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Zukunft
Diese Powerfrau bringt der Zurich digitales Knowhow

Zurich: Der Versicherungskonzern befindet sich im Umbruch. Keystone

Die Zurich stellt weitere Weichen für die digitale Entwicklung und nominiert die oberste Technologie-Chefin der Bank of America für den Verwaltungsrat. Ein vorbildlicher Entscheid, sagt eine Expertin.

Von Caroline Freigang
am 09.02.2017

Mario Grecos Massnahmen tragen Früchte: Nachdem der Zurich-CEO die Sparschraube massiv angezogen hatte, konnte der grösste Schweizer Versicherer den Reingewinn im vergangenen Jahr um drei Viertel steigern. «Die Restrukturierung verläuft nach Plan», schreibt die Zürcher Kantonalbank. Mit schmaleren Strukturen soll der Konzern weiter fit für Herausforderungen der digitalen Entwicklung gemacht werden.

Zu diesen Anstrengungen im digitalen Bereich gehört auch eine neue Personalie: Die Zurich Insurance Group hat Catherine Bessant, Chief Operations and Technology Officer bei der Bank of America, für den Verwaltungsrat nominiert. Die Wahl findet am 29. März statt.

Das einflussreiche Wirtschaftsmagazin «Forbes» nannte Bessant bereits die «Businessfrau mit dem grössten IT-Job in der Finanzwelt». Fachmagazine zählen sie zur Riege der mächtigsten Bankerinnen und wichtigsten Führungspersonen im Bereich Finanztechnologie. Die Amerikanerin leitet knapp 100'000 Angestellte, hat das Wachstum bei der US-Bank massgeblich angetrieben und diese zu einem der weltweit führenden Finanzdienstleistern gemacht.

«Wenig Verständnis bei strategischer Leitung»

Für die digitale Entwicklung der Zurich ist die Nominierung Bessants ein sinnvoller Schritt. Denn die Versicherung hat ihren Gewinn zwar gesteigert, der Umsatz stagnierte aber. Damit dieser wieder steige, müsse die Zurich ihre vorgestellte Digitalisierungsstrategie auch tatsächlich umsetzen, sagt Sita Mazumder, Professorin am Departement Informatik der Hochschule Luzern. Interne Strukturen und Prozesse müssten weiter digitalisiert werden.

Eine Fachperson im Verwaltungsrat einzusetzen sei dafür zielführend, so Mazumder: «Es ist wichtig, Knowhow im Technologie- und Digitalisierungsbereich stärker in den Verwaltungsrat zu bringen – vor allem in der Finanzdienstleistungsbranche.» Viele Firmen hätten Digitalisierungsprojekte gestartet, zeigten aber nur wenig Verständnis dafür auf Seiten der strategischen Oberleitung, so die Digitalisierungexpertin.

«Fintechs sind Freunde»

Ultimativ fit für die Digitalisierung werde man zwar nicht allein durch die Ernennung eines kompetenten Verwaltungsrats, sagt Mazumder: «Eine echte Digitalisierung fängt intern an, bei der Kultur und den Prozessen». Eine Person im Verwaltungsrat könne aber einen Impuls geben und sicherstellen, dass die Strategie auf den richtigen Weg gebracht und umgesetzt werde.

Dass Bessant digitales Verständnis mitbringt, zeigt auch ihre Offenheit gegenüber der Konkurrenz durch Fintech-Startups – also jungen, digitalen Firmen im Bereich Finanztechnologie. Im Interview gefragt, ob Fintech-Startups für sie Freund oder Feind seinen, sagte sie kürzlich mit einem Augenzwinkern: «Ausser wenn sie besser sind als ich, sind sie Freunde. (...) Fintechs bedeuten Fortschritt.» Städte mit hoher Fintech-Dichte seien zudem innovativer.

Die digitale Entwicklung bei Banken stellte Sie sich so vor: «Alles was wir machen sollte der Kunde auf seinem Handy mit sich herumtragen können», so Bessant. Ein Hinweis, was bei der Zurich-Versicherung noch alles möglich werden könnte, wenn die richtigen Impulse gesetzt werden.

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