Hinter tonnenschweren Stahltüren, in atomsicheren Bergbunkern lagern in der Schweiz riesige Datenmengen von Unternehmen. Die hiesigen Gesetze schützen das neue Gold unserer Zeit, das hierzulande auf den Servern liegt: sensible Geschäftsdaten.

Inmitten dieser Sicherheitseinrichtungen à la Suisse horten Schweizer Cyber-Firmen wie Sasera und Radix die Daten im sogenannten Swiss Fort Knox für Unternehmen, Wirtschaftslenker und Privatpersonen. Die IT-Sicherheitsbranche geht davon aus, dass sich das Geschäft mit sicheren Daten in den nächsten fünf Jahren verdoppeln wird. Gesamtinvestitionen in Milliardenhöhe in Rechenzentren in Berg und Bunker versetzen Cyber-Security-Anbieter in Goldgräberstimmung.

Schutz vor Industriespionage

So auch die Leute der Zuger IT-Sicherheitsfirma Sasera: «Wir bieten neu eine cloudbasierte Verschlüsselungssoftware für eine sichere Smartphone-Kommunikation an», sagt Mitgründer Wolfgang Sidler. Die Daten liegen auf den Servern des ebenfalls schweizerischen Betreibers Siag Secure Infostore, welche Sasera für ihre Zwecke anmietet.

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Sicherheitsexperte Sidler und seine zwei Geschäftspartner Hans-Peter Furrer und Davide Pulver gründeten Sasera im Februar dieses Jahres, um Wirtschaftsbosse vor Industriespionage zu schützen. Verwaltungsräte sollen unbeobachtet chatten und telefonieren können, Manager ungestört Verhandlungsdetails und Informationen austauschen.

Chats, SMS und Telefonie vor Hackerangriffen geschützt

Die Technologie dafür kommt vom Zürcher Unternehmen Qnective, Sasera ist Lizenznehmer. Im Unterschied zu populären und bekannten Diensten wie Whatsapp und Threema schützt die Sasera-Software nicht nur Handychats, sondern auch Smartphone-Telefonie und -SMS vor Hackerangriffen und der Überwachung der Geheimdienste. Das Startup bietet dabei alle Kommunikationsdienste aus einer Hand und fokussiert ausschliesslich auf die Wirtschaft.

Die Technologie macht bereits international Furore. Unter der Federführung von Qnective und in Kooperation mit Motorola wurde eine Absichtserklärung mit Pakistan über 440 Millionen Dollar unterzeichnet. Installiert werden sollen in der pakistanischen Stadt Karatschi Verschlüsselungssysteme aus Schweizer Entwicklung.

Sasera verpasst nun der Qnective-Technologie ein für allemal das Schweizer Gütesiegel – ohne allfällige US-Partner wie Motorola und ohne Geschäftsverbindungen in die USA.

Neues Handy mit finnischem Partner

Qnective deckt weiterhin das internationale Geschäft mit Militärs und Regierungen ab. Was für Sasera nicht in Frage kommt: «US-Standards entsprechen bezüglich Privacy nicht unseren hohen Ansprüchen. Darum vermeiden wir Geschäftsbeziehungen mit den USA und Kanada», sagt Sidler.

Die Sasera-App kann auf jedem Handy installiert werden, ob Android, iOS oder Blackberry. Bei der Software alleine soll es aber nicht bleiben. Auch ein eigenes Telefon geht bald in Serie. Gebaut wird das Teil im Auftrag von Sasera vom Handyhersteller Bittium, einem Unternehmen der finnischen Elekrobit-Gruppe. Die Schweiz und ihre Gesetze sind für solche neuen Software- und Hardware-Produkte in der IT-Sicherheit mittlerweile der Garant für ein Milliardenbusiness und damit auch für Cyber-Security-Firmen wie Sasera.

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