Der Gang in die Videothek, um dort Filme auszuleihen und sie dann nach einigen Tagen wieder zurückzubringen, wird immer seltener angetreten. Kein Wunder, bieten doch Swisscom und Cablecom in vielen Gebieten einen Online-Filmverleih an, und auch Microsoft und Apple mischen im lukrativen Geschäft mit. Ein Druck auf die heimische Fernbedienung genügt, und schon läuft der abendfüllende Spielfilm - Video on Demand, kurz VoD, nennt sich das. Bei der Swisscom gibt es für Musik- und Filmliebhaber über 1000 Titel auf Knopfdruck. Zusätzlich können die Fernsehkunden pro Jahr mehr als 2000 Live-Sport-Events gegen Bezahlung abrufen.

Zuwachs von fast 100 Prozent

Das Angebot ist ein voller Erfolg. Swisscom-Sprecher Olaf Schulze erklärt: «2009 wurden über zwei Millionen Inhalte gemietet.» Darin enthalten sind auch die Sport-Events, die besonders gefragt sind. Das Angebot werde denn auch laufend ausgebaut, so Schulze. 2009 hat sich bei der Swisscom die Anzahl TV-Kunden fast verdoppelt, von 118000 auf 230000. Das entspricht einem Zuwachs von fast 95%.

Ausgebaut wird auch bei der Cablecom. Ihre VoD-Angebote stehen derzeit einem Drittel der Kabelnetzhaushalte zur Verfügung, «die Mehrheit der restlichen Haushaltungen wird bis Ende 2010 dazukommen», so Sprecherin Deborah Bucher. Die Nachfrage sei gut: «Wir sind mit der Akzeptanz zufrieden.»

Derzeit sind bei Cablecom 450 Filme im Angebot, auch hier läuft der Ausbau kontinuierlich. Die Preise variieren je nach Kategorie zwischen 3.50 Fr. für Filmklassi-ker und 9 Fr. für Erotikfilme. Aktuelle Blockbuster kosten zwischen 6 und 8 Fr. Cablecom-Sprecherin Bucher: «Wir verfolgen die Strategie, möglichst aktuelle Blockbuster möglichst früh in unserem VoD-Angebot verfügbar zu machen.» Bei Cablecom können Kunden im Rahmen einer Kooperation mit dem Schweizer Fernsehen auch Schweizer Filme on demand abrufen. Nebst solchen Filmen seien die aktuellsten Spielfilme bei den Kunden am meisten gefragt, erklärt Bucher weiter.

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Trotz dieses Frontalangriffs von Swisscom, Cablecom & Co. konnten die Videotheken im letzten Jahr wieder etwas aufatmen. Während die Filmvermietung weiterhin nachliess, legten die Verkäufe von Filmen erstmals seit drei Jahren wieder zu - um rund eine Million Filme oder um 2,7% (siehe auch Tabelle). Der Gesamtumsatz der Branche wuchs 2009 auf 315,5 Mio Fr. Der Grund für diese Entwicklung ist eine Schweizer Eigenart: «Die Schweiz ist traditionell ein Käufermarkt», sagt Patrick Schaumlechner, Vizepräsident und Sprecher des schweizerischen Videoverbandes.

DVD werden billiger

Allerdings geht auch der Preiszerfall weiter: Durchschnittlich zahlten die Konsumenten letztes Jahr für eine DVD 21.80 Fr, was einem Minus von über 5% entspricht. Einer der Gründe, warum sich Kaufvideos vorerst noch wacker halten, ist gemäss Schaumlechner auch die Wirtschaftskrise. «Die schlechte Konjunktur hilft unserer Branche, denn da ist Entertainment ganz generell gefragt.»