ECHOBOOMER . Der Amerikaner Marc Prensky, der den Begriff Echoboomer geprägt hat, spricht auch von den digitalen Eingeborenen. Altersmässig sind es Teenager und jüngere Twens. Charakteristisch ist für sie alle, dass sie im Gegensatz zu ihren Eltern mehr Zeit im Internet verbringen als vor dem Fernseher. «Echoboomer sind die erste Generation, für die moderne Multimedia-Techniken völlig selbstverständlich sind», erklärt Beraterin Silvia Finke von der Agentur Dr. Peter Knobel.

Die Forderungen der 21-Jährigen

Die Echoboomer haben PC und Internet also in Fleisch und Blut. «Und sie erwarten am Arbeitsplatz eine IT-Ausstattung, die es ihnen erlaubt, mit allen modernen Kommunikationstechniken zu jonglieren, so wie sie es aus ihrem privaten Alltag und auch vom Studium her bereits gewohnt sind», so Silvia Finke. Sie wollen Informationen und Applikationen beliebig abrufen können, und zwar von überall her und zu jeder Zeit. Bilder und Grafiken verstehen sie in der Regel schneller und besser als Texte. Sie lieben Blogging, Podcast, Networking-Plattformen, Surfen, VoIP, Video-on-demand usw. «Diese neuen Bedürfnisse der Echoboomer werden die Arbeitswelt umkrempeln», ist Silvia Finke überzeugt. Das Stichwort heisst «Social Computing», die Tatsache also, dass Echoboomer ihre Kommunikationsgewohnheiten mit ins Büro bringen. Laut einer Studie von Forrester Research im Auftrag von Xerox glauben zwar die befragten Geschäftsführer von Schweizer Unternehmen, sie seien auf die Echoboomer bereits bestens vorbereitet. Doch die Autoren der Studie kommen nach Auswertung der Detailfragen zu einem anderen Schluss. «Die Schweizer Unternehmen haben noch einen langen Weg vor sich, um den unterschiedlichen Arbeitsweisen der mit Internet, PC und Mobiltelefon aufgewachsenen Generation von Mitarbeitern zu entsprechen», folgern sie. Dabei dränge die Zeit, denn bereits in wenigen Jahren werde die Generation der Echoboomer einen höheren Anteil an den Mitarbeitenden stellen als die aktuell noch dominierenden Babyboomer. Nicht ganz so drastisch wie die Marktforscher von Forrester Research beurteilt die Situation Michael Schmidt, der für die Schweiz verantwortliche Country Manager von Citrix Systems. «Je nach Branche sieht es anders aus», relativiert er. In jüngeren IT-Unternehmen gehörten Echoboomer teils schon zu den Entscheidungsträgern, und entsprechend sei die von ihnen gewünschte neue Arbeitswelt bereits Alltag. «Doch viele traditionell ausgerichtete Unternehmen sind natürlich noch längst nicht so weit», gibt Schmidt zu bedenken. Dass der Nachholbedarf noch gross ist, darüber freut sich Schmidt. Denn Citrix Systems hat vor dem Hintergrund der sich verändernden Arbeitswelt eine in-tegrierte Gesamtlösung entwickelt – vom Rechenzentrum bis zum Endgerät. Sie beinhaltet Instrumente zur Regelung, Sicherung, Optimierung und Beschleunigung des Datenverkehrs. Laut Schmidt geht es aber in der künftigen Arbeitswelt nicht einfach nur um die Bereitstellung von Software und Technik, sondern auch um soziale Verhaltensänderungen. «Die Grenze zwischen Privatleben und produktivem Arbeiten wird verschwimmen. Die Unternehmen müssen merken, dass der virtuelle Schwatz in der privaten Chat-Box inzwischen mindestens so stimulierend für die Produktivität sein kann wie einst die Kaffeepause.» Sich auf die neuen Gewohnheiten einzustellen, setze erweitertes Vertrauen gegenüber dem Arbeitnehmer voraus, sagt er. Echoboomer seien grundsätzlich unterwegs in einer mobilen Welt und möchten sogar zu Hause auf dem eigenen Gerät arbeiten können. «Neue Herausforderungen stellen sich so auch bei den unternehmensinternen Prozessen, vor allem bei der Datensicherheit», ergänzt Citrix-Pressesprecher Björn Riebel. Die Unternehmen müssen sich also genau überlegen, wie sie beim Kampf um die besten Echoboomer ihre Arbeitsplätze ausstatten wollen. Dabei sind die im Schnitt mindestens 50-jährigen Verantwortlichen schnell einmal überfordert. «Der CEO aus der Generation der Babyboomer muss bereit sein, die jüngere Generation zu fragen und auf deren Bedürfnisse einzugehen», betont Schmidt. Das ist nicht immer einfach, denn der «digitale Einwanderer», der sich schrittweise immer wieder an die heutige Technologie anpassen musste, empfindet unter Umständen als Luxus, was für den Echoboomer nüchterner Mindeststandard ist. «Firmen müssen ihre Philosophie überdenken, um die Echoboomer richtig zu adressieren», glaubt Silvia Finke. Nicht auszuschliessen ist, dass sich mit dem Eintritt des Echoboomers in die Arbeitswelt nicht nur Kompetenzen verschieben, sondern ganze Hierarchien ins Wanken geraten. Der Echoboomer, der seine IT-Applikationen selbstverständlich einrichtet, trifft jetzt plötzlich auf den ergrauten Chef der Privatbank, der seinen E-Mail-Verkehr noch immer an die Sekretärin delegiert hat und das auch nicht ändern will.

Vertrautheit mit Elektronik

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