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Kritik
«Diese Position ist ein Selbstbedienungsladen»

Arzt: «Jeder kann soviel abrechnen, wie er es für gut findet», so die Santésuisse-Direktorin.  Keystone

Immer häufiger rechnen Spitäler und Ärzte «Leistungen in Abwesenheit des Patienten» ab. Die Direktorin des Krankenkassenverbandes findet dies nicht tolerierbar.

Veröffentlicht am 11.02.2017

Spitäler und Ärzte rechnen immer mehr «Leistungen in Abwesenheit des Patienten» ab. Nach Angaben des SRF-Nachrichtenmagazins «10 vor 10», das sich auf eine Analyse des Krankenkassenverbandes santésuisse stützt, betrug diese Summe letztes Jahr 454 Millionen Franken.

2010 hatte diese Position mit 200 Millionen Franken zu Buche geschlagen, 2014 waren es rund 367 Millionen. Santésuisse-Direktorin Verena Nold sagte gegenüber «10vor10»: «Diese Position ist ein Selbstbedienungsladen, jeder kann darüber soviel abrechnen, wie er es für gut findet - und daran verdienen, was er will. Das ist nicht tolerierbar, vor allem nicht für die Prämienzahler.»

«Leistungen in Abwesenheit»

Unter «Leistungen in Abwesenheit» werden Gespräche mit anderen Ärzten, Angehörigen des Patienten oder das Lesen von Berichten gezählt. Zu den Kostentreibern gehören gemäss dem Fernsehbericht insbesondere die Spital-Ambulatorien.

Diese verrechnen diese Position besonders oft. Es gibt laut der Analyse Spitäler, welche die Position viel häufiger in Rechnung stellen als andere. Welche, gibt santésuisse nicht bekannt. Mit den betreffenden Spitälern sucht santésuisse das Gespräch.

Grauzone mit illegalen Tricks

Der Spitalverband H+ verteidigte sich gegenüber den Vorwürfen wie folgt: «Wenn jemand seine Leistungen besser erfasst, ist das noch lange kein Sünder.» Insgesamt sei der ambulante Sektor stark defizitär. Das zeige, dass bei der Tarifierung etwas nicht stimme.

Der Gesundheitsökonom Heinz Locher spricht in der Sendung von einer Grauzone mit teilweise illegalen Tricks.

(sda/cfr)

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