Monatelang hatte Nestlé in Indien ein Nudel-Problem: Die Gesundheitsbehörden warfen dem Konzern vor, seine populären Fertignudeln seien mit Blei verseucht. Nestlé wehrte sich gegen die Vorwürfe, es folgte ein langwieriger Rechtsstreit. Der Lebensmittelkonzern musste das Produkt zurückziehen und zehntausende Tonnen der Nudeln vernichten. Mindestens 66 Millionen Franken Verlust hat Nestlé der Skandal gekostet.

Erst im August hob der Oberste Gerichtshof das Verkaufsverbot auf. Seit November sind die Maggi-Nudeln wieder in den Regalen. Doch nun droht dem Erfolgsprodukt die nächste Gefahr. Und diesmal hat Nestlé nicht Beamte, sondern den bekanntesten Yogi Indiens als Widersacher: Baba Ramdev hat zeitgleich mit den Schweizern seine Atta-Nudeln lanciert.

Gesunde und günstige Alternative?

In über einer Million Läden sollen seine Fertignudeln bis Ende Jahr erhältlich sein, kündet Ramdev an. Der Guru preist seine Nudeln als gesunde, indische und günstige Alternative zum Nestlé-Produkt an.

Mit Baba Ramdev hat Nestlé einen schillernden Konkurrenten erhalten: Der 49-jährige Yoga-Lehrer hat eine riesige Anhängerschaft und einen ausgeprägten Geschäftssinn. Seine Firma Patanjali Ayurved beschränkt sich nicht auf Nudelspuppen, im Angebot sind eine Vielzahl von Lebensmitteln, Gesundheitsprodukte und Medienartikel.

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Guru mit starkem Geschäftssinn

In der nordindischen Stadt Haridwar betreibt seine Organisation ein Spital, ein Gesundheitszentrum und verschiedene Landwirtschafts- und Produktionsbetriebe. Sogar eine schottische Insel soll laut der New York Times zum Esoterik-Imperium gehören.



Ein böses Gerücht

In der Politik hat der spirituelle Führer dank seiner vielen Anhängern Einfluss. Seine Kampagne gegen Korruption machte weltweit Schlagzeilen. Wegen dieses politischen Gewichts kursiert auch ein Gerücht zum Nudel-Skandal: Die Gesundheitsbehörden hätten Nestlé unter einem Vorwand ins Visier genommen.

Sie hätten den internationalen Grosskonzern aus dem Geschäft drängen wollen, um Platz für den indischen Guru zu schaffen. Vor dem Skandal hatten die Maggi-Nudeln einen Marktanteil von rund 70 Prozent, sie trugen bis zu einem Fünftel zum Umsatz von Nestlé in Indien bei.

Keine Bewilligung für Fertignudeln

Ob die These stimmt, ist nicht klar. Denn offenbar hat auch Ramdev Probleme mit der Lebensmittelaufsicht: Die Beamten verwarnten seine Firma Patanjali Ayurved, weil ihr die Lizenz für die Herstellung der Fertignudeln fehlte.

— India TV (@indiatvnews) 16. November 2015