Hätte bereits William Shakespeare über eine digitale Identität verfügt, wäre die Diskussion über die Urheberschaft und die Authentizität seiner Meisterwerke Makulatur. Mit einer digitalen Identität, wie sie in der Schweiz unter dem Namen SuisseID seit Mai dieses Jahres als europäische Premiere angeboten wird, lassen sich nämlich Personen eindeutig identifizieren.

Die SuisseID ist ein vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco standardisiertes Produkt. Es integriert den elektronischen Identitätsnachweis einer Person und deren rechtsgültige elektronische Unterschrift mit den entsprechenden Zertifikaten. Jeder kann sich elektronisch ausweisen, Dokumente und E-Mails rechtsgültig und fälschungssicher unterschreiben sowie Eigenschaften wie Alter, Beruf und Funktion nachweisen. Somit lassen sich Geschäfte zwischen Privatpersonen und Firmen, unter Firmen sowie zwischen Bürgern und Verwaltung erstmals direkt elektronisch so abschliessen, dass sie auf klarer Authentisierung basieren und rechtlich abgestützt sind. Die SuisseID wird derzeit von den vier gesetzlich anerkannten Anbietern QuoVadis, SwissSign/Post, Swisscom und BIT in Form einer Chipkarte oder eines USB-Sticks angeboten. Nach Abzug der 65 Fr., die der Bund bis Ende 2010 pro SuisseID beisteuert, kostet das Standardpaket für eine drei Jahre gültige SuisseID 99 Fr.

Kosteneinsparungen für KMU

Die Entwicklung des «elektronischen Ausweises» ist Teil der dritten Stufe des Konjunkturpakets, das der Bundesrat letzten Sommer lanciert hat. Er stellte 24 Mio Fr. bereit und hofft, mit der Förderung des digitalen Identitätsnachweises einerseits das E-Government und andererseits den elektronischen Geschäftsverkehr anzukurbeln und dadurch die Produktivität von Behörden und Wirtschaft zu stärken. Die IT-Branche hatte den Bundesbeitrag bitter nötig: Obwohl die Schweiz seit einigen Jahren mehrere Zertifikatsprodukte für die elektronische Signatur auf der Grundlage des eidgenössischen Signaturgesetzes (ZertES) erlebt hat, ist man bisher nicht vom Fleck gekommen.

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Es war ein klassisches Huhn-Ei-Problem, das hier aus dem Gegensatzpaar «Digitale Signatur» und «Mögliche Anwendungen» entstand. Besonders hemmend ist, dass für elektronisch getätigte Geschäfte im E-Banking oder E-Shopping keine elektronische Signatur benötigt wird. Stattdessen hat sich hier die Nutzung einheitlicher Authentisierungsmerkmale als sinnvoll erwiesen. Zur Abwicklung ihrer Geschäfte benötigen Unternehmen zudem oft Zeichnungsberechtigungen, Adressen oder notarielle Beglaubigungen. Die Grundlage für all dies bietet nun die SuisseID. Sind derlei Zusatzqualifikationen neben Ausweisdaten wie Name, Geschlecht, Alter oder Nationalität gesetzeskonform digital nachweisbar, sollte sich der gordische Knoten nun lösen lassen. Das Potenzial ist beeindruckend. Schätzungen des Seco zum volkswirtschaftlichen Nutzen gehen davon aus, dass durch die flächendeckende Nutzung der SuisseID schweizweit rund 500 Mio Fr. eingespart werden können. Die Zahlen basieren auf einer Studie von Siemens. Diese nimmt an, dass ein KMU pro Mitarbeiter und Jahr mit der SuisseID rund 110 Fr. sparen kann. Bereits haben sich rund 150 Unternehmen beim Seco beworben, um mit einem Pilotprojekt am Konjunkturprogramm teilzunehmen. Lösungen für die Nutzung im Treuhand- und Postdienstleistungsbereich liegen bereits vor, ebenso einzelne Vorschläge für die Nutzung im E-Government-Bereich. Mit der SuisseID können etwa bereits heute ein Strafregisterauszug bestellt, in mehreren Kantonen Einsicht in das eigene Steuerkonto genommen und Zahlungsvereinbarungen abgeschlossen werden.

Juristen setzen auf SuisseID

Der Schweizerische Anwaltsverband offeriert seinen Mitgliedern einen Sichtausweis mit integrierter SuisseID und einem digitalen Berufszertifikat. Bald sind die Juristen damit für ihre Einsprachen nicht mehr auf die Öffnungszeiten der Post angewiesen. Selbst die Landwirte sind dabei: Sie sollen über das Portal agate.ch unter Zuhilfenahme der SuisseID persönliche Agrardaten verwalten, die im Betrieb getätigten Kontrollen sichten und Daten bestimmten Organisationen zur Verfügung stellen. Diesen Herbst werden die ersten E-Commerce-Anbieter mit SuisseID online gehen. Ebenfalls diesen Herbst wird man Betreibungsbegehren und Betreibungsauskünfte elektronisch einreichen können. Und gerade KMU dürften es schätzen, wenn ab Mitte 2011 das elektronische Einreichen der Mehrwertsteuer-Abrechnung möglich wird. Gut vorstellbar wären etwa auch Ticketing-Systeme. Es lässt sich bereits jetzt bilanzieren, dass die SuisseID dem E-Commerce und dem E-Government grossen Auftrieb bringen wird.

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