Sie lassen sich von der Unsicherheit an den Börsen nicht anstecken. Im Gegenteil: Manager und Verwaltungsräte kaufen derzeit im grossen Stil Aktien ihrer Unternehmen. In Deutschland haben die Insider-Käufe im August laut der Frankfurter VCH Investment Group den höchsten Stand seit über vier Jahren erreicht. Gekauft werden vor allem Banken- und Immobilienwerte, die in den vergangenen Wochen überdurchschnittlich korrigiert haben. Ähnliches gilt für andere Märkte. «Die Insider sind sich weltweit einig, dass es sich um eine vorübergehende Korrektur an den Börsen handelt», sagt Alfred Roelli, Leiter Finanzanalyse von Pictet & Cie.

Statistiken zu Insider-Transaktionen etablieren sich zunehmend als Prognoseindikator. Denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass Insider nicht nur ihr Unternehmen gut einschätzen, sondern auch ein Gespür für Trends an den Aktienmärkten haben.

Jetzt keine kurzfristigen Käufe

Dennoch sollte nicht einzig auf das Verhalten der Insider abgestellt werden. Anlageentscheide müssen breiter abgestützt sein. Von den gängigen Sentiment-Indikatoren gibt es derzeit noch keine Entwarnung. «Die Stimmungsindikatoren schwächen sich zwar ab, haben den Boden aber noch nicht ganz erreicht», erklärt Christian Gattiker, Leiter Aktien- und Strategie-Research der Bank Julius Bär. Zudem hänge der richtige Zeitpunkt für den Einstieg auch vom Zeithorizont des Anlegers ab. Sehr kurzfristig orientierte Investoren stellten sich am besten gegen den Markt, während sich bei einem langen Anlagehorizont bereits jetzt ein gestaffelter Einstieg anbiete. Anleger mit einem Zeithorizont von 6 bis 12 Monaten sollten dagegen die Turbulenzen noch abwarten.
Roelli macht noch eine weitere Einschränkung: «Daten zu Insider-Geschäften sollten nur berücksichtigt werden, wenn sie auffällig sind.» Dies ist derzeit der
Fall: Seit Jahren waren die Insider nicht mehr so «bullish» für Aktien (siehe Grafik). Der Grund, warum Investoren auf Insider-Geschäfte setzen, ist einfach. «Die Insider kennen ihr Unternehmen besser
als die Analysten», argumentiert
Roelli. Er rät deshalb auch Privatanlegern, die auf der Webpage der SWX Swiss Exchange veröffentlichten Management-Transaktionen zu verfolgen. Verwaltungsräte und Mitglieder der Geschäftsleitung müssen der SWX Transaktionen von Aktien des eigenen Unternehmens innert zwei Tagen melden, sofern diese innerhalb eines Kalendermonats 100000 Fr. überschreiten. Diese Insider-Geschäfte sind legal, müssen aber publiziert werden. Verboten ist dagegen der Handel aufgrund kursrelevanter Informationen, die noch nicht kommuniziert worden sind.

Käufe haben mehr Aussagekraft

Der Verkauf einer Aktie kann zuweilen auch rein private Gründe der Manager haben. Ein Verwaltungsrat kann etwa von unerwartet hohen Steuern überrascht werden. Deshalb wird häufig argumentiert, Insider-Verkäufe seien weniger aussagekräftig als die Käufe. Nicht zuletzt wissen die Manager auch, dass ihr Handeln von den Investoren aufmerksam verfolgt wird. Aus Angst vor einem Vertrauensverlust verkauft deshalb so mancher Insider trotz besserem Wissen seine Aktien nicht.
Damit der Insider-Handel für den Anleger relevant wird, muss es sich zudem um Geschäfte im grösseren Stil handeln. «Die Insider-Transaktionen sind umso bedeutender, je kleiner das Unternehmen ist», ergänzt Roelli. Im August wurden die bisher grössten Insider-Käufe in Bachem getätigt (siehe Box). Dies ist eher ein Signal als der grösste Verkauf in diesem Monat. Ein Insider hat Roche-Genussscheine im Wert von 2,63 Mio Fr. veräussert.

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Zertifikate nehmen Arbeit ab

Die publizierten Daten zu finden und zu interpretieren, braucht Zeit. Wer den Aufwand tief halten und zudem das Risiko streuen will, kann sich für ein Zertifikat entscheiden. Die Credit Suisse bietet seit September 2006 ein 5-jähriges Zertifikat an, das auf einem Index basiert, der aus 30 kleinen und mittleren US-Unternehmen besteht (Valor 2619247). Neu hat am 17. Juli 2007 auch die Citigroup ein Directors Dealing Certificate lanciert, dessen Index aus 50 europäischen Aktien besteht (Valor 3243987).