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Die Zwillinge haben Lust auf mehr

Der Dienst 1818 möchte zu einem umfassenden Dienstleistungsanbieter werden. Ausser Telefonnummern sollen künftig auch Fahrplaninformationen und Kinoprogramme angeboten werden. Das Bakom ist von den Pl

Von elisabeth rizzi
am 04.12.2007

Seit es die Auskunftsnummer 111 nicht mehr gibt, hat 1818 mächtig zugelegt. Bevor die 111 vor gut einem Jahr abgeschaltet wurde, verzeichnete die Swisscom mit ihrer Auskunft rund 30 Mio Anrufe jährlich. Doch schon wenige Wochen nach Start hatte 1818 – der Dienst gehört zum englischen Konzern «The Number» – laut Schätzungen von Experten rund 30% Marktanteil gewonnen.

Die 1818 AG will jetzt mehr: Ein mögliches Ziel für das Unternehmen ist, neben Telefonnummern auch umfassende Telefondienste zu bieten. Dabei kann die Gesellschaft von der Erfahrung in anderen Ländern profitieren. So erbringt der Mutterkonzern «The Number» in Grossbritannien als Marktleader unter 118 118 bereits Zusatzleistungen wie Fahrplanauskünfte, Fahranweisungen für den Strassenverkehr, Informationen über das Kinoprogramm und das Eventprogramm. Für die Einführung solcher Angebote in der Schweiz denkt die 1818 AG nun über Investitionen in Bezug auf Ausbildung, Technologien und allfällige Partnerschaften mit weiteren Organisationen nach. Doch die Pläne dürften nicht so leicht realisierbar sein. Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) zeigt nämlich wenig Begeisterung. Nachdem es schon das Angebot der alten 111 strikt begrenzt hatte, positioniert sich das Bakom auch klar gegen eine Angebotserweiterung von 1818. «Gestützt auf das Fernmeldegesetz dürfen Mehrwertdienste nur unter Verwendung von deutlich erkennbaren Nummern wie 0800 oder 0900 angeboten werden», betont Bakom-Sprecherin Caroline Sauser. «Es schliesst also aus, dass andere kostenpflichtige Dienste mit Kurznummern angeboten werden können.» Und es sei wohl kaum der politische Wille vorhanden, daran etwas zu ändern.Die 1818 AG lässt sich durch das frostige Klima beim Bakom jedoch nicht abschrecken. «Die Auskunftsmärkte im übrigen Europa werden immer stärker liberalisiert. Wir hoffen deshalb, dass die Schweiz im Interesse des Endkunden dem europäischen Standard folgen wird», meint Peter Josika. «Viele Kunden würden davon profitieren, über einfach zu merkende Nummern erweiterte Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen.» Mit Zusatzdiensten könnte das Unternehmen nochmals einige Prozent mehr Marktvolumen gewinnen.

Swisscom: Neuer Auftritt 2008

Bei Swisscom schaut man gelassen zu. Derzeit steht laut Mediensprecher Sepp Huber eine Angebotserweiterung der Swisscom-Auskunftsnummer 1811 nicht zur Diskussion. Und nach der grossen Werbekampagne zur Umstellung von 111 auf 1811 werde die Nummer jetzt nicht mehr so intensiv beworben, so Huber weiter. Stattdessen konzentriert sich die Swisscom auf ihre im August eingeleitete Reorganisation. Diese verursacht insgesamt Kosten in der Höhe eines zwei bis dreistelligen Millionenbetrages und einen jährlichen Personalabbau von bis zu 800 Stellen in den kommenden Jahren. Die Massnahmen sollen vor allem zu einem Angebot aus einer Hand führen. Ab 2008 wird Swisscom zunächst in einem einheitlichen Erscheinungsbild auftreten. Die bisherigen Submarken – Swisscom Fixnet, Mobile und Solutions – werden abgeschafft und der Internetauftritt von Bluewin und Swisscom neu gestaltet. Zudem hat sich Swisscom die Internetadresse www.swisscomworld.ch gesichert.

1818: Streit mit Swisscom vorbei

Einen Fortschritt hat die 1818 AG zu verbuchen: Der Streit um die Skizwillinge mit Swisscom ist vom Tisch. Swisscom prüfte zwischenzeitlich aufgrund einer angeblichen Ähnlichkeit von Farben und Sujets zur eigenen Kampagne eine Klage gegen den Konkurrenten 1818. Doch diesen Gedanken liess Swisscom inzwischen wieder fallen. 1818 hat laut eigenen Angaben einen einstelligen Millionen-Franken-Betrag in die Werbekampagne gesteckt. Geschäftsführer Peter Josika freut sich über den Erfolg: «Laut Umfragen ist 1818 inzwischen die bekannteste Nummer.» Das Unternehmen hat mit Cablecom, Orange und Sunrise starke Partner. Alle drei hatten schon vor der Liberalisierung der Telefonauskunft mit Conduit zusammengearbeitet, einem Partnerunternehmen von 1818 Auskunft AG. Die drei Telekomanbieter sind zwar nicht an der 1818 beteiligt. Sie unterstützen jedoch die Nummer.

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