Das Privatpostunternehmen DPD macht aus Restaurants bald auch Poststellen. Gemäss Recherchen der «Handelszeitung» ist die Nummer zwei im Schweizer Paketmarkt eine Kooperation mit dem GastroSuisse-Verband eingegangen. «Ab 2010 werden vorerst 200 ausgewählte Restaurants für DPD die Päckli von Privat- und KMU-Kunden entgegennehmen», bestätigt DPD-CEO Georges Champoud auf Anfrage (siehe auch «Nachgefragt»). Mittelfristig plant DPD ein Netz von 1000 Restaurant-Annahmestellen.

Die Schweizer Post, die letztes Jahr im Paketgeschäft 1% Marktanteil an die Privaten verlor - vor allem an DPD -, verfügt derzeit noch über 2400 Poststellen. Davon stehen allerdings 400 auf der Kippe.

Vorteil Öffnungszeiten

Ausschlaggebend für die Partnerschaft waren laut Champoud die Servicementalität der Restaurants sowie die langen Öffnungszeiten, insbesondere abends und am Wochenende. Gerade in dieser Beziehung wird DPD gegenüber der Post deutlich attraktiver sein. Laut Post-Sprecher Richard Pfister existieren gerade einmal elf Poststellen mit verlängerten Öffnungszeiten (nicht zwingend länger als bis 20 Uhr), die auch am Sonntag geöffnet sind. Dies sind nur rund 0,5% aller Poststellen.

Auf die Restaurants warten zuerst Schulungen und ein Extraverdienst. Hannes Jaisli, Leiter Wirtschaft und Recht bei GastroSuisse, führt aus: «Die Entschädigung für die Betriebe ist mengenabhängig, wobei für die Paketaufgabe und das Abholen unterschiedliche Ansätze zur Anwendung kommen werden.»

Für GastroSuisse ist das Zusatzgeschäft mit keinerlei Kosten verbunden. Die Gastronomen brauchen überdies keine spezielle Lizenz für das neue Zusatzgeschäft.

Die Auswahl der Betriebe wird von den neuen Partnern gemeinsam vorgenommen. In Frage kommen laut Jaisli gut gelegene Betriebe in Ortschaften ab einer gewissen Grösse. Wichtig seien auch eine gute Verkehrsanbindung und genügend Parkplätze.

Schon kurz nach der Liberalisierung des Schweizer Paketmarktes 2004 hatten die zwei grossen Privatpostunternehmen - DHL Schweiz, ein Ableger der deutschen Post, und DPD Schweiz (französische Post) - versucht, ein Netz von Annahmestellen aufzubauen. DPD ging dazu eine Partnerschaft mit Papeterien ein, schaffte es aber nicht auf mehr als 70 Partner. DHL zählt unter anderem Apotheken zu den Partnern und verfügt über 125 Annahmestellen.

Anzeige

DPD plant vorerst nicht, die Papeterien aufzugeben - obwohl sie mangels Flexibilität bei den Öffnungszeiten gegenüber den Restaurants deutlich im Nachteil sein werden. DPD-Chef Champoud will dafür sorgen, dass sich die neuen Restaurant-Annahmepunkte und die Papeterien geografisch nicht in die Quere kommen.

Auch aus Sicht der neuen Partnerin GastroSuisse kann die alte DPD-Partnerschaft mit den Papeterien weiterlaufen: «Es wird zu einem natürlichen Nebeneinander kommen», erklärt Jaisli.

Das Netz als A und O

Auch an DPD geht die Rezession nicht spurlos vorbei. Die Krise führe im Paketbereich wie bei der Schweizer Post zu einem Umsatzrückgang von rund 1-2%, sagt CEO Champoud. Dies halte DPD aber nicht davon ab zu investieren - nicht nur in die neue Vertriebspartnerschaft, sondern auch in ein modernes Logistikzentrum in Buchs ZH, das nächstes Jahr eröffnet wird.

Die neuste Entwicklung auf dem Paketmarkt dürfte auch den Postregulator freuen. In seinem kürzlichen Bericht zeigt er sich zwar erfreut über die Entwicklung seit der Liberalisierung. Obwohl die Schweizerische Post gestärkt aus der Paketmarktöffnung hervorgehe, profitiere die Kundschaft von neuen Angeboten, der Trend zu mehr Annahmestellen halte an. Insgesamt waren per Ende 2008 über 300 private Annahmestellen gemeldet. Doch: «Die Post verfügt aufgrund ihres dichten Poststellennetzes über einen grossen strategischen Vorteil.» Das soll sich mit den neuen Post-Restaurants nun ändern.

 

 

nachgefragt


«Öffnungszeiten standen im Vordergrund»

Georges Champoud, CEO von DPD, dem grössten Schweizer Privatpostunternehmen, will mit Restaurants als neuen Annahmestellen zusätzliche Marktanteile gewinnen.

Wieso geht DPD mit branchenfremden Restaurants eine Partnerschaft ein?

Georges Champoud: Im Vordergrund standen die langen Öffnungszeiten, auch am Abend und am Wochenende, sowie die Erfahrung mit dem Kundenservice. Diese Ansprüche können Restaurants einlösen. Im Gegensatz zu Ladenketten haben sie auch weniger Platzprobleme. In den nächsten sechs Monaten findet die Auswahl der Restaurants und die Schulung des Personals statt.

Welche Postdienste werden angeboten?

Champoud: In den Restaurants können Private und KMU-Kunden ihre «Päckli» aufgeben und auch abholen. Wir wollen unser Netz auch vergrössern, damit wir die Pakete nicht mehr zurück ins Depot fahren müssen, sondern vor Ort deponieren können für das spätere Abholen durch die Kunden.

Wie steht es mit einem allfälligen Eintritt in den Briefversand, wenn die Post das Briefmonopol in wenigen Jahren ganz aufgeben muss?

Champoud: Ob wir dereinst ins Briefgeschäft einsteigen, ist noch offen.

DPD hat einen zweiten Vertriebspartner, die Papeterien, mit denen eine mehrjährige Zusammenarbeit besteht. Was haben Sie da mittelfristig vor?

Champoud: Wir haben einen unbefristeten Vertrag mit den Papeterien und wollen diesen weiterlaufen lassen, die Standorte aber nicht mehr ausbauen.