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Diese Hürden sehen Schweizer Firmen im Iran

Teheran: Nach dem Ende der Sanktionen gibt es immer noch hohe Hürden für Firmen. Keystone

Viele Schweizer Unternehmen schauen voller Zuversicht in den Iran. Doch die Hürden sind hoch. Das zeigt eine kurze Umfrage unter Firmen, die an Messen im Land teilgenommen haben.

Von Gabriel Knupfer
am 13.07.2016

Damit sich auch kleinere Schweizer Firmen im Ausland präsentieren können, organisiert die Exportförderorganisation Switzerland Global Enterprise (S-GE) Messeauftritte mit den sogenannten Swiss Pavillons. Besonders begehrt sind im Moment Auftritte im Iran. Nach der Öffnung des Landes herrscht dort regelrechte Goldgräberstimmung.

Doch sind die Erwartungen tatsächlich berechtigt? S-GE hat fünf Teilnehmer zu ihren Erfahrungen befragt. Die Antworten der Firmen zeigen enorme Möglichkeiten, aber auch hohe Hürden für Schweizer KMU, die den Einstieg im ehemaligen «Schurkenstaat» versucht haben oder planen.

«Moderne und gut ausgebildete Generation»

Rainer Klaas, Verkaufsmanager beim Verpackungsprüfer IMD sieht langfristig ein ähnliches Potenzial wie in der Türkei oder im Mittleren Osten. Damit dieses ausgeschöpft werden könne, «wollen wir bestehende Geschäftsbeziehungen im Iran weiter vertiefen und nach Aufhebung der Sanktionen von Beginn an starke Präsenz zeigen», sagt Klaas.

Ein Hauptargument für Exporteure ist die günstige Demografie. «Der Iran mit einer Bevölkerung so gross wie Deutschland bietet uns Zugang zu einer jungen, modernen und gut ausgebildeten Generation», glaubt Marco Birrer vom Milchpumpenhersteller Medela. Schon lange arbeite man mit einer Firma in Teheran zusammen und nun gelte es, diese Kooperation auszubauen.

Markt in Aufbruchstimmung

Aber auch Neulinge haben Ambitionen. Franziska Hoffmann von Gastros Switzerland, einer Firma im Bereich der Speisewarmhaltung, sieht Marktlücken: «Aufgrund der Änderung hinsichtlich der Sanktionen rechnen wir damit, dass grössere, internationale Hotelketten bald Hotels im Iran eröffnen werden und somit die Nachfrage nach unseren Produkten steigt».

Die befragten Firmen sind unterschiedlich weit bei ihrer Expansion in den Iran. Gemeinsam haben sie aber alle die Vorstellung von einem Markt, der sich in Aufbruchstimmung befindet. Zwar haben die Amerikaner nach der Beilegung des Atomstreits bereits wieder neue Sanktionen gegen die Islamische Republik verhängt. Die internationalen Strafmassnahmen sind aber im Januar in Übereinstimmung mit dem Nuklearabkommen aufgehoben worden.

Banken müssen zurückkehren

Ein einfacher Markt ist der Iran aber damit noch lange nicht. Problematisch bleiben die Abwicklung von Bankgeschäften und die hohen Zölle. Für die von S-GE befragten Firmen sind die grenzüberschreitenden Zahlungen schwierig. Es sei zwingend notwendig, dass sich der Bankenverkehr öffne und europäische Banken ihre Geschäftsbeziehungen wieder aktivierten, sagt IMD-Manager Klaas.

Heinz Umschlag vom Obstverarbeiter Räber hat registriert, dass «auffällig viele Interessenten ein Joint Venture anboten». Als Vorteil sei die Vermeidung der angeblich hohen Einfuhrzölle genannt worden. Positiv für Räber: «An der Messe, aber auch im privaten Rahmen bemerkte ich das grosse Interesse vieler Menschen an uns Europäern und an unseren Produkten», so Umschlag.

Niedrige Einkommen und amerikanische Sanktionen

Wegen dem starken Franken sowie den hohen Zöllen und Exportpreisen werden die Konfitüren und Destillate von Räber zu Luxusprodukten werden. Denn der Iran ist kein reiches Land. Für Franziska Hoffmann von Gastros sind denn auch die niedrigen Einkommen eines der grössten Hindernisse.

Bei den Hürden verweist Milchpumpenhersteller Medela auch auf die weiter bestehenden Sanktionen der USA. «Um dem noch immer geltenden Embargo zu genügen, verzichten wir darauf, Produkte, die Komponenten mit US-Ursprung haben, in den Iran zu liefern.»

Öffnung und Handel helfen beiden Seiten

Bei Max Zeller Söhne, einem Anbieter von pflanzlichen Arzneimitteln, habe man dank der Messe vielversprechende Erfahrungen gemacht, sagt Verkaufsmanager Patrick Hettrich. Für die Umsetzung werde man sich im nächsten Schritt mit ein bis zwei Partnern zusammentun. Denn die Zulassung der Zeller-Produkte im Iran sei kompliziert.

Insgesamt überwiegt der Optimismus. Wie Swissmem-Chef Hans Hess im Interview mit der Handelszeitung gesagt hat, bietet die Öffnung des Irans grosse Chancen. Zwar sei der Handel mit solchen Ländern heikel. Sanktionen brächten aber nichts. «Im Gegenteil: Mit einer Öffnung und mehr Handel kann viel mehr bewirkt werden.»

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