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Diese Firmen gewinnen durch den SNB-Entscheid

Viele Schweizer Firmen geraten durch den SNB-Entscheid unter Druck, vor allem durch teure Exporte. Analysten sehen einige der börsenkotierten Konzerne jedoch im Vorteil.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 16.01.2015

Nach der radikalen Kehrtwende der SNB müssen sich die Schweizer Konzerne mit den Folgen auseinandersetzen, die ein stärkerer Franken auf ihre Bilanzen hat. Betroffen sind fast alle Unternehmen, die Aussichten für die einzelnen Firmen unterscheiden sich jedoch stark.

So müssen exportorientierte Unternehmen wie Swatch oder Richemont mit grösseren Verwerfungen rechnen als etwa die Swisscom, die nur über die italienische Tochter Fastweb Euro-Geschäft in ihren Bilanzen verbuchen muss. Sie zählt damit zu den Konzernen, denen auch ein starker Franken wenig anhaben kann. Diese Firmen könnten für Anleger in naher Zukunft besonders interessant sein (siehe Bildergalerie).

Margen unter Druck

Das Risiko durch einen starken Franken ergibt sich für Unternehmen im Kern durch zwei Faktoren: Firmen, die in der Schweiz produzieren und im Ausland verkaufen, spüren die Folgen eines starken Franken direkt bei jeder Transaktion. Schweizer Produkte sind durch das für Schweizer Unternehmen ungünstige Wechselkursverhältnis im Ausland teurer. Da ein Konzern seine Preise im Wettbewerb nicht beliebig erhöhen kann, drückt die Währung auf die Marge. Das erwarten die Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) etwa beim Luxuskonzern Richemont, bei Uhrenhersteller Swatch und bei Chemiefabrikant Lonza, wie sie in einem Kommentar schreiben.

Weniger schwer lastet ein starker Franken auf den Unternehmen, wenn sie Produktion und Handel direkt in Euro oder US-Dollar abwickeln. In dem Fall schlägt sich das Wechselkursrisiko erst in ihrer Bilanz nieder, wenn sie zum Ende des Quartals ihre Umsätze in Franken ausweisen müssen und dann rein rechnerisch weniger eingenommen haben. Von diesen sogenannten Translationseffekten sind viele Schweizer Unternehmen betroffen, zum Beispiel der Industriekonzern OC Oerlikon und der Autozulieferer Autoneum.

Axpo stark betroffen

Stark betroffen sind die Stromkonzerne. Die Schweiz ist eng in die Strommärkte in Europa eingebunden. Die europäischen Länder bestimmen auch stark die Preise. Entsprechend führt laut ZKB ein stärkerer Franken zu Druck bei den Schweizer Unternehmen.

Axpo rechnet langfristig mit einem Effekt in dreistelliger Millionenhöhe bei anhaltender Euro-Franken-Parität. Auch Alpiq ist besonders negativ berührt, weil der Konzern kein Endkundengeschäft hat und stärker als andere innerhalb der Branche in den europäischen Handel eingebunden ist.

Erhebliche Auswirkungen für UBS und CS

«Auch Alpiq ist von der Aufhebung des Mindestkurses betroffen», so ein Unternehmenssprecher gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. Kurzfristig seien die Folgen jedoch verkraftbar, da Alpiq das Engagement konsequent absichert habe. Die längerfristigen Auswirkungen würden zurzeit geprüft.

Auch bei den Grossbanken hätte ein stärkerer Franken erhebliche Auswirkungen. Die ZKB rechnet für die Credit Suisse, dass eine Veränderung von 10 Prozent des Euro-Kurses in den ersten neun Monaten 2014 den Vorsteuergewinn der CS um 8 Prozent reduziert hätte. Bei der UBS hätte es für 2014 sogar 12 Prozent ausgemacht. Die Kantonalbanken dagegen brauchen sich kaum Gedanken zu machen: Sie wickeln ihr Geschäft allein in Franken ab.

Wer profitiert?

Die Gewinner eines starken Franken sind die Unternehmen, die entweder ihren Umsatz in Euro oder US-Dollar ausweisen, ihre Waren aus dem Ausland beziehen oder nur im Binnenmarkt aktiv sind.

Zu diesen Unternehmen zählen die Pharmariesen Roche und Novartis, aber auch Lebensmittelgigant Nestlé ist wenig angreifbar. Der Konzern produziert weitgehend lokal für den jeweiligen Markt und verzeichnet dadurch kaum Exporte. Der Umsatzanteil in Franken liegt nur bei 2 Prozent.

Novartis weist Bilanz in US-Dollar aus

Pharmariese Novartis kann ein starker Franken relativ wenig anhaben, da er in US-Dollar rapportiert. Etwas schwächer steht Konkurrent Roche da, bei dem 98 Prozent des Umsatzes in anderen Währungen erwirtschaftet, aber in Franken ausgewiesen wird.

Fast nur im Binnenmarkt aktiv ist Telekomanbieter Swisscom, der nur durch seine italienische Tochter Fastweb einen Teil der Umsätze in Euro erwirtschaftet. Ähnlich geht es kleineren Unternehmen wie Elektrobauer Burkhalter oder Baudienstleister Implenia, die ihre Geschäft grösstenteils in der Schweiz abwickeln.

Importgüter werden günstiger

Vom schwachen Euro profitieren auch Unternehmen, die im Ausland einkaufen. Dazu zählen Reiseanbieter wie Kuoni, berichtet die Nachrichtenagentur SDA. Sie profitieren vom derzeit schwächeren Euro und Dollar, gerade im Online-Geschäft. Sie kaufen ihre Kontingente für Hotels und Flüge von internationalen Datenbanken.

Alles, was dort eingekauft werde, unterliege dem Tagespreis, erklärte Kuoni-Sprecher Peter Brun. Je stärker der Franken ist, desto günstiger kann Kuoni deshalb auf diesen Plattformen einkaufen. Davon profitiert auch der Kunde. Man habe nach dem SNB-Entscheid bereits eine Zunahme bei den Online-Buchungen festgestellt, sagte Brun weiter.

Reisebuchungen in Euro möglich

Allerdings entsteht für Kuoni und seine Wettbewerber zugleich die Situation, dass sich eine Buchung in Deutschland für Schweizer Kunden jetzt noch mehr lohnt als vorher. Reiseanbieter FTI Touristik hat darauf bereits reagiert. Ab sofort biete man den Kunden die Möglichkeit, in den Schweizer Reisebüros die Ferienangebote auch in Euro zu wählen, teilt FTI-Touristik mit.

 

 

 

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