Moderator Kaspar Loeb, CEO Saatchi & Saatchi Schweiz, zeigte sich erfreut über die rasche Zusage der Kontrahenten; sie belege deren Lust an der Debatte. Diese fiel im Folgenden allerdings äusserst freundlich aus. Loebs Vermutung, aus der «entente cordiale» der Medienhäuser sei ein verlegerischer Kleinkrieg geworden, erwies sich zumindest an diesem Abend als trügerisch. Immerhin, die digitale Revolution trifft alle und legt einige harte Knacknüsse vor.

Ralph Büchi, CEO Axel Springer Schweiz und Präsident Axel Springer International, erläuterte die dreiteilige Konzernstrategie von Marktführerschaft im deutschsprachigen Raum, Internationalisierung und Digitalisierung. Beim Joint Venture mit Ringier in Osteuropa strebe man nach einer Festigung der Marktführerschaft im Bereich Boulevard. Eine schmerzhafte Konsolidierung bei Tageszeitungen in der Schweiz hält er für unabwendbar; die «Gratiszeitungs-Euphorie» sieht er am Ende. «Online hat viele Gesichter», hielt er fest, um «paid content» als zukunftsweisend zu bezeichnen.

Die aktuelle Entwicklung der NZZ-Gruppe verlaufe nach einer schlimmen Phase im Anzeigenmarkt heute positiv, da die Sparmassnahmen deutlich griffen, sagte CEO Albert P. Stäheli. Man arbeite am Integrationsprozess in Richtung einheitliches Medienunternehmen unter dem Flaggschiff der NZZ. In den regionalen Märkten wolle die Gruppe ihre Position festigen. Auch er betonte: «Die Printreise geht mehr in den digitalen Bereich.»

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Martin Kall, CEO Tamedia, hielt fest, er teile viele Ideen mit seinen Vorrednern. Tamedia habe einen grossen Teil der Strukturveränderung bereits hinter sich, gab er sich überzeugt. «20 Minuten» belege den Erfolg eines Printprodukts. «Nur Leute über 50 glauben, dass die NZZ führend ist.» Er bezeichnet es als existenziell, das Online-Portfolio auszubauen und Online-Medien profitabel zu halten.

In der Diskussion betonten alle drei CEO den Win-win-Effekt der Entflechtung von Tamedia und NZZ. Von Monopolstellung um den Zürichsee wollte Kall nichts hören; der Markt sei dafür zu vielfältig geworden. Auf Loebs Einwurf, die grossen Medienhäuser teilten sich - mit Ausnahme von Basel - die ganze Schweiz auf, hielt Büchi fest, dass Axel Springer der Schweiz einen Sonderstatus zuspreche, aber nicht den Regionalbereich fokussiere, sondern international tätig sei. Das Thema «Heirat mit Ringier» erklärte er als ad acta gelegt, da Ringier erklärtermassen unabhängig bleiben wolle. Während die drei Exponenten die Bedeutung des iPad für die Medienbranche unterschiedlich gewichteten, war man sich einig, dass Print- und Onlineprodukte nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen.