Wenige Tage nach der dramatischen Rettungsaktion für Opel werden die Zweifel am Geschäft mit dem Autozulieferer Magna und russischen Investoren lauter. So bringt nach «Spiegel»-Informationen das Konsortium aus Magna und der russischen Sberbank zunächst nur 100 Mio Euro an Eigenkapital ein. Das gehe aus der Absichtserklärung hervor.

Bislang hatte es geheissen, die beiden Partner engagierten sich mit 500 Mio Euro. Den Angaben zufolge stellen Magna und Sberbank aber nur 400 Mio Euro als zinsloses Darlehen zur Verfügung, für das sie sich Sicherheiten einräumen liessen. Erst schrittweise und über Jahre solle der Kredit in Eigenkapital umgewandelt werden.

Risiken des Sanierungskonzeptes

«Spiegel» und die «Wirtschaftswoche» zitieren zudem aus einer Schnellanalyse der Unternehmensberatung McKinsey im Auftrag der hessischen Regierung, in der auf Risiken des Sanierungskonzepts von Magna hingewiesen werde. Die Annahmen erschienen optimistisch, der operative Geschäftsplan sei ambitioniert, heisse es dort. Binnen fünf Jahren wolle Opel den Gewinn vor Steuern und Zinsen um 3,3 Mrd Euro verbessern, der Umsatz solle bis 2014 um 30% steigen. Dazu müssten die Modelle für die Käufer wertvoller werden - andere Hersteller hätten dafür «mindestens zwei Produktzyklen» gebraucht, heisst es. Zudem müsste Opel neue Kundenschichten gewinnen.

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Der österreichisch-kanadische Konzern Magna und die russischen Partner hatten beim Opel-Einstieg den Vorzug vor dem italienischen Autobauer Fiat bekommen. Bisher gibt es eine vorläufige Vereinbarung. Für Ende September 2009 erwartet Magna den Vertragsabschluss zur Übernahme des deutschen Autobauers. Fiat hatte das weitere Interesse an Opel bekräftigt, auch chinesische Investoren sind weiter am Ball.

Keine Zahlungen nach Spanien

Opel hat unterdessen einen Magazinbericht über Zahlungen von mehr als einer halben Mrd Euro nach Spanien dementiert. «Die 1,5 Mrd Euro sind für die Adam Opel GmbH bestimmt», sagt ein Opel-Sprecher und widerspricht damit einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Focus». Das Magazin hatte gemeldet, aus dem Brückenkredit von Bund und Ländern blieben nur 750 Mio Euro in Deutschland. 600 Mio Euro gingen nach Spanien ans Werk Saragossa. 150 Mio Euro seien für die britische Schwestermarke Vauxhall vorgesehen. «Für die spanischen Werke sieht die Regierung von Aragon Mittel von 200 Mio Euro vor», so der Opel-Sprecher. Die anderen europäischen Länder mit Werken von Opel oder dem Mutterkonzern GM - Belgien, Grossbritannien, Spanien, Österreich und Polen - hatten bereits Hilfen in Aussicht gestellt.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch wies Kritik an der Rettung von Opel zurück. «Das betriebswirtschaftliche Konzept gibt uns das Vertrauen, dass Opel eine Zukunftschance hat», sagte er der «Welt am Sonntag». Koch weiter: «Ich bin nach wie vor sehr optimistisch, dass wir die Grundlage für einen erfolgreichen europäischen Autokonzern geschaffen haben.»