Hublot hilft durch die Big Bang Smiling Children mit 38 mm grossem Stahlgehäuse und Quarzwerk. Die Edition beschränkt sich auf 999 Stück und wendet sich aufgrund ihrer Optik hauptsächlich an Frauen.

IWC Die Schaffhauser schliesslich lassen den Da-Vinci-Chronographen mit blauem Zifferblatt für gute Taten laufen. 1000 Exemplare dieses sportlichen Charity-Stoppers sind insgesamt zu haben. Am Erlös partizipiert die 1999 gegründete Laureus Sport for Good Foundation. Diese verwendet die Kraft des Sports darauf, um benachteiligten Kindern eine bessere Zukunft zu geben.

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Mit Blick auf das emsige Treiben in der Schweiz an der Werkefront kann man Swatch-VR-Präsident Nicolas G. Hayek retrospektiv nur danken, dass er die hiesige Szene mit seiner künftigen ETA-Kaliberpolitik gründlich wachgerüttelt hat. Allüberall wird an neuen Werken gearbeitet, übrigens auch in Deutschland. Einen Pferdefuss hat die Kreation eigener Manufakturkaliber freilich auch. Die damit ausgestatteten Uhren werden aller Wahrscheinlichkeit nach deutlich teurer als solche, in denen die bewährte ETA-Mechanik tickt. Exklusivität hat eben ihren Preis.

Tutima Wenn es um tickende Neuentwicklungen geht, bleibt die Zeit auch in deutschen Landen nicht stehen. Tutima wird 2009 ein neues Fabrikgebäude im sächsischen Glashütte einweihen. Dort steht ein Manufaktur-Chronograph auf der Tagesordnung ebenfalls ganz oben.

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Glashütte Gegenüber beim Swatch-Group-Mitglied Glashütte Original reift eine in ihrer Art absolut einmalige und in höchstem Masse innovative Weltzeit-Armbanduhr. Wenn alles planmässig läuft, wird das Debüt in Basel erfolgen.

Chronoswiss Schliesslich sind auch die Münchner auf dem besten Wege zu einer echten Manufaktur. Gerd-Rüdiger Lang und seine Crew arbeiten mit Hochdruck an einem ersten eigenen Uhrwerk.

Cartier Das frühe Datum des SIHH 2009 und die zeitliche Loslösung von der «BaselWorld» hindern Cartier nicht daran, eine völlig neue Mechanik-Kollektion mit exklusiven, im eigenen Haus entwickelten Kalibern vorzustellen.

Jaeger-LeCoultre/IWV/Panerai Auch im Unternehmen von Jaeger-CEO Jérôme Lambert ist bedeutende, in ihrer Art bislang völlig einmalige Mechanik in Arbeit. Und auch die «Schwestermarken» IWC und Panerai haben ihre SIHH-Messe-Hausarbeiten bereits gemacht. Ans Licht der Öffentlichkeit möchte allerdings noch niemand.

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Ralph Lauren Ebenfalls in Genf wird der Richemont-Konzern nun endlich das präsentieren, was in Kooperation mit dem Modeschöpfer Ralph Lauren entstand. Ursprünglich sollte der Schleier für einige wenige Insider schon während der New Yorker Fashion Show im Herbst 2008 gelüftet werden. Dieses «Vorhang hoch!» unterbanden Johan Rupert und Ralph Lauren dem Vernehmen nach in letzter Minute.

Swatch/Tiffany Was sich der weltgrösste Uhrenhersteller aus Biel und die amerikanische Luxusmarke in chronometrischer Hinsicht zusammen ausgedacht haben, wird zwei Monate nach dem SIHH in Basel zu sehen sein.

TAG Heuer An der «BaselWorld» 2009 dürfte TAG Heuer endlich die serientaugliche Version der innovativen V4 zeigen. Oder eventuell doch nicht, weil bei TAG Heuer 2010 das 150-Jahr-Jubiläum ansteht?

Maurice Lacroix Die Zürcher Marke mit Manufaktur in Saignelégier möchte ebenfalls eine funktionsfähige Memoire One am Stand haben.

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Carl F. Bucherer Die Luzerner wollen in Basel die Uhr zum eigenen Automatikkaliber CFB 1340 zeigen.

Alpina Diese Marke verspricht ein sportliches Outfit, in dem das ebenfalls eigene Automatikkaliber AL-950 tickt.

Breitling Am Stand des Jubilars werden sich die Besucher aller Wahrscheinlichkeit nach um das hauseigene Chronographenwerk scharen.

Audemars Piguet Apropos Chronographenwerke: Hier scheint einiges im Busch zu sein. AP arbeitet bereits seit geraumer Zeit an einem integrierten Kaliber, das die Modulzeiten irgendwann beenden wird. Die bereits erwähnte TAG Heuer bemüht sich ebenfalls um chronographische Unabhängigkeit unter anderem vom ETA-Werk 7750. Diesbezüglich betonte der rührige Selitta-Chef Miguel Garcia erst kürzlich, dass sein SW 500, das dem Bestseller weitgehend entspricht, ebenfalls 2009 zur Stelle sein wird.

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Hublot Die Techniker um Geschäftsführer Jean-Claude Biver arbeiten gleichfalls mit grösster Intensität an einem exklusiven Chronographen, dessen Rohwerk in der neuen Fabrik entstehen wird. Die Fertigstellung des Rohbaus des neuen Firmengebäudes konnte Biver im Herbst 2008 feiern, eingezogen wird schrittweise um die Jahreswende. Und neuerdings lässt Biver auch exklusive Ski bauen, dies bei Zai in Disentis im Kanton Graubünden.

Parmigiani Eine weitere Manufaktur mit eigenen chronographischen Ambitionen ist Parmigiani. Eines Tages soll auch hier die modulare Ära zu Ende gehen. Gisbert L. Brunner